Immer mehr Menschen sind im Straßenverkehr mit Fahrrad, E-Bike oder Lastenrad unterwegs. Der ADAC hat sich die Radwege in zehn Landeshauptstädten angesehen und untersucht.

Wiesbadens Alt-OB Achim Exner erinnert sich an Wiesbadens erste Radwege. Platzprobleme gab es damals keine. Mit dem damaligen Verkehrsdezernenten sei er durch in die Vororte von Wiesbaden gefahren und habe unterwegs Schilder platziert. Fertig war das erste Radwegenetz um Wiesbaden. Ganz so leicht hat es Verkehrsdezernent Andreas Kowol nicht. Und dass man es im Nachhinein eingefleischten Radfahrern nicht recht machen kann, zeigt der aktuelle ADAC–Test. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hat sich in zehn Landeshauptstädten die Radwege angesehen. Das kam dabei heraus.

45 Kilometer Radweg auf dem Prüfstand

In Wiesbaden wurden insgesamt elf Testrouten zwischen 2,7 und 9,6 Kilometer Länge, die typische Wege von Radfahrern nachbilden sollen, abgefahren. Strecken zu alltäglichen Zielen wie von zu Hause zur Arbeit, Universität oder Schule, zum Hauptbahnhof oder in die Innenstadt. Die Gesamtlänge der Routen entsprach einer Länge von 45,4 Kilometern. Bewertet wurden nur die Routenabschnitte, die eine gesonderte Radverkehrsführung in Fahrtrichtung aufwiesen.

Viele Radwege zu schmal

Fünf Prozent der untersuchten Radwege – dazu gehören bauliche Radwege, Radfahr- und Schutzstreifen – sind breiter als die empfohlenen Regelbreiten wie die Strecke Wilhelmstraße zwischen Frankfurter Straße und Taunusstraße. 21 Prozent entsprechen diesen, 56 Prozent sind schmaler. Zudem sind nur 18 Prozent der Radwege schmaler als die empfohlenen Mindestbreiten.
Bei den gemeinsam genutzten Geh- und Radwegen liegen 50 Prozent weit über den empfohlenen Mindestbreiten, 36 Prozent sind schmaler. Weiterhin stellten die Tester auf den Wegen viele Engstellen und Hindernisse durch Bäume, Hecken oder Büsche, die auf die Fahrbahn ragen, Masten oder schlecht angebrachte Verkehrsschilder fest.

„Wiesbaden hat die Bedeutung des Radverkehrs erkannt und ist mit dem Ausbau des Radwegenetztes auf dem richtigen Weg Die Umweltspuren für den 1. Ring, vom Sedanplatz bis zum Stadion an der Berliner Straße in beide Richtungen sind ein gutes Beispiel dafür.“ – Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen

Der ADAC empfiehlt angesichts knapper Verkehrsflächen in Städten, die Planung von Radwegen auf Basis ganzheitlicher Mobilitätskonzepte vorzunehmen. Für die Lösung von Flächenkonkurrenzen sind immer die aktuellen und künftigen Bedarfe aller Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Rad- und Autofahrer zu berücksichtigen“, so Herda. Die Umwandlung von Fahr- und Parkstreifen in Radfahrstreifen bleibt immer problematisch, wenn keine Alternativangebote geschaffen werden.

Parkraum neu denken

Besteht nicht genug Raum für den Radverkehr, ist zu prüfen, ob er im näheren Umfeld oder parallel zu Hauptverkehrsstraßen geführt werden kann. Entfallen Anwohnerstellplätze, sind Alternativen in Parkhäusern, Quartiers- und Tiefgaragen zu schaffen. Ebenso sind sinnvolle Vorschläge für den Lieferverkehr vorzusehen, zum Beispiel Lieferzonen.

„Genauso wichtig wie bauliche Maßnahmen sind das faire Verhalten im Straßenverkehr: etwa der ‚Holländische Griff‘ beim Öffnen der Fahrertür. Die Autofahrer öffnen die Tür von innen mit der rechten Hand, sodass sich der Oberkörper automatisch in die Richtung des nachfolgenden Verkehrs dreht und sie die Radler besser sehen können.“ –

Erhöhte Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer bringen die auffällige Markierung von Radwegen und ausreichender Sicherheitsabstand zum fließenden Verkehr und zu parkenden Fahrzeugen. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass Radwege frei sind von baulichen Hindernissen und parkenden Autos.

Landeshauptstädte im Vergleich

Radwegbreiten im Test: Der ADAC hat in einer aktuellen Stichprobe 120 Routen in zehn deutschen Großstädten untersucht.

Radwegbreiten im Test: Der ADAC hat in einer aktuellen Stichprobe 120 Routen in zehn deutschen Großstädten untersucht. Grafik: ADAC

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Die offizielle Internetseite des ADAC  finden Sie unter www.adac.de.

 

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