Wenn es ruhig wird auf der Mülldeponie am Dyckerhoffbruch, schlägt die Stunde der Schwarzmilane. Die 4000 Quadratmeter große Halle und der Biomüll wird ihr Revier.

Denk ich an Müll, denk ich an Vögel. Für die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) ist die Artenvielfalt nichts Ungewöhnliches. 66 Vogelarten ziehen sich hierhin zurück. Finden auf der rund 100 Hektar großen Deponie Dyckerhoffbruch Rückzugsräume und beste Rahmenbedingungen für die Nahrungssuche. Darunter der Schwarzmilan, ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Er ist ein Nahrungsgeneralist, dessen Nahrungsspektrum breit gefächert ist und zu dem neben Aas und Abfällen auch eher kleine selbstgefangener Beutetiere zählen.

Forschergeist geweckt

Eher beiläufig ist der Ornithologe Reinhard Vohwinkel, der für das Institut für Vogelforschung der Vogelwarte Helgoland arbeitet, auf die Schwarzmilane aufmerksam geworden. Ein Storch hatte sich vor Jahren verletzt. Die ELW hatte den Experten um Hilfe gebeten. Während er sich um den verletzten Storch kümmerte, sah er rund ein Dutzend Schwarzmilane über der Deponie kreisen. Seine Neugierde war geweckt. Seitdem kommt er zweimal im Jahr zur Brutzeit aus Velbert, einem Stadtteil von Wuppertal, Nordrhein Westfalen, nach Wiesbaden, um mehr über den Greifvogel zu erfahren.

Über den Schwarzmilan

Schwarzmilane sind wenig kontrastreiche, ziemlich einheitlich dunkelbraun gefärbte, mittelgroße Greifvögel. Bei ihnen setzt sich nur die helleren Kopf-, Kehl- und Nackenpartien sowie ein helles Band auf dem Oberflügel deutlich von der übrigen Gefiederfärbung ab. Bis zum fünften Lebensjahr kann sich die Farbverteilung durchaus verändern, erst dann gelten sie als ausgefärbt. Die Geschlechter unterscheiden sich in der Färbung nicht. Die Körperlänge ausgewachsener Vögel variiert zwischen 46 und 66 Zentimetern, die Spannweite zwischen 120 und 153 Zentimetern. Männchen können etwa 850 Gramm wiegen, – die Weibchen durchaus auch schon mal über 1000 Gramm.

Fangen, wiegen und vermessen

Schwarzmilane sind stimmbegabt und auch außerhalb der Balzzeit akustisch durchaus auffällig, so auch am vergangenen Samstag, als  der Ornithologe Vohwinkel zusammen mit Hubert Diry, Mitarbeiter des Instituts für Vogelforschung der Vogelwarte Helgoland im Regierungsbezirk Darmstadt, wieder in Wiesbaden war, – um Schwarzmilane zu zählen, zu fangen, zu vermessen und zu beringen. Die besondere Herausforderung dabei ist das Fangen der Greifvögel. Beim Rein- und Rausfliegen in die riesige Umschlaghalle bleiben sie auf der Suche nach Aas und Kleintieren in den Netzen wie in Hängematten kleben, sodass Vohwinkeln und Dirty sie behandeln können. Zu Gute kommt den beiden Ornithologen, dass Schwarzmilane sich in Gefahr Tod stellen. Insgesamt hat er am 12. Juni 17 Schwarzmilane gefangen, gewogen und vermessen. Weil drei der 17 Schwarzmilane alte Bekannte waren, wurden diesmal nur 14 Milane neu beringt. Die Daten der Milane wurden sorgfältig notiert. Das Prachtexemplar in der Bildergalerie wiegt 930 Gramm und hat eine Flügellänge von 443 Millimetern, wie der Vogelkundler mitteilte.

66 Vogelarten

Die Deponie Dyckerhoffbruch ist mehr als nur ein Umschlagplatz für Abfälle und Unrat. Wenn am Nachmittage keine Müllwagen mehr zur Umschlaghalle unterwegs, sind wird es richtig ruhig, geradezu idyllisch. Zumindest für die Vogelwelt. Wie sich am Samstag zeigte, wissen das nicht nur die Schwarzmilane. Viele andere Vögel wurden als sogenannter Beifang registriert und gleich mit aufgenommen. Darunter Elstern, Dohlen, Tauben, Raben oder  Krähen. Auf der Deponie leben außerdem Vögel wie Schwarzkehlchen, der Steinschmätzer und der Eisvogel, Arten, die in Hessen auf der Roten Liste für bedrohte Tiere stehen. Das zeigt deutlich, welches Paradies Vögel gerade hier haben.

Ornithologe Reinhard Vohwinkel

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Die Internetseite des Institut für Vogelforschung der Vogelwarte Helgoland finden Sie unter: ifv-vogelwarte.de.

 

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