Das Jahr 2018 hat noch eindrücklicher als 2017 gezeigt, mit welchen Auswirkungen wir bei steigenden Temperaturen in Deutschland rechnen müssen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine neue Methode der Wettervorhersage entwickelt. Dank der neuen Methode ist es möglich, Landwirten bis zu sechs Wochen im Voraus die Bodenfeuchte vorherzusagen und sie über potentielle Dürregefahren zu informieren.

 „Ich bin optimistisch, dass die Landwirte mit unseren neuen Dürreprognosen künftig Ertragsausfälle, wie wir sie im Jahr 2018 erleben mussten, zumindest vermindern können.“ – Prof. Dr. Paul Becker, DWD-Vizepräsident

Im vergangenen Jahr fielen in Deutschland nur noch rund 60 Prozent der sonst hier üblichen Niederschläge. Vor allem die Monate April bis November waren außergewöhnlich trocken. Die Folgen, so der DWD, seien vor allem für die Land- und Forstwirtschaft dramatisch gewesen: In großen Teilen Deutschlands verdorrte das Gras auf den Weiden, bei Getreide und Feldfrüchten kam es zu erheblichen Ernteausfällen. Bundesweit traten Wald- und Feldbrände auf, so auch zwischen Wiesbaden und Taunusstein, wo iFußballfeld-große Flächen vom Kahlschlag betroffen sind. Die außergewöhnliche Trockenheit im Jahr 2018 werde aber kein Einzelereignis bleiben, so der Meterologe.

„Die Klimaforschung ist sich einig: Solche Wetterextreme werden mit dem Klimawandel immer wahrscheinlicher. Wir müssen künftig häufiger, wenn nicht gar in regelmäßigen Abständen, mit Dürre in Deutschland rechnen.“ – Prof. Dr. Paul Becker, DWD-Vizepräsident

Die Nutzung langfristiger Vorhersagen von Trockenperioden wird immer wichtiger. Sie stellt eine notwendige Anpassung an den Klimawandel dar – und der Blick ins die Zukunft gelingt inzwischen zuverlässig. Grundlage der neuen DWD-Dürreprognosen sind Vorhersagen der Bodenfeuchte. Die Bodenfeuchte beschreibt, wieviel Wasser im Boden gespeichert ist. So kann es im Sommer wochenlang nicht geregnet haben und trotzdem verfügen die Pflanzen durch die gespeicherte Bodenfeuchte aus Niederschlägen des Winters und Frühlings über genug Wasser für ihr Wachstum. Der Boden wirkt als Puffer, kann Pflanzen auch mal über längere Trockenzeiten hinweghelfen. Die Bodenfeuchte ist eine sich nur langsam verändernde Speichergröße. Genau diese Eigenschaft wird bei der Berechnung langfristiger Bodenfeuchte-Vorhersagen genutzt.

 „Mit den heute verfügbaren Vorhersagetechniken hätte der DWD die im Juni 2018 in großen Teilen Deutschlands anhaltende Dürre schon 6 Wochen vorher mit guter Qualität vorhersagen können.“ – Prof. Dr. Paul Becker, DWD-Vizepräsident

Auch bei der Wetter- und Klimabilanz des vergangenen Jahres des DWD standen Wetterextreme und der Klimawandel im Vordergrund. So brachte 2018 mit einer Jahresmittel-Temperatur von 10,5 Grad Celsius in Deutschland einen neuen Rekord. Es war das wärmste Jahr in der 138-jährigen Temperaturzeitreihe des nationalen Wetterdienstes. Seit 1881 beträgt der Erwärmungstrend in Deutschland damit +1,5 Grad.

Rekord: 74 Sommertage

In Europa war 2018 das drittwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn, weltweit lag es auf dem 4. Rang. Neue Rekorde gab es im Sommerhalbjahr 2018 auch bei den sogenannten Heißen Tagen mit einer Lufttemperatur von 30 °C und mehr und Sommertagen mit einer Lufttemperatur von 25 °C und mehr. Erfasst wurden im bundesweiten Mittel 20 Heiße Tage. Damit wurde der alte Rekord von 19 Tagen aus dem Jahr 2003 knapp übertroffen. Die
Zahl der Sommertage lag bei 74. Das waren sogar 12 Tage mehr als 2003.

„Solche heißen Sommer sind mit erhebliche Belastungen und damit Gesundheitsgefahren für empfindliche Menschen verbunden.“ – Dr.Thomas Deutschländer, Klimawissenschaftler des DWD.

Außergewöhnlich war 2018 auch die Sonnenscheindauer. Von Februar bis November gab es durchweg einen Sonnenscheinüberschuss, nur der Januar und Dezember waren zu trüb. Unter dem Strich war 2018 mit einem
Mittel von 2.015 Sonnenstunden in Deutschland das sonnenscheinreichste Jahr seit Beginn solcher Aufzeichnungen 1951. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 wurde um 1,5 Stunden übertroffen. Das Jahr 2018 stand also, so Deutschlandländer, hierzulande ganz im Zeichen des Klimawandels – aber nicht nur aufgrund neuer Rekorde bei Temperatur und Sonnenscheindauer.

Niederschlagsdefizit von 200 Litern

Auch beim Thema Niederschlag müsse man aufhorchen. Zehn der zwölf Monate waren zu trocken. Nur der Januar und der Dezember brachten ein Plus beim Niederschlag. Das Defizit wurde dadurch aber bei weitem nicht ausgeglichen. 2018 wurden mit einer Niederschlagsmenge von insgesamt 586 Litern pro Quadratmeter (l/m2) im Flächenmittel von Deutschland über 200 l/m2 weniger Regen als im vieljährigen Durchschnitt gemessen. Mit diesem Minus von knapp 26 Prozent war 2018 das vierttrockenste Jahr seit 1881. Eine Folge: Bereits im Juni lag die nutzbare Feldkapazität – oft auch Bodenwasservorrat genannt – im Deutschlandmittel bei nur noch 43 Prozent und sank bis September auf extrem niedrige Werte von rund 30 Prozent. Selbst Ende November waren die Böden nur etwa zur Hälfte mit Wasser aufgefüllt.

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