Deutsche Avantgarde, Streben nach neuen Formen und Selbstexpression. Rebellion gegenüber etablierter Ordnung und Streben nach individueller Freiheit: Max Pechstein.
Das Museum Wiesbaden zeigt ab sofort die Ausstellung: Max Pechstein – Die Sonne in Schwarzweiß. Sie umfasst Werke aus der gesamten Schaffenszeit von Max Pechstein. Aus der Zeit von 1881-1955. Die Retrospektive des Malers und Grafikers beleuchtet seine künstlerische Entwicklung und setzt erstmals die Sonne als zentrales Motiv seines Schaffens in die Mitte.
Landesmuseum (Museum Wiesbaden), kurz gefasst
Sonderausstellung – Max Pechstein, der Sonnenmaler des 20. Jahrhunderts
Wann: vom 15. März bis 30. Juni 2024
Eintritt: 12,00 Euro / ermäßigt 9,00 Euro
Wo: Hessisches Landesmuseum für Kunst und Kultur (Museum Wiesbaden), Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Max Pechstein war zwischen 1906 und 1912 gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner, Erich Häckel, Emil Nolde und Karl Schmidt Rottluff Mitglied der Künstlergruppe Brücke in Dresden und Berlin. Erstes Anliegen der Vereinigung Unfall war es, subjektive Gefühle bildlich temperamentvoll umzusetzen. So, dass sieden Betrachter in sinnlich berühren. Um das zu erreichen, ist die Farbe und deren gestalterischer Auftrag das wichtigste Mittel. Die Ausstellung, die bis zum 30. Juni 2024 läuft, gibt einen umfassenden Einblick in Pechsteins Werk.
Die Bedeutung der Sonne in Pechsteins Kunst
Max Pechstein, einer der führenden Köpfe der deutschen Avantgarde, widmete sich in seinem Schaffen intensiv der Darstellung der Sonne und so dient die Sonne als roter Faden, der sich durch alle Phasen von Pechsteins Schaffens zieht. Dabei werden sowohl farbenprächtige Gemälde als auch kontraststarke Holzschnitte gezeigt. Sie verdeutlichen die Vielfalt seines künstlerischen Ausdrucks.
Einblick in Pechsteins Werk
Wie könnte es anders sein? Das Entre zur Ausstellung bildet im ersten Raum das liegende Selbstbildnis des Künstlers von 1909. Max Pechstein präsentiert sich hier Ganzfigur, das gesamte Bild durchmessend. Sein Selbstporträt füllt er mit einem gänzlich auf sein Tun konzentrierten Blick. Es ist anzunehmen, dass er gerade in einen Spiegel schaut, um seine Arbeit zu überprüfen. Raffiniert ist hier, dass sich das Gemälde eben aus jenen Farben zusammensetzt, die sich folgerichtig auf seiner Palette befinden.
Das Selbstbildnis ist eines von insgesamt 161 Werke, die in acht thematisch sortierten Räumen die Themen behandeln, die Pechsteins Schaffen prägten: von Aktmalerei über Tanz bis hin zu Krieg, Familie und Religion. Das Werk ist deshalb so hervorzuheben, weil es nach 30 Jahren im Museum Wiesbaden erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Sonnenmaler des 20. Jahrhunderts
Pechstein beschäftigte sich ein halbes Jahrhundert mit der Sonne als einem seiner Hauptgegenstände seiner Arbeit. Der Kustos für die Klassische Moderne am Museum Wiesbaden und Kurator der Schau, Dr. Roman Zieglgänsberger, bezeichnet ihn als den Sonnenmaler des 20. Jahrhunderts.
Die Sonne erscheint positiv besetzt als Lebensspender der Natur in allen wesentlichen Themen des Künstlers, häufig sogar in ihrem Zentrum: Akt & Figur, Bühne & Tanz, Paradies & Krieg, Boote & Fischer, Familie & Religion. Wie auch schon beim französischen Impressionisten Monet malt Pechstein sie in allen denkbaren Farben – von Rot, Orange bis hin zu Weiß, Pink, Blau und Grün.
Nach längerem Malen ergreift mich Sehnsucht nach der Farbigkeit des Schwarzen in der Graphik … die kräftigen Schnitte im Holz, den energische Riß der Nadel auf dem Metall, das schmeichelnde Hauchen der Kreide über den Stein.
Max Pechstein, 1921
Eine Vielzahl an Arbeiten zeigt die Sonne aber auch in Schwarzweiß. Der maximale Kontrast bot dem Künstler inhaltliche Möglichkeiten um beispielsweise ihre Härte, Unerbittlichkeit oder ihre Zugehörigkeit zu unserem Planeten zu zeigen. Der Kurator wirft die Leitfrage der Schau auf: Warum verzichtete ein expressiver Maler, dem es vordringlich um Emotionen ging, freiwillig und nicht selten auf das entscheidende, am Beginn des 20. Jahrhunderts soeben ‚neu erfundene Werkzeug‘ Farbe?
Neben farbenprächtigen Gemälden und Hauptwerken des Künstlers rückt die Ausstellung Die Sonne in Schwarzweiß Pechsteins Kunst auf Papier, welche aus dem Blick der Forschung geraten ist, in den Fokus. Als ausgebildeter Dekorationsmaler und Absolvent eines kunsthandwerklichen Studiums bei Otto Gussmann an der Kunstakademie Dresden entwickelte Pechstein schon früh eine Vorliebe für Druckgrafik in Schwarzweiß.
Begleitende Veranstaltungen und Publikationen
Zur Ausstellung erscheint ein wissenschaftlicher Katalog mit Beiträgen namhafter Experten. Außerdem wird eine kostenfreie Media-Tour in der MuWi-App angeboten. Die Ausstellung wird gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Max Pechstein Stiftung und den Freunden des Museums Wiesbaden e.V.
Bild oben ©2024 Museum Wiesbaden/Bernd Fickert
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