Experten sind sich einig: Bei Kindern verläuft COVID-19 milder als bei Erwachsenen, Ausnahmen bestätigen die Regel. Als erwiesen gilt: Bei Kindern kann das Coronavirus teils über sechs Wochen nachgewiesen werden.

Prof. Dr. Markus Knuf ist Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Der Pädiater beschäftigt sich als Infektologe intensiv mit Infektionskrankheiten bei Kindern und Jugendlichen. Wir haben mit dem Mediziner über Atemwegsinfektionen und COVID.-19 gesprochen.

Wiesbaden lebt!: Prof. Knuf, wie verhält sich eine COVID-19 Erkrankung eigentlich bei Kindern und Jugendlichen?
Prof. Knuf: Im Kinder- und Jugendalter stellen Atemwegsinfektionen per se die häufigsten Infektionskrankheiten dar. Aus den derzeitigen Erfahrungen in China, Italien und anderen Ländern weiß man, dass Infektionen bei Kindern schwächer ausgeprägt sind, als wir das bei Erwachsenen beobachten. Es gibt wenige Intensivfälle. Die Symptome unterscheiden sich im Prinzip nicht von jenen, die man bei anderen Corona-Erkrankungen, die ja schon lange zu beobachten sind, findet. Das sind meistens Schnupfen, Zeichen einer oberen Atemwegsinfektion, Bronchitis oder eine Lungenentzündung sowie gastrointestinale Symptome, aber eben nicht so schwerwiegende Verläufe wie bei Erwachsenen.

WL: Gibt es also deutliche Unterschiedene zwischen der Krankheit bei Erwachsenen und der Krankheit bei Kindern und Jugendlichen?
Prof. Knuf: Die gibt es in der Tat. Was ich berichtet habe, gilt vor allem für gesunde Kinder ohne Risikofaktoren. Wir wissen durch ein Register in Deutschland, dass einzelne Frühgeborene betroffen sein können oder auch Kinder mit Vorerkrankungen am Herzen, an den Lungen oder mit einem geschwächten Immunsystem. Das sind aber sehr wenige Fälle und die Eltern sowie Betreuer von diesen Kindern wissen das in der Regel, sodass hier auch besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden.

WL: Was können Kinder und Jugendliche speziell tun bzw. was können Sie im Hinblick auf Risikogruppen beachten?
Prof. Knuf: Es ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass im Moment auch Familien mit Kleinkindern an der Isolierung teilnehmen und Großeltern sowie ältere Menschen in der Umgebung nicht aufsuchen sollten. Ansonsten gelten für Kinder und Jugendliche die bekannten Hygienemaßnahmen. Das mag bei Jugendlichen noch leicht vermittelbar sein, bei Kleinkindern ist das meist ein frommer Wunsch, weil der Umgang mit Körpersekreten beim Niesen, Husten usw. ganz eigenwillig vorgenommen wird. Das Verhalten von Säuglingen und Kleinkindern ist daher in Bezug auf Hygienemaßnahmen als etwas schwieriger einzuordnen. Im Prinzip kann man Sie aber auch von älteren Menschen oder anderen Risikopersonen fernhalten, was ja im Moment auch geschieht.

WL: Können Sie nachvollziehen, dass die Wiedereröffnung von Kitas verzögert vorgenommen wird?
Prof. Knuf: Gesunde Klein- und Schulkinder erkranken nicht so schwer an Corona-Infektionen, insbesondere auch nicht an SARS-CoV-2. Möglicherweise besitzen sie eine Art Kreuzimmunität, weil sie schon Corona-Infektionen durchgemacht haben oder gehen immunologisch anders mit dem Virus um. Die genauen Mechanismen sind noch unklar. Weil das Erkrankungsrisiko relativ gering ist, kann ich aus diesem Grund nicht zwingend nachvollziehen, dass Kitas verzögert wieder geöffnet werden. Auch spielen Klein- und Schulkinder – anders als bei der Influenza – wahrscheinlich eine nicht so bedeutsame Rolle für die Verbreitung von SARS-CoV-2. (Bild: COVID-19, Kinder und Corona Image by OpenClipart-Vectors from Pixabay/ bearbeitet ∆)

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Die offizielle Internetseite des Robert-Koch-Instituts mit Fallzahlen finden Sie unter: www.rki.de.

 

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