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Grabsteinprüfung auf dem Südfriedhof.

Prüfen der Standfestigkeit: Stresstest für Grabsteine

Einmal im Jahr prüft das Friedhofspersonal vom Grünflächenamt auf Wiesbadens Friedhöfen, ob alle Grabsteine sicher stehen. In der Regel geschieht das nach der Frostperiode – Mitte April bis Anfang Mai. Wiesbaden lebt! hat Michael Eigenbrodt Jan Dreer dabei begleitet.

Volker Watschounek 2 Jahren vor 4

Aus Sicherheitsgründen überprüft das Grünflächenamt jedes Jahr nach der Frostperiode mit einer Druckprobe auf den kommunalen Friedhöfen die Standfestigkeit der Grabsteine. 

Früher war alles deutlich langwieriger. Zuerst sind die Mitarbeiter des Grünflächenamts strickt nach Plan alle Gräber abgelaufen und haben Grabsteine per Hand auf ihre Standfestigkeit hin überprüft. War ein Stein locker, musste der Eigentümer in Registern nachgeschlagen werden und die Verantwortlichkeit geklärt werden. Da ist es auch schon mal passiert, dass man am Abend einfach weniger kraft hatte und ein Stein durch die Rüttelprobe durchgerutscht ist, erzählt Michael Eigenbrodt bei der Überprüfung auf dem Südfriedhof. Heute ist alles einfach, ergänzt sein Kollege Jan Dreer. Zusammen sind sie am Mittwoch auf den Grabfeldern des Südfriedhofs unterwegs. Anstelle der sogenannten Rüttelprobe vergangener Tage findet die Überprüfung heute mit technischer Unterstützung statt. Genau 30 Kilogramm an Druck werden mit dem sogenannten Kipp-Tester aufgebracht, um die Standfestigkeit nach der Sichtprobe hin sicherzustellen.

„Der Kipp-Tester wird an die Oberkante des Grabsteins angesetzt und löst einen Druck von 300 Newton aus, entsprechend 30 Kilogramm. Sollte der Stein dem Druck nicht standhalten, wird der Stein mit einem roten Warnaufkleber versehen.“ – Jan Dreer, Grünflächenamt

Wackelt der Grabstein, müssen die Mitarbeiter des Grünflächenamts erst einmal klären, ob das Grab vielleicht verwahrlost ist, ob Nutzungsrechte existieren und in welchen Zuständigkeitsbereich das Grabmal fällt. Das geht inzwischen sehr viel schneller. Über ihr Dienst-iPad haben Michael Eigenbrodt und Jan Dreer Zugriff auf die Daten der Friedhofsverwaltung. Damit steht schnell fest, dass es sich bei dem Grab von Amalie und Theodor Dorn um ein von der Stadt als erhaltenswertes Grabmal handelt. Es steht unter Denkmalschutz. Damit ist das Grünflächenamt respektive die Stadt für die Pflege und Erhaltung verantwortlich.

„30 Kilo reichen vollkommen. Wichtig sei, dass die Prüfung nicht ruckartig erfolge, sondern der Druck mindestens über zwei Sekunden lang anhalten, – bis es piepst.“  Jan Dreer, Grünflächenamt

Der Sachverhalt ist schnell geklärt. Als Nächstes bringen die Mitarbeiter vom Grünflächenamt gut sichtbar zwei Aufkleber in leuchtenden Farben an. Der gelbe Aufkleber verweist darauf, dass das Grabmal nicht mehr standsicher ist und Unfallgefahr besteht. Ferner wird der Nutzungsberechtigte mit Hinweis auf das Haftungsrisiko dazu aufgefordert, das Grabmahl unverzüglich fachgerecht befestigen zu lassen. Der orangene Aufkleber weist darauf hin, dass das Nutzungsrecht abgelaufen ist – und zu klären ist. Letzteres ist in dem Fall zu vernachlässigen.

„Ob, die Grabsteine sicher stehen, überprüfen immer mindestens zwei Personen. Eine Person macht den Drucktest, die andere Person dokumentiert.“Michael Eigenbrodt

Die Reparaturarbeiten werden die Friedhofsgärtner vom Grünflächenamt demnächst beschäftigen. Bis es aber so weit ist, wird der Grabstein gesichert. Auf dem Grab selbst wird hierfür ein Holzpflock gesetzt, an dem ein Kunstoffband befestigt wird, sodass der Stein insgesamt für die nächsten Tage gesichert ist. Aber warum lockert sich ein Grabstein überhaupt? Ein Haus fängt ja auch nicht plötzlich an zu wackeln.

Grabsteine lockern sich aus mehreren Gründen. Allein die topografische Lage des Friedhofs gilt neben anderen Gründen als Einflussfaktor. Auch Erschütterungen, Grabarbeiten im näheren Umfeld, die Beschaffenheit des Bodens oder die Witterung sind als Gründe bekannt. Ein Stein kann auch durch eine Wurzel von einem umliegenden Baum untergraben werden und so Steine ins Wanken bringen – weshalb die Überprüfung nach den Vorgaben des Verbandes Deutscher Steinmetze obligatorisch ist.

Foto oben ©2022 Volker Watschounek

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Die offizielle internetseite der Wiesbadener Friedhöfe finden Sie unter www.friedhoefe-wiesbaden.de.

 

4 Kommentare

4 Kommentare

  1. Die Grabmale meiner Großeltern haben auch gewackelt und wir wurden kontaktiert. Ich wusste nicht, dass Mitarbeiter bei wackelnden Grabsteinen in eine App für die Friedhofsverwaltung schauen, um herauszufinden, wer für das Grab verantwortlich ist. So haben Sie bestimmt auch meine Familie ausfindig gemacht. Jetzt muss meine Familie die Grabmale wieder in einen sicheren Stand bringen.

  2. clara grün sagt:

    Danke für den Beitrag. Gut zu wissen, dass die Standfestigkeit der Grabmale jedes Jahr getestet wird. Meine Oma hat mehrere Grabmale aus Naturstein und wir wollen sicher gehen, dass sie auch in Zukunft standfest bleiben.

  3. Ich wusste nicht, dass Grabsteine jedes Jahr geprüft werden. Es scheint mir wichtig zu sein, einen Grabstein von einem Fachmann anfertigen zu lassen. Auch die Aufstellung sollte ordnungsgemäß erfolgen.

  4. Martin sagt:

    Stresstests für Grabsteine, wer hätte das gedacht? Sicherheit geht natürlich vor und der Steinmetz hat hier eine große Verantwortung. Ein Grabstein muss schließlich einiges aushalten können, ohne nachzugeben. Es ist beeindruckend, dass solche Tests durchgeführt werden, um Unfälle zu verhindern. So wird nicht nur die Qualität der Arbeit des Steinmetzes sichergestellt, sondern auch die Sicherheit der Friedhofsbesucher gewährleistet.

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Geschrieben von

Volker Watschounek lebt und arbeitet als freier Fotograf und Journalist in Wiesbaden. SEO und SEO-gerechtes Schreiben gehören zu seinem Portfolio. Mit Search Engine Marketing kennt er sich aus. Und mit Tinte ist er vertraut, wie mit Bits und Bytes. Als Redakteur und Fotograf bedient er Online-Medien, Zeitungen, Magazine und Fachmagazine. Auch immer mehr Firmen wissen sein Know-how zu schätzen.