Schaulustige und haufenweise Presse – sogar die New York Times ist da. Vor dem Staatstheater warten sie alle auf das Eine: das erste Häppchen Kultur nach zwei Monaten Hungersnot in Europa.

Am 18. Mai öffnete sich im Staatstheater  Wiesbaden nach der Corona-Zwangspause endlich wieder der Vorhang im Großen Haus – das Hessische Staatstheater  ist damit eines der ersten in Europa und das erste in Deutschland. Es ist die erste Veranstaltung in der Theatergeschichte, die mit striktem Mindestabstand und Maskenpflicht stattfindet, und dieses Spektakel lässt sich sogar die New York Times nicht entgehen. Der Startschuss das Maifest-Special, für das Ersatzprogramm Noch zu den Internationalen Maifestspielen, die in diesem Jahr zum 124 Mal stattfinden sollten, gibt der Liederabend Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit mit Günther Groissböck.

Staatstheater Wiesbaden @2020 Jeremias Sand

Mindestabstand zur Kultur

Vor dem Staatstheater herrscht reges Treiben: Hier stoßen die Gäste des Abends mit einem Glas Sekt auf das Theater an, dort finden angeregte Gespräche statt. Die Stimmung in und vor den Theater-Kollonnaden ist ausgelassen. Der erste Gong ertönt. Die ersten der rund 150 Gäste ziehen ihre Schutzmasken an und gehen rein. Dort darf das abendliche Geplänkel aber nicht weiter gehen. Die Sitzplätze müssen zügig eingenommen werden. Die Gänge sind Einbahnstraßen und mit überall mit Hygienehinweisen gekennzeichnet. Die Jacke muss mit auf den Platz, Garderobe gibt es keine. Auf der Karte steht nur die Reihe, der Platz folgt auf Zuweisung beim Einlass. Es gilt ein Mindestabstand von 3 Sitzplätzen, nur jede zweite Reihe ist besetzt. Das Tragen der Maske ist bis zum Hinsetzen Pflicht.

„Genau 65 Tage lang war das Theater geschlossen – eine schwere Zeit für uns. Wir freuen uns sehr, dass es jetzt endlich wieder weiter geht.“ – Uwe Eric Laufenberg

Die erste Veranstaltung nach zwei Monaten leitet der Theaterintendant Uwe Eric Laufenberg passend mit dem Gedicht Hoffnung von Friedrich Schiller ein. Es folgt tosender Applaus – so tosend, wie er in einem Saal für 1000 Personen, in dem rund 150 Zuschauer sitzen, sein kann. Es wirkt, als sei eine groß angesetze Inszenierung in die Hose gegangen – aber ganz im Gegenteil. Die starke Stimme von Günther Groissböck gepaart mit Alexandra Goloubitskaia am Klavier ergibt ein wunderschönes Zusammenspiel aus Lied und Lyrik. Laufenberg ergänzt den Abend mit lyrischen Rezitationen. In der Pause wird der Saal im Entenmarsch verlassen – und ist in fünf Minuten leer. Die Bewirtung ist vom Theater-Voyer nach draußen unter und vor die Kolonnen verlegt. Dort steht ein Foodtruck von Das Foyer und wird von hungrigen Gästen umschwärmt – Mindestabstand scheint vor dem Haus der Ordnung wie vergessen. (Bild: Jeremias Sand | Text: Joelle Sander)

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Die offizielle Internetseite des Hessischen Staatstheaters finden Sie unter staatstheater-wiesbaden.de.

 

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