Den 31. Oktober verbinden viele Menschen mit Halloween. Wer in den Kalender schaut, sieht, dass da auch noch etwas anderes steht: Reformationstag .

Liebe Gemeinde, gestern vor einer Woche war Serhij Zhadan in der Frankfurter Paulskirche zu Gast. Er empfing den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Und hielt eine beeindruckende Rede. Auf Deutsch. Er brachte und bringt die Welt zur Sprache. Seine Welt, eröffnete Dekan Dr. Martin Mencke seine Predigt zum Reformationstag. Eindringlich erinnerte er darin an die Freiheit, eine innere Freiheit, die aus der Bindung an Jesus Christus erwachse erinnerte. Er erinnerte eben an dem Tag im 505. Jahr des Thesenanschlags von Martin Luther. An dem, an dem der Reformator die Reformation und das Entstehen der evangelischen Kirche auslöste. Und das hat das Evangelische Dekanat Wiesbaden traditionell in der Lutherkirche gefeiert.

„Die Reformation, die wir heute feiern, war eine Freiheitsbewegung eigener Art. Sie hatte nicht zuerst politische Systeme im Blick. Kompliziert und schuldhaft das Verhältnis der Reformation zu ihrem eigenen, sog. „linken“ Flügel.“ – Auszug aus der Festpredigt

Mehrere hundert Gläubige aus allen Ecken des Dekanats – von Hochheim und Delkenheim über Wildsachen, Bierstadt und Walluf – sind der Einladung zu dem Gottesdienst und Festempfang gefolgt. Unter den Gästen waren auch Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr und der katholische Stadtdekan Klaus Nebel. Ein weiterer Höhepunkte des Festgottesdienstes war der Wiesbadener Bachchor, der, unter Leitung von Niklas Sikner, einige Stücke aus Mendelssohns Oratorium Paulus sang. An der Orgel brillierte Manuel Pschorn. Schon bei der Lesung aus Paulus‘ Brief an die Galater im fünften Kapitel wurde die inhaltliche Richtung des Abends klar: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen – heißt es dort.

„Freiheit“ – so schallte es im 18. Und 19. Jahrhundert durch ganz Europa. Freiheit des Denkens („Die Gedanken sind frei!“) – und gemeint war ein Ende des feudalen, absolutistischen Systems. Gemeint war zugleich Gleichheit, gemeint war Brüderlichkeit. – Auszug aus der Festpredigt

Dekan Dr. Martin Mencke erinnerte in seiner Festpredigt an eine innere Freiheit, die aus der Bindung an Jesus Christus erwachse. Sie reiche tiefer als politische, tiefer als gesellschaftliche Freiheit. Sie ist eine existentielle Freiheit, sagte Mencke. Gott macht uns frei, er richtet uns auf. Und für Mencke erwächst aus dieser Freiheit, das, was unsere Gesellschaft derzeit bitter nötig hat: Diese Botschaft von der Freiheit kann beitragen zu einem Miteinander in Trost und Hoffnung, zu einem Miteinander in Gemeinschaft und Fürsorge und dazu helfen, den Egoismus, den Hass, das Horten zu durchbrechen.

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ – Auszug aus Luthers Freiheitsschrift

Auch in den Liedern und Texten des Abends ging es um diesen Grundton des Glaubens, um seine Zuversicht und Hoffnung. Sei es in Luthers Reformationslied Ein feste Burg ist unser Gott oder in den Worten aus Psalm 46, an den sich Luthers Lied anlehnt: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Der Wiesbadener Dekan merkte aber auch selbstkritisch an, dass die Kirche heute eher vor Selbstmitleid und Ratlosigkeit triefe als vor Freiheit und Getragen-Sein strotze. Er rief die Christinnen und Christen auf, die vorhandenen Räume zu nutzen: „Lasst uns daran glauben, dass uns Menschen mehr eint als uns trennt“, so Mencke. „Ob die Kirche nun warm ist oder kalt. In ihr wartet einer schon auf uns. Der uns stärkt. Und trägt. Und liebt. Der uns frei machen will. Füreinander. Damit Gerechtigkeit und Frieden wachsen.“

Gottesdienst auf Youtube

Hintergrund Reformationstag

Am 31. Oktober erinnern Protestantinnen und Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation und die Gründung der evangelischen Kirche vor über 500 Jahren. Am Tag vor Allerheiligen 1517 brachte der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther seine 95 Thesen zu Ablass und Buße in Umlauf. Der Überlieferung nach soll er seine Ideen in lateinischer Sprache auch an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben, um eine akademische Diskussion auszulösen. Damit leitete Luther die Reformation der Kirche ein.

Foto oben ©2022 Andreas Wagenknecht

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Die Internetseite des Evangelisches Dekanat Wiesbaden finden Sie unter www.dekanat-wiesbaden.de.  

 

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