Auf 700 qm Ausstellungsfläche erleben Erwachsene und Kinder ab acht Jahren im Hessischen Landesmuseum für Kunst und Kultur (Museum Wiesbaden), wie aufregend die Welt der Böden ist. Interaktiv und informativ zeigt die Ausstellung, was es alles im Boden unter unseren Füßen zu entdecken gibt.

„Böden entstehen in tausenden von Jahren und stecken voller Leben“ sagt die Ausstellungskuratorin Susanne Kridlo. Diese sensiblen Naturkörper könne man nicht einfach so herstellen. „Boden ist ein kostbares Gut“. Der Boden hat viele wichtige Funktionen im Naturhaushalt, er sei die Basis der menschlichen Ernährung und noch dazu bewahrt er die Spuren der Menschheitsgeschichte. Mit der Ausstellung will die Biologin Einblicke in diese unbekannte Welt unter unseren Füßen geben und die Vielfalt von Böden sowie ihren Reichtum an Lebewesen und Ressourcen erlebbar machen.

Landesmuseum, kurzgefasst

Sonderausstellung: „Erdreich – Boden erforschen, Schätze entdecken“
Wann: Donnerstag, 13. November bis Montag, 17. April 2017
Öffnungszeiten: dienstags 10:00 bis 20:00 Uhr, mittwochs und freitags bis sonntags 10:00 bis 17:00 Uhr,  montags geschlossen
Wo: Hessisches Landesmuseum für Kunst und Kultur (Museum Wiesbaden), Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Hamster in seinem Bau. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Hamster in seinem Bau. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Für die Ausstellung hat Susanne Kridlo eine Mitmachausstellung nach Wiesbaden geholt. Die Mitmachausstellung hat sie mit vielen Leihgaben, Objekten aus der Museumssammlung und anschaulichen Informationen über den Boden erweitert. Zu den Highlights der Ausstellung gehören der Feldhamster und sein Bau – ebenso wie drei Nachbauten von verschiedenen Waldböden. Kinder können die Quadratmeter ablaufen, die man braucht, um einen Hamburger herzustellen. Erwachsene haben die Möglichkeit sich über darüber zu informieren, welchen Einfluss Boden auf den Geschmack von Wein hat.

An den Mitmachstationen begeben sich die Kinder auf Schatzsuche. Sie lernen die Tricks der Archäologen kennen, um dem Erdreich seine Geheimnisse und Schätze zu entlocken. Mit Schaufel und Pinsel legen sie auf der großen Ausgrabungsinsel Verborgenes frei. Und wenn sie die Bodenzaubermaschine ankurbeln, dann rauscht und rumpelt es. Wie unterschiedlich Böden sein können und was sich im Untergrund abspielt, das erzählen die Böden selbst. Der eine säuselt, der andere gibt eher brummelig seine Geheimnisse und Geschichten preis.

Die faszinierende Welt unter unseren Füßen

Fotografien, Aquarelle und Zeichnungen zeigen, wie Wissenschaftler den Boden erkunden. Zu sehen sind die kleinsten Lebewesen, die Dimensionen der Wurzeln oder der vielschichtige Aufbau von Böden und ihrem Pflanzenbewuchs. „Wir müssen Bodenschutz stärker als Zukunftsaufgabe begreifen“, sagt die Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser.

„Böden bilden heute und für die nachfolgenden Generationen eine unersetzbare Lebensgrundlage. Ohne gesunde Böden können wir uns nicht ernähren. Ohne funktionsfähige Böden ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen  nicht denkbar.“

– Beatrix Tappeser, Umweltstaatssekretärin

„Böden filtern und speichern Wasser. Sie binden Kohlenstoff und spielen über ihre Kühlungsfunktion eine zunehmend wichtige Rolle bei der Klimaanpassung. Böden sind die Schnittstelle für die elementaren Stoffkreisläufe im Naturhaushalt“. Die Ausstellung Erdreich, so Tappeser, könne dieses Wissen und eine positive Einstellung zum Boden bereits an Kinder vermitteln. Für die integrierte Mitmachausstellung und deren Betreuung stellte das hessische Umweltministerium deshalb 100.000 Euro bereit.

Die Bodenzaubermaschine, eine der vielen Mitmachstationen für Kinder. Foto: Varusschlacht im Osnabrücker Land — Museum und Park Kalkriese

Die Bodenzaubermaschine, eine der vielen Mitmachstationen für Kinder. Foto: Museum und Park Kalkriese

Mitmachstationen

Direktor Alexander Klar begeistert diese Engagement des Umweltministeriums: „Wir konnten damit nicht nur die gut gemachten Mitmachstationen übernehmen, das Museum finanziert mit diesem Beitrag eine Rundum-Betreuung der Ausstellung. Ein toller Service für unsere Besucher und insbesondere auch für Schulklassen“. So stehen in der Ausstellung „Erdreich-Experten“ bereit, um die Fragen der Besucher zu beantworten und Schulklassen in die Ausstellung einzuführen.

Die Ausstellung eignet sich für alle Altersstufen und für Familien. Darüber hinaus stellt sie bei vielen Themen den Bezug zur Region her. Zahlreiche hessische Bodenprofile vom Taunus bis zum Odenwald zeigen die große Vielfalt der Böden. Aber auch die Sanierung der Böden von Altlasten ist ein Thema. „Böden sind sensible Naturkörper und vergessen nichts“, sagt Susanne Kridlo. Davon zeugen auch Bilder der Luftbildarchäologie aus Region oder die Pflanzenreste aus früherer Besiedlungszeit regionaler Ausgrabungen.

Ausgrabungsinsel in der Mitmachaustellung. Foto: Varusschlacht im Osnabrücker Land — Museum und Park Kalkriese

Ausgrabungsinsel in der Mitmachaustellung. Foto: Museum und Park Kalkriese

An den Anfang der Ausstellung haben die Ausstellungsmacher einen Erdhaufen gesetzt, wie ihn Regenwürmer hinterlassen, nur 100mal so groß. Da Regenwürmer fruchtbaren Boden herstellen, indem sie mit ihrer Verdauungstätigkeit den Boden mit Nährstoffen anreichern, haben die Präparatoren des Museums das Modell einer Regenwurmlosung gebaut. In der Ausstellung auch der Kompostwurm gehegt: wenn man Glück hat, kann man ihn beim Bodenmachen zuschauen. Der Evolutionsbiologe Charles Darwin war es, der als erster die Bedeutung der Regenwürmer für den Boden erkannte. Außerdem beschrieb er, wie die Würmer die Spuren der Vergangenheit mit schützenden Erdschichten bedecken. So wie Darwin das Thema Boden und Archäologie verband, so tut dies auch diese Ausstellung.

Die Kuratorin Dipl.-Biol. Susanne Kridlo

Ausstellungskuratorin Dipl.-Biol. Susanne Kridlo hat ihr Biologie Diplom in Frankfurt gemacht. Nach wissenschaftlichen und museumspädagogischen Tätigkeiten am Senckenbergmuseum kam sie als Ausstellungskuratorin an die Bundeskunsthalle und ans Deutschen Hygiene-Museum in Dresden. Seit 2008 ist sie am Museum Wiesbaden als Kuratorin in den Naturhistorischen Sammlungen angestellt.

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