Die Verbrennung von Braunkohle und ein entwickeltes Hochleistungs-Feuerungs-Verfahren haben Topf & Söhne groß gemacht. In den Schatten sich die Firma selbst, mit den Verflechtungen zum Genozid.

In der aktuellen Sonderausstellung Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz wird die Firmengeschichte des zuerst in Erfurt gegründeten Unternehmens dargestellt. Ein ganz normaler Betrieb, der für die SS tätig wurde und damit einen erheblichen Beitrag zum industriellen Massenmord leistete. Das Stadtmuseum am Markt bietet am Dienstag eine Bilddokumentation mit Lesung an.

sam, – Stadtmuseum, kurz gefasst

Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz – Bilddokumentation und Lesung
Wann: Dienstag, 11. September, 19 Uhr
Wo: sam – Stadtmuseum am Markt, Marktpl. 3, 65183 Wiesbaden (Karte / Navigation)
Eintritt: frei

Die Präsentation  zeigt, wie die Zusammenarbeit aussah, welche Akteure beteiligt waren und wirft Fragen nach Handlungsspielräumen und Motiven auf. In der Nachkriegszeit versuchte Ernst Wolfgang Topf mit seinem Unternehmen in Wiesbaden neu Fuß zu fassen, was ihm letztlich nicht gelang.

„An die Tatsachen von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung gilt es, sich zu erinnern und die Erinnerung wachzuhalten. Auf immer und ewig.“ – Armin Nufer

Über die Inhalte der Ausstellung hinaus wirft sam – Stadtmuseum am Markt auch einen Blick auf das Wiesbaden im Nationalsozialismus. Ach hier hinterließ die NS-Zeit erschütternde Spuren. Die Einschränkungen und Drangsalierungen, denen jüdische Mitbürger ausgesetzt waren, fanden in Wiesbaden genauso statt wie in anderen deutschen Städten auch. Drei größere Deportationen der jüdischen Bevölkerung gingen von hier aus. Die letzte Deportation hielt die Gestapo fotografisch fest. Die Bilder, die damals entstanden, fanden auf Umwegen ihren Weg in die Öffentlichkeit.

„Ich finde diese Ausstellung notwendig. Der Schutz von Menschen auf der ganzen Welt und insbesondere auch in Deutschland ist Verpflichtung eines jeden Menschen und eines jeden Mitbürgers. Auch in Wiesbaden.“ – Armin Nufer

„sam – Stadtmuseum am Markt“ zeigt an diesem Abend diese Bilddokumentation der letzten Deportation aus Wiesbaden. Begleitend hören die Besucherinnen und Besucher Originaldokumente aus dem Kontext sowie einen kommentierenden Text. Der Wiesbadener Schauspieler, Regisseur und Sprecher Armin Nufer leiht für diese Veranstaltung seine Stimme. Die Geschichte, die hinter den Fotografien steckt, erfährt man im Anschluss an die Lesung.

 „Es sollte ein neues Schulfach eingeführt werden: Empathie und Kontakt mit geflüchteten Menschen.“ – Armin Nufer

Mit der Ausstellung Industrie und Holocaust wird nicht nur ein Themenbereich behandelt, der aufzeigt, wie sehr die zivile Bevölkerung in die Verbrechen der NS-Zeit involviert war. Dem Stadtmuseum ist es darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, grundsätzlich die Erinnerung wach zu halten. Ziel der Ausstellung und des Begleitprogramms ist es, die nachfolgenden Generationen zu sensibilisieren. Ihnen verständlich zu machen, dass jeder jederzeit für sein Handeln verantwortlich ist und es an jedem einzelnen liegt, dass unser demokratisches und rechtsstaatlichen Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft funktioniert.

Über T0pf & Söhne

Im Jahre 1878 in Erfurt durch Johann Andreas Topf (1816–1891) gegründet und von dessen Sohn Ludwig Topf (1863–1914) zu einem Betrieb mit über 500 Mitarbeitern erweitert, errang das Unternehmen große Erfolge. Nach Umsatzeinbußen geriet das Unternehmen 1933 in Zahlungsschwierigkeiten, so dass ein Vergleichsverfahren eingeleitet wurde. 1935 übernahmen die Enkel des Unternehmensgründers und Ernst-Wolfgang Topf (1904–1979) gemeinsam die Leitung.

Das Unternehmen baute komplette Mälzereien und Brauereimaschinen sowie Siloanlagen, Schornsteine und gasdichte Türen und Fenster und auch davon abgeleitete industrielle Feuerungsanlagen. Ab 1914 gab es auch eine kleine Abteilung für die Entwicklung und Fertigung von Krematoriumsöfen. 

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion auf militärische Aufträge der Wehrmacht, wie z. B. Flugzeugteile, umgestellt. In den 1940er Jahren entschloss sich die Unternehmensleitung zur Zusammenarbeit mit dem Reichssicherheitshauptamt, das die Konzentrationslager verwaltete. Dabei wurde kein Druck von oben ausgeübt. Allerdings hatte sich die Liquidität des Unternehmens mit Kriegsbeginn verschlechtert; im April 1941 erreichte der Schuldenstand mit 497.000 RM einen Höhepunkt. Etwaige moralische Bedenken wurden vermutlich zurückgestellt, um das Unternehmen zu retten. Durch beständige Weiterentwicklungen der Ingenieure der Firma Topf & Söhne entwickelte sich das Unternehmen zum Hauptlieferanten von Verbrennungsöfen für Konzentrationslager. (Quelle: Wikipedia)

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