Das Thema Mobbing ist allgegenwärtig. Es ist schwer zu fassen – wie viele es selbst schon einmal erlebt haben. Oder jemanden kennen, der dies täglich erlebt.

In Gesprächen hört man Sätze wie: „Akten, die ich bearbeiten sollte, verschwanden. Wenn diese Akten wieder auftauchten war die Frist verstrichen und ich bekam Ärger.“ – „Kollegen, von denen ich Informationen benötigte, waren nicht ansprechbar.“ – „Besprechungen liefen ohne mich, weil irgendwie keiner dran gedacht hatte, mich zu informieren.“ – „Die Chefin sagt, ich sei unfähig – berichtet mir eine Kollegin.“

Die Folgen und Methoden damit umzugehen sind verschieden. Schlafstörungen und ein hoher Blutdruck nicht selten. Die Betroffenen trauen sich erst immer weniger, später dann gar nichts mehr zu. Fehler häufen sich – Fehler, die Betroffene früher nicht gemacht hatten.

Zweifellos, Mobbing ist ein Thema

Artikel und Informationsmaterial zum Thema gibt es ausreichend – Erfahrungsberichte, Expertengespräche, Statistiken, Betroffenen-Interviews, Ratgeber. Im Jahr 2006 wurde das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz erlassen. Viele Betroffene sind auch schon vor Gericht gezogen. Und wie sind die Erfolge? Eine Betroffene: „Dem Ochsen ins Horn gepetzt“, wie man so schön sagt.

Warum ist das so?

Eine Grundkomponente von Mobbing ist das Subtile. Der Betroffene spürt, dass die Gruppe gegen dich ist. Er versteht aber nicht warum. Und nachweisen kannst er es schon gar nicht. Ist es jetzt Zufall, dass gerade für mich der Kaffee nicht reicht? Ist es geplant, dass die entscheidenden Gespräche in den Raucherpausen laufen da ich Nichtraucher bin?Wie soll ich meinem Vorgesetzten nachweisen, dass er mich in Einzelgesprächen mit Kollegen schlecht macht?

Vor Gericht

Vor Gericht liegt die Beweislast bei dem, der gemobbt wird. Kein Wunder, dass die erfolgreich geführten Verfahren beinahe an den Fingern einer Hand abzuzählen sind. Am Ende räumt fast immer das Opfer das Feld. Das Mobbing war erfolgreich.

Das wäre ja schon schlimm genug. Noch gravierender sind jedoch die Folgen für die psychische und körperlche Gesundheit des Opfers. Wir Menschen sind Gruppenwesen. Wir brauchen unsere Bezugsgruppen, um uns sicher zu fühlen. Genau hier setzt die Selbsthilfegruppe an. Sie bildet ein Gegengewicht zum feindlichen Mobberumfeld und stabilisiert so das Selbstwertgefühl.

Selbsthilfegruppe

Eine Selbsthilfegruppe ist ein Zusammenschluss Betroffener. Jeder hat die gleichen Rechte und die gleiche Möglichkeit, das Gruppengeschehen zu beeinflussen. Es gibt kein vorgegebenes Programm, kein von außen festgelegtes Ziel. Die Gruppe ist das, was ihre Mitglieder daraus machen.

Experten sagen, ein Hauptmotiv von Mobbern sei Angst. Es ist die Angst davor, den Arbeitsplatz zu verlieren, Angst, weniger leistungsfähig zu sein als der Kollege, Angst, auf der Karriereleiter beiseite gedrängt zu werden.

Gemobbt werden deshalb oft die, die Angst machen, die Leistungsstarken, die Leistungsbereiten. Die, die arbeiten, aber nicht so darauf bedacht sind, ihren Platz zu verteidigen. Mit anderen Worten: Es sind oft die, die gut sind ohne es richtig zu realisieren.

Mobbing: Selbsthilfegruppe Wiesbaden

Der beste Schutz gegen Mobbing – Sich seines Wertes bewusst zu sein. Und genau das kann man in der Selbsthilfegruppe lernen. Die im Mai gegründete Selbsthilfegruppe Mobbing freut sich auf neue Mitglieder. Wir treffen uns jeden letzten Freitag im Monat um 16 Uhr in den Räumen des Gesundheitsamtes.

Kontakt: Sie können Kontakt aufnehmen über unsere e-mail-Adresse mobbing-selbsthilfe-wiesbaden@gmx.de oder über das Gesundheitsamt   0611-31-3777 oder Sie kommen einfach vorbei. Vertraulichkeit wird zugesichert. (Bild: Geoffrey Gallaway)