Plötzlichen Saisonabbruch im Frühjahr, der Weg zum neuen Vertrag beim alten Verein und ihre Ziele für die kommenden Spielzeit: Pauline Schultz antwortet.

Die Zeit zum Saisonbeginn verrinnt. Wiesbadens Volleyball-Fans sehnen sich nach den ersten Ballwechseln. Um die zeit bis dahin angenehm zu gestalten, stellen wir mit dem VCW wöchentlich eine Persönlichkeit aus dem Dunstkreis der VCW-Familie vor. Den Anfang macht Pauline Schultz, die den Weg aus der zweiten in die ersten Mannschaft geschafft hat und beim VCW zuspielen wird.

Pauline Schultz im Gespräch

Hallo Pauline, starten wir mit der wichtigsten Frage: Bist Du gesund?
Pauline Schultz: Ja, ich bin gesund. Gesund und munter.

Wie hast Du den abrupten Abbruch der Saison und die Zeit des „Lockdows“ verkraftet? 
Der Saisonabbruch kam für mich, wie vermutlich für alle von uns, sehr überraschend. Noch am Sonntag zuvor haben wir Zuhause ein gutes Spiel gegen Neuwied hingelegt. In den folgenden Tagen wurde die Unsicherheit dann aber immer größer, ob und unter welchen Umständen das Spiel am kommenden Wochenende in Vilsbiburg noch stattfinden würde. Zunächst ging es um Formalitäten, wie „den Schiedsrichtern und gegnerischen Spielerinnen nicht die Hand geben“, dann kam es jedoch bereits zu den ersten Spielabsagen in den zweiten Ligen. Am Donnerstag dieser Woche kam dann endgültig die Info, dass der gesamte Spielbetrieb eingestellt wird. Wir haben uns als Mannschaft noch ein letztes Mal zur Trainingszeit in der Halle treffen können, bevor dann auch die Sporthallen gesperrt und somit der Trainingsbetrieb eingestellt werden musste.

Seitdem habe ich die meisten meiner ehemaligen Teamkolleginnen nicht mehr gesehen, was ich sehr schade finde. Wir konnten weder die gute Saison zusammen ausklingen lassen noch hatte ich die Gelegenheit mich von allen zu verabschieden. Die Zeit danach war sehr komisch und befremdlich. Alles, was zuvor zum normalen Alltag gehört hatte, war auf einmal eine Illusion. Es ist jetzt zwar alles irgendwie anders, aber auch an so eine neue Situation kann man sich gewöhnen.

Die Saison, die für Euch fünf Spiele vor dem regulären Ende abgebrochen wurde, habt ihr auf dem siebten Platz beendet? Ihr könnt äußerst zufrieden mit diesem Resultat sein, oder?
Ich finde, dass wir uns als Mannschaft weiterentwickelt haben, was sich auch auf unser Spiel ausgewirkt hat. Am Ende ist es natürlich sehr schade, dass wir unseren finalen Tabellenplatz nicht noch endgültig ausspielen konnten und die Saison mit drei Niederlagen beenden mussten. Wir haben uns im Vergleich zu letzter Saison sehr gesteigert und es wäre noch schöner gewesen, wenn wir uns mit dem ein oder anderen Sieg am Ende einer solch guten Saison belohnt hätten und uns mit einem guten Gefühl in die Pause verabschieden. Ich bin aber zufrieden mit diesem Ergebnis und weiß für mich, dass die letzten Spiele nicht den guten Saisonverlauf widerspiegeln.

Was hat besser geklappt als in der vorigen Saison, in der ihr am Ende den 10. Platz innehattet?
Zunächst muss man da bedenken, dass wir in die letzte Saison als Aufsteiger gestartet sind und alle frisch zusammengewürfelt waren. Für viele waren es die ersten Erfahrungen in der zweiten Bundesliga. Das merkt man natürlich über einen langen Saisonverlauf hinweg. In der zweiten Saison kannten wir uns alle dann besser, jeder wusste um die Stärken und Schwächen der anderen. Darauf lässt sich das Spiel viel besser aufbauen. Und individuell haben sich auch alle weiterentwickelt. Bei einem so jungen Team braucht es ein bisschen, bis alle auf dem Niveau angekommen sind, das in der Liga gespielt wird. Und das haben wir als Team in der zweiten Saison geschafft.

Nun hast Du den Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft geschafft? Wie fühlt sich das an. Bist Du am Ziel Deiner Träume?
Mit dem Sprung in die erste Mannschaft geht definitiv ein Lebenstraum in Erfüllung. Ich bin immer noch sehr aufgeregt. Vieles hat sich jetzt für mich verändert und ich freue mich nach wie vor riesig, so eine Chance zu bekommen. Es macht mir großen Spaß, in den Bundesligabetrieb reinzuwachsen und zu erleben, wie sich mein Alltag entwickelt. Noch ist es aufgrund der aktuellen Situation hier und da ein bisschen anders und schwieriger als gewohnt. Wir arrangieren uns aber alle gut damit und ich versuche meinen persönlichen Rhythmus zu finden.

Wie kam der Karriereschritt eigentlich zustande?
Der Wechsel in die erste Mannschaft kam für mich sehr überraschend. Irgendwann in diesem ganzen Lockdown-Chaos hatte ich auf einmal eine Nachricht von Christian auf meinem Handy. Er würde mich gerne einmal anrufen. Nach diesem Telefonat hatte ich schließlich das Angebot, nächste Saison in der Ersten Mannschaft zuzuspielen. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit hatte ich ihn wie besprochen zurückgerufen und meine Zusage gegeben. Natürlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt jede Menge Fragen, die ich bei unserem zweiten Telefonat loswerden konnte. Von da an ging alles ziemlich schnell. Nur wenige Tage später klärte ich bereits mit Karen Zentgraf meine Trainingspläne für die kommenden Wochen, in denen wir noch nicht in die Halle durften und besprach mit Christopher Fetting und Simona Kosova alle organisatorischen Fragen. Über ein Zoom-Meeting habe ich auch mein neues Team das erste Mal bei einer kurzen Mannschaftssitzung gesehen. Meinen Vertrag unterschieb ich schließlich am 28. April und kann es manchmal immer noch nicht glauben. Das waren sehr aufregende Wochen.

Was sind Deine persönlichen Ziele für die kommende Spielzeit?
Meine persönlichen Ziele sind vor allem, mich so schnell wie möglich an den Bundesligaalltag zu gewöhnen und an das athletische sowie spielerische Niveau heranzuarbeiten. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, den Profisport kennenzulernen und mich insgesamt weiterentwickeln. Diese tolle Chance bietet viele neue Erfahrungen, auf die ich mich sehr freue.

Wie läuft momentan der Trainingsalltag ab? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?
Die letzten Wochen lief der Trainingsalltag so ab, dass wir in zwei feste 4er-Gruppen aufgeteilt wurden, in denen wir zweimal die Woche am Ball und einmal mit Karen Zentgraf an unserer Athletik arbeiten durften. Mit einem Trainer pro Gruppe waren wir also insgesamt zu fünft, was der Maximalanzahl an Beteiligten entsprach. Neben dem Balltraining hatten wir noch zwei feste Trainingstermine pro Person, an denen wir zu zweit, in festen Paaren, unsere individuellen Kraftpläne im Kraftraum der Halle absolvierten. Seit letzter Woche dürfen wir für unser Krafttraining auch wieder ins David Fitness – Halle 46 gehen. Jetzt warten wir nur noch darauf, endlich wieder als Mannschaft zusammen am Ball trainieren zu dürfen. Ich freue mich schon, die Mädels aus der anderen Gruppe kennenzulernen. (Foto: 2020 Detlev Gottwald)

Vielen Dank für das Gespräch! 

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