Ausnahmezustand Coronavirus: In Wiesbaden gibt es 7 positiv getestete COVID-19 Fälle mit 180 Kontaktpersonen. Dazu kommen 172 Verdachtsfälle mit Reiseanamnese warten auf ihre Ergebnisse, und 250 laufende Verdachtsfälle.

Das Leben geht weiter, doch in Zeiten des Coronavirus ist alles anders. Manchen Menschen reagieren über, andere vielleicht zu gelassen. Ein Mainzer Busfahrer habe beispielsweise eine Vietnamesin an einer Bushaltestelle der Zutritt zum Bus verweigert. Auf Nachfrage der Studentin hieß es, dass er keine Coronavirusschleuder mitnehmen wolle. Die Frau blieb stehen, der Bus fuhr weiter. So betrachtet stellen die am Freitagvormittag im Rathaus veröffentlichten Daten lediglich eine Momentaufnahme dar. Das betonten auch Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und  Bürgermeister Dr. Oliver Franz, der unterstützt von Dr. Kaschlin Butt, Leiterin des Gesundheitsamt, über die bereits ergriffene und unmittelbar bevorstehende Maßnahmen der Stadt informierte.

„Die aktuelle Entwicklung macht es notwendig, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden zum Schutz ihrer Bürgerinnen und Bürger weitgehende Regelungen zur Eindämmung des Virus trifft, die zum Teil erheblich in das gewohnte Leben eingreifen.“ – OB Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz

Wiesbaden hat mit sofortiger Wirkung mehrere Allgemeinverfügungen erlassen. Die erste Allgemeinverfügung verbietet Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern, eine andere regelt die Anordnung von Quarantänen für Personen, (1) die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert oder (2) sich in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Eine dritte Allgemeinverfügung ergeht im Verlauf des Tages. Die dritte Anordnung enthält Regelungen für Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Personen. Dessen ungeachtet gilt außerdem, ein Betretungsverbot für den genannten Personenkreis in Betreuungs-, Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, ein Nutzungsverbot von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Meldepflichten beim städtischen Gesundheitsamt für den genannten Personenkreis.

„Wir ergreifen umfangreiche Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zumindest zu verlangsamen.“ – OB Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz

Neben den Allgemeinverfügungen stehe auch der Erlass weiterer Verwaltungsakte bevor, die beispielsweise den Betrieb einer Diskothek beträfen, kündigte Franz an. Sowohl der Oberbürgermeister als auch der Bürgermeister machten deutlich, dass die getroffenen Maßnahmen vor allem der Aufrechterhaltung der Versorgungskapazitäten in medizinischen und in den Pflegebereichen dienten. Die Ausbreitung müsse verlangsamt werden, damit insbesondere die klinischen Versorgungsstrukturen nicht überfordert würden.

„Es ist uns völlig unverständlich, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bislang nicht in der Lage war, ein Abstrich-Zentrum für die Durchführung der Corona-Tests in der Landeshauptstadt Wiesbaden zu etablieren.“ – OB Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz

Im Moment führten in Wiesbaden nur wenige niedergelassene Arztpraxen den Test Abstriche durch. Die KV verweise auf ein Testcenter in Hofheim, das werktags in der Zeit von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr geöffnet habe. Mende und Franz halten das für absolut unzureichend und haben sich in einem Schreiben an den Vorstand der KV-H und den Hessischen Sozialminister Kai Klose gewandt. Die Ärztlichen Direktoren der Wiesbadener Akutkrankenhäuser sehen das genauso. Das Schreiben an die KV-H sei in Kopie auch Sozialminister Kai Klose gegangen, umso von zwei Stellen in geeigneter Weise auf die KV einzuwirken.

„Es ist für uns nicht akzeptabel, dass es in der Landeshauptstadt Wiesbaden keine zentrale Anlaufstelle für Testungen für die Bürger gibt. Wir halten eine zentrale Anlaufstelle für zwingend erforderlich, damit die Zentralen Notaufnahmen der drei Wiesbadener Akutkrankenhäuser nicht mit Patienten überlastet werden, die ambulant versorgt werden können.“ – OB Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz

Mende und Franz appellierten an die Bürger, die Krankenhäuser nur im Notfall aufzusuchen und sich in allen anderen Fällen zunächst an ihre Hausärzte zu wenden. Im Falle eines Corona-Verdachts solle dies zunächst telefonisch geschehen. „Wie wir die bevorstehende Herausforderung bewältigen, wird vor allem auch davon abhängen, ob es uns gelingt, die Ausbreitung des Virus zu verzögern, damit die klinische Infrastruktur nicht überfordert wird. Das wird nur gelingen, wenn auch jede und jeder Einzelne seinen Beitrag leistet und dazu gehört auch, nicht vorschnell die Krankenhäuser aufzusuchen“, so Mende und Franz.

„Wir bitten insbesondere auch die niedergelassene Ärzteschaft, sich in die Bewältigung der gesundheitlichen Herausforderung einzubringen. Wir können auf die Kompetenz und die Leistungsfähigkeit unserer ambulanten Strukturen in dieser Situation nicht verzichten.“ – OB Gert-Uwe Mende und Bürgermeister Dr. Oliver Franz

Die Stadt setze alles Mögliche in Bewegung, um die Bevölkerung stets über den aktuellen Stand zu informieren. So gibt es nicht nur aktuelle Informationen im Internet, sondern auch ein Infotelefon, über das sich besorge Bürger stets informieren können. OB Mende und Bürgermeister Franz bitten aber schon jetzt um Verständnis, wenn die Leitungen zeitweise überlastet sein sollten oder konkrete Fragen im Einzelfall nicht beantwortet werden können. Abschließend baten beide die Bevölkerung um Verständnis für die behördlichen Maßnahmen.

Fallzahlen, Stand 13. März

Nach Auskunft von Dr. Kaschlin Butt, Leiterin des Gesundheitsamts, gibt es derzeit in Wiesbaden 7 positiv getestete COVID-19 Fälle mit 180 Kontaktpersonen, die in der Quarantäne engmaschig betreut werden. Hinzu kommen 172 Verdachtsfälle mit Reiseanamnese. Das heißt, haben in einem der Hochrisikogebiete Urlaub gemacht resp. Zeit verbracht und liegen auf Wiedervorlage sind. Darüber hinaus existieren 250 laufende Verdachtsfälle, die Kontakt zu einem Indexfall hatten und zu Hause bleiben müssen.

Corona Bürgertelefon

Bürgerinnen und Bürger, die Fragen rund um das Coronavirus haben, erreichen täglich von 8 bis 20 Uhr unter der (0611) 318080 das Infotelefon der Stadt Wiesbaden. Unter (0800) 5554666 ist zudem täglich von 8 bis 20 Uhr die hessenweite Hotline des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erreichbar.

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Die offizielle Internetseite des Robert-Koch-Instituts mit Fallzahlen finden Sie unter: www.rki.de.

 

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