Aus Sicht von Wissenschaftlern braucht es einen europaweiten Plan, um die Ausbreitung von Coronavirus-Varianten aus anderen Ländern zu verlangsamen. Ein erster Austausch im Versorgungsgebiet 5 schadet keinesfalls.

Mitte Januar wurde bei einem Reiserückkehrer zum ersten Mal in Hessen die mutierte Variante B 1.1.7 nachgewiesen. Seit dem gibt es vereinzelt weitere Fälle. Als Reaktion darauf fand unter der Federführung des Wiesbadener Gesundheitsamtes am 1. Februar ein erster virtueller Mutationsgipfel statt.  Unter der Leitung von Dr. Kaschlin Butt beteiligten sich die Gesundheitsämter und klinischen Versorger des Rheingau-Taunus-Kreises, des Kreises Limburg-Weilburg und der Stadt Wiesbaden. Ziel war es, das Virus mit seinen Artgenossenn besser kennenzulernen, die Anwesenden auf einen Stand zu bringen, sowie resultierende Maßnahmen zu besprechen.

„Mutationen sind bei Viren keine Besonderheit, sondern finden ständig statt. Dabei verändert sich das Erbgut des Erregers, um sich an seine Umwelt besser anpassen zu können.“ – Netdoktor

Prof. Dr. Christoph Sarrazin, Chefarzt im St. Josefs-Hospital Wiesbaden, verdeutlichte in seinem Vortrag, dass seit der globalen Ausbreitung des neuartigen SARS-CoV-2 zahlreiche neue Virusvarianten entstanden sind. Die aktuell beobachteten Varianten wurden erstmals in Großbritannien (B.1.1.7), Südafrika (B.1.351) und Brasilien (B.1.1.28) beschrieben. Sarrazin führte weiter aus, dass bei der britischen Variante in den letzten Wochen ein kontinuierlicher Austausch gegen das bisher bekannte Virus zu verzeichnen war. In Deutschland wurden in der vergangenen Woche mehr als 100 Fälle der britischen Variante durch das RKI gemeldet. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna scheinen hier jedoch in gleicher Weise wirksam zu sein. Informationen liegen hier noch nicht zum Impfstoff von Astra Zeneca vor. Zum Ausbruchsgeschehen im St. Josefs Hospital in Wiesbaden betonte Prof. Dr. Sarrazin, dass bisher keine Infektionen mit der neuen Virusvariante nachgewiesen wurden.

„Ob die neue Virus-Variante B.1.1.7 aus Großbritannien, ansteckender ist als das ursprüngliche SARS-CoV-2-Virus, ist noch Gegenstand der Forschung. Hieß es zunächst, dass B.1.1.7 deutlicher infektiös ist, zeichnen neue Untersuchungen aus England ein anderes Bild.“ – Netdoktor

Um sowohl regional als auch deutschlandweit die Verbreitung der Virusvarianten abbilden zu können, werden die nachgewiesenen Corona-Infektionen einer weiteren Untersuchung durch die Krankenhäuser, Praxen und beteiligten Labore unterzogen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, mindestens 5 Prozent aller positiven Corona-Testungen auf das Vorliegen von Virusmutationen zu untersuchen. Dieser Empfehlung wird im Versorgungsgebiet 5 nachgekommen. Weiterhin kamen die Teilnehmenden des „Mutationsgipfels“ zu der Vereinbarung, die Gesundheitsämter unverzüglich über das Vorliegen von positiven Vor-Tests zu informieren, die beim Nachweis von Mutationen zum Einsatz kommen. Die schnellstmögliche Einleitung entsprechender Maßnahmen sowie die Durchführung des Containments sollen dadurch unterstützt werden.

„Die britischen Forscher gehen derzeit davon aus, dass sich B.1.1.7 nur geringgradig (um 6%) schneller verbreitet als die klassische Variante, zu keiner höheren Viruslast führt und keine bestimmte Altersgruppe priorisiert.“ – Netdoktor

Kontakte auch weiterhin zu reduzieren und die gängigen Hygienemaßnahmen einzuhalten bleibt das Gebot der Stunde. Die Teilnehmenden des Mutationsgipfels unterstrichen, dass beispielsweise das Tragen einer medizinischen Maske oder die Einhaltung der Abstandsregeln auch gegenüber den neuen Virusvarianten und Mutationen den wirksamsten Schutz bieten. Ausdrücklich lobend hervorgehoben wurde das bisherige, sehr verantwortungsbewusste Verhalten der Bürger, an die gleichzeitig appelliert wurde, dies in dieser Konsequenz fortzuführen, um einer Ausbreitung der neuen Virusvarianten zuvorzukommen.

Die Fortführung des Lockdowns in Verbindung mit den Impfungen, gerade auch im Klinikbereich, tragen substanziell dazu bei, die Ausbreitung des Corona-Virus in all seinen Varianten zu reduzieren.“ – Dr. Oliver Franz

Prof. Dr. Ralf Kiesslich, ärztlicher Direktor der HSK Wiesbaden, dem koordinierenden Krankenhaus, präzisierte, dass alle gestern abgestimmten Maßnahmen Teil des Corona-Versorgungskonzeptes für das Versorgungsgebiet 5 seien und in den Sitzungen des Verwaltungsstabes und der AG Kliniken fortlaufend analysiert und bewertet werden.

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Fakten zur Mutation B.1.1.7 finden sie auf Netdoktor unter www.netdoktor.at.

 

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