Auschwitz, Birkenau, Dachau sind Synonyme des Holocaust. Ein Schandfleck der deutschen Geschichte. Eine Geschichte, die nie in Vergessenheit geraten darf. Wiesbaden erinnert an die Opfer!

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das KZ Auschwitz. Wiesbaden erinnert auch 2021 wieder mit zahlreichen, diesmal digitalen Kulturveranstaltungen an die Opfer und die Schicksale der vom NS-Regime Verfolgten. Die zentrale Gedenkveranstaltung am Mittwoch, 27. Januar, findet in diesem Jahr ausschließlich digital statt. Die Stadt streamt die Veranstaltung auf ihren Kanälen. Wer dabei sein möchte, muss sich nicht den Wecker stellen. Die Grußworte von  Stadtverordnetenvorsteherin Christa Gabriel und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende sowie der Vortrag des Historikers Dr. Stefan Hördler werden nach der Liveübertragung on demand abrufbar bleiben. Hördler betrachtet in seinem Vortrag das Lager Auschwitz im Zentrum des KZ-Systems. Startpunkt bildet eine Fotoserie, die die Täter selbst gemacht haben, um ihre Verbrechen in Auschwitz zu dokumentieren. Hördler beleuchtet anhand dessen die Genese des Lagersystems sowie die Strukturen und den Alltag der Opfer und Häftlinge. Außerdem thematisiert er  den gesellschaftlichen Umgang mit den NS-Verbrechen und deren juristische Ahndung in der Nachkriegszeit.

„Auschwitz wird heute als Synonym für die Verbrechen im Nationalsozialismus, für den Völkermord an den europäischen Juden, an den Sinti und Roma verwendet. Auschwitz steht für ein ganzes System aus Konzentrations- und Arbeitslagern, in denen Verbrechen in kaum fassbarem Ausmaß begangen wurden.“ – Axel Imholz, Kulturdezernent

Die zentrale Gedenkveranstaltung bildet den Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe, die von den Gedenk- und historischen Bildungsarbeit aktiven Wiesbadener Institutionen und Vereinen zusammen mit dem Kulturamt getragen wird. Die Reihe selbst beginnt mit Filmen zu den Themen Shoah und aktuellen Formen des Antisemitismus. Die Jüdische Gemeinde Wiesbaden lädt gemeinsam mit der Caligari FilmBühne, dem ZDF und dem Stadtarchiv Wiesbaden am 21., 23. und 25. Januar zu digitalen Filmgesprächen mit den Machern von Der Krieg, die Kuh und ich – Wie Eva Erben den Holocaust überlebte (21.01.), Das Unwort (23.01.) und Masel Tov Cocktail (25. Januar) ein. Die Anmeldung unter info@jg-wi.de ist für eine Teilnahme erforderlich. Kulturdezernent Axel Imholz wird die Veranstaltungsreihe mit einem Grußwort zum Filmgespräch am Donnerstag, 21. Januar, eröffnen.

„Gedenken darf kein jährlich wiederkehrendes Ritual ohne Inhalt sein. Es bedarf einer kritischen und ganz persönlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Auschwitz dokumentiert nicht die Verbrechen ‚der Nationalsozialisten‘ als kleine, losgelöste Gruppe, sondern das Versagen der deutschen Zivilgesellschaft.“ – Axel Imholz, Kulturdezernent

Am 24. Januar liest Peter Neumaier aus der Biografie seines Großvaters, des Rechtsanwalts Ernst Seidenberger, der als Kind jüdischer Eltern in der NS-Zeit Opfer war, verfolgt und deportiert wurde. Das Angebot Kino macht Schule des Medienzentrums Wiesbaden wird verschoben. Der Film In Auschwitz gab es keine Vögel ist digital verfügbar. Am 28. Januar spricht Dr. Rolf Faber auf Einladung des frauen museums wiesbaden über das Schicksal der jüdischen Juristin Friedel Hallgarten. Eine Anmeldung zur Online-Veranstaltung ist unter info@frauenmuseum-wiesbaden.de erforderlich. Das Stück Widerstand des Freien Theaters Wiesbaden am 30. Januar fällt weg. Gestrichen sind auch die Stadtrundgänge des sam – Stadtmuseum am Markt am 28. und 31. Januar zu Wiesbadener Gedenk- und Erinnerungsorte.

Wenn es keine Zeugen mehr gibt, Making of

 

Ab dem 31. Januar ist die szenische Lesung Sie waren unsere Nachbarn des Igstadter Scheunentheaters online unter www.momentmal.org abrufbar. Am 2. Februar nimmt sich dann Dr. Katharina Stengel der Verfolgung der Sinti und Roma an. Online referiert sie über die Verfolgten in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Eine Anmeldung unter Laura.Bruehl@hlz.hessen.de ist für die Teilnahme erforderlich. Am 4. Februar liest Hermann Vinke im Livestream des frauen museums wiesbaden und spricht im Auftrag des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie über die Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek. Am 9. Februar diskutieren Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, der Vorsitzende von Keshet Deutschland Monty Ott, die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Julia König und die pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank Saba-Nur Cheema mit Paola Widmaier, Bildungsreferentin bei Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden, zum Zusammenhang von Erinnerungskultur und Erinnerungsabwehr. Alle Informationen zur digitalen Veranstaltung sind unter www.spiegelbild.de zu finden.

„Die Aufarbeitung der NS-Geschichte kann daher keineswegs als abgeschlossen gelten. Mit ihren Veranstaltungen und Projekten leisten die beteiligten Wiesbadener Institutionen und Vereine wieder einen wichtigen Beitrag in der Erinnerungskultur.“ – Axel Imholz, Kulturdezernent

Auch wieder mit dabei sind actionbound-Rundgänge. In geführten Touren können Interessierte ab dem 27. Januar verschiedene Orte des jüdischen Lebens in Wiesbaden erkunden. Das Aktive Museum Spiegelgasse bietet ebenfalls ab 27. Januar die Ausstellung Todesmarsch von Leipzig nach Fojtovice digital unter www.am-spiegelgasse.de an. Ab dem 25. Januar zeigt das Medienzentrum Wiesbaden unter dem Titel Wenn es keine Zeugen mehr gibt Interviews mit Zeitzeugen auf seinem Youtube-Kanal.

Wenn es keine Zeigen mehr gibt, Alexander Pfeiffer im Gespräch

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Die offizielle Internetseite zur Veranstaltungsreihe finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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