Tageszeit, Umfeld, Ort – Bahnhofsvorplatz, Parks. Wo gibt es Handlungsbedarf? Wo fühlen sich Wiesbadener sicher, wo liegen potentielle Angsträume. Für ein friedliches Miteinander sind die Erkenntnisse darum wirchtig. 

Die Daten sind kein Jahr alt. Die Stadt hat nach einer repräsentativen Stichprobe Bürger befragt: Wie ist es um das Sicherheitsgefühl junger Wiesbadenerinnen und Wiesbadener bestellt? Fühlen sie sich generell sicher in der Stadt oder überwiegt die Sorge um die eigene körperliche Unversehrtheit? Es zeigt sich, eine Bedrohung geht weniger von Straftaten, vielmehr vom sozialen Miteinander aus.

Das Gute vorweg

Die jungen Stadtbewohner fühlen sich grundsätzlich mehrheitlich in der Stadt sicher (66 Prozent). Unter ihnen überwiegt das Vertrauen in die staatlichen Institutionen, allen voran Polizei (77 Prozent) und Justiz (67 Prozent). Das Zusammenleben der verschiedenen Bewölkerungsgruppen wird in der  Stadt von 63 Prozent der Befragten als gut und eher gut bezeichnet.

„Die positiven Ergebnisse und die genannten Problembereiche decken sich zu großen Teilen mit unseren Erfahrungen.“ – Bürgermeister Dr. Oliver Franz und Polizeipräsident Stefan Müller

Für fast drei Viertel aller Befragten (73 Prozent) gibt es aber Orte in Wiesbaden, an denen sie sich unsicher oder zumindest unbehaglich fühlen. Häufig genannte räumliche Schwerpunkte sind der Platz der Deutschen Einheit, das Areal rund um den Hauptbahnhof sowie generell Teile der Innenstadt. Diese Unsicherheit resultiert aus Problemen wie Zerstörung und Vandalismus (44 Pro-zent), Graffiti (36 Prozent), Gewalt (34 Prozent), Lärm (32 Prozent) und Drogenhandel beziehungsweise -konsum (30 Prozent). Diese werden zwar als problematisch benannt, haben für die Befragten jedoch nicht die größte Relevanz. Stattdessen sind es obdachlose und bettelnde Menschen, die von 61 Prozent der Befragten als größtes Problem und Unsicherheitsfaktor empfunden werden, gefolgt von herumhängenden Jugendlichen und Erwachsenen mit 58 Prozent sowie Alkoholisierten/Betrunkenen mit 51 Prozent. Weitergehende Ergebnisse der Befragung zeigen, dass diese Einordnung durchaus aus konkreten negativen Erlebnissen im öffentlichen Raum resultierten, oftmals aber auch pauschal auf ganze Teile der städtischen Gesellschaft übertragen werden.

„Bei der Lösung der Probleme können die Ordnungsbehörden alleine nicht erfolgreich sein. Es bedarf der Mithilfe weiterer städtischer Stellen, wie zum Beispiel dem Amt für Soziale Arbeit.“ – Bürgermeister Dr. Oliver Franz und Polizeipräsident Stefan Müller

Die Untersuchung des Amtes für Stadtforschung und Statistik verdeutlicht, dass ein erhöhtes Risiko für die eigene Sicherheit weniger aufgrund der Sorge Opfer einer schweren Straftat zu werden gesehen wird, sondern vielmehr Resultat eines zunehmend gestörten sozialen Miteinanders im öffentlichen Raum ist. Dementsprechend sind Pöbeleien und Bedrohungen (61 Prozent), Diebstahl (45 Prozent) und sexuelle Belästigung (53 Prozent) die größten Sorgen, die das Sicherheitsempfinden der Befragten negativ beeinflussen. Die Komplexität dieser Herausforderungen scheint auch den Befragten bewusst und so wird mehrheitlich nicht nur der starke Staat gefordert, sondern ein ganzes Bündel von Maßnahmen als sinnvoll erachtet. Neben einem konsequenten Durchgreifen der Ordnungs- und Sicherheitsbehörden und einer starken Präsenz im öffentlichen Raum werden daher auch eine bessere Straßenbeleuchtung und mehr soziale Maßnahmen, im Sinne von Gewaltprävention, Streetworkern und (Schul-)Sozialarbeit befürwortet.

Maßnahmen, mit denen die Stadt das Sicherheitsgefühl in Wiesbaden steigern und den Problembereichen begegnen möchte sind unter anderem die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, versenkbare Poller um das Risiko von Amokfahrten zu mindern, bessere Lichtverhältnisse in den Abendstunden.

Mit dem Sozialamt wollen beide über Wege besprechen, wie lösungsorientierter mit Alkoholkranken und Obdachlosen im Bereich des Platzes der Deutschen Einheit umgegangen werden kann. Aber auch mit der Deutschen Bahn wollen beide ins Gespräch kommen, immerhin handele es sich beim Bereich rund um den Bahnhof um einen der beiden meistgenannten Angsträume. Beide machten schließlich deutlich, dass sie sich weitere Aufschlüsse für die Sicherheitslage von der im März 2020 vorliegenden Studie zum Westend im Rahmen des Projekts Kompass versprechen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass im Westend wurzelnde Probleme auf benachbarte Innenstadtquartiere ausstrahlten.

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