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Handwerkliche Baubetriebe unter Druck

Zusammen fordern die Vertreter des Verband baugewerblicher Unternehmer und die Vertreter aus den hessischen Handwerkskammern ein eigenständiges ein Ministeriums für Planen und Bauen, Stadtentwicklung und Infrastruktur.

Volker Watschounek 8 Jahren vor 0

Es läuft nicht so rund im Baugewerbe. Insbesondere mittlere und kleiner Betriebe stünden nach Auffassung von Experten besonders unter Druck.

Die aktuell günstige wirtschaftliche Entwicklung im Handwerk, und vor allem auch in den Gewerken des Bau- und Ausbauhandwerks, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die kleinen und mittleren handwerklichen Betriebe im Baugewerbe unter erheblichem Druck stehen. So die einhellige Auffassung der Vertreter aus den hessischen Handwerkskammern und dem Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. nach ihrem Gespräch in Kassel. In der gemeinsamen Sitzung unter Leitung der Präsidenten Frank Dittmar vom hessischen Baugewerbeverband und Heinrich Gringel von der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE) wurde deutlich angesprochen, dass verschiedene aktuelle Entwicklungen die Baubetriebe belasten.

„Die Kontrollen der Kreise und kreisfreien Städte und die letztlich verhängten Bußgelder haben eine zu geringe abschreckende Wirkung.“ – Heinrich Gringel, ARGE-Präsident

Einigkeit bestand vor allem darin, dass eine Entlastung von bürokratischen Anforderungen und eine intensivere Bekämpfung von Schwarzarbeit und unberechtigter Handwerksausübung im Baugewerbe erforderlich sind. Hier sind Verband und Kammern enttäuscht: „Die Kontrollen der Kreise und kreisfreien Städte und die letztlich verhängten Bußgelder haben eine zu geringe abschreckende Wirkung“, klagt ARGE-Präsident Gringel.

„Unsere Betriebe dürfen nicht in die Rolle des Subunternehmers von Generalüber- und unternehmern verdrängt werden.“ – Frank Dittmar, Verbandspräsident

Dass die Digitalisierung zunehmend auch die Handwerksbetriebe im Baubereich erfasst, sehen die Gesprächsteilnehmer grundsätzlich eher als Chance denn als Risiko. Allerdings ist es von entscheidender Bedeutung, dass bei der Methode des BIM (= Building Information Modeling) für Planen, Bauen und Betreiben von Bauvorhaben offene und preisgünstige Schnittstellen gerade für die kleinen und mittleren Betriebe bereitgestellt werden.

„Die Politik klagt über steigende Baukosten, ist aber an dieser Stelle selbst Kostentreiber.“ – Frank Dittmar, Verbandspräsident

Eine von der Politik völlig unterschätzte Problematik besteht im Mangel an geeigneten Endlagerstätten für Erdaushub in Hessen und besonders im Rhein-Main-Gebiet. Obwohl alle von diesem Thema betroffenen Bauverbände, Kammern und sonstige Institutionen in einem gemeinsamen Positionspapier die dramatische Entwicklung dargestellt haben, werden weiterhin keine oder viel zu wenige Deponieflächen für Erdaushub und Bauschutt bereitgestellt.

„Der Mangel an Deponiekapazitäten verteuert Bauvorhaben. Außerdem führt er zu einer ökologisch unsinnigen Belastung von Umwelt, wenn Erdaushub und Bauschutt bis in die Niederlande transportiert werden muss.“ – Frank Dittmar, Verbandspräsident

Kritisch gesehen wird von Kammern und Bauverband die anstehende Umstrukturierung der Bundesfernstraßenverwaltung. Es sei ein Unding, dass in Hessen als internationalem Verkehrsdrehkreuz mit einer entsprechenden Autobahndichte und einer großen Zahl anstehender Ausbauprojekte keine Niederlassung der geplanten Infrastrukturgesellschaft angesiedelt werden soll

„Die Betriebe brauchen einen Ansprechpartner vor Ort, mit regionaler Kenntnis und Kompetenz.“ –  so Kammerpräsident Gringel und Verbandspräsident Dittmar

Zum Abschluss des Gesprächs stellten die Vertreter des Bauverbandes ihre Forderung nach Schaffung eines eigenständigen Ministeriums für Planen und Bauen, Stadtentwicklung und Infrastruktur heraus: „Die derzeitige Verteilung der Zuständigkeiten auf verschiedene Abteilungen und Referate in mehreren Ministerien wird der zentralen und wachsenden Bedeutung der Wohnungsbaupolitik in Hessen nicht gerecht.“

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