Es war einmal … der Wolf galt als das am weitesten verbreitete Säugetier der Welt. Europa, in weiten Teilen Asiens, in Nord- und in Mittelamerika: überall war er vertreten. Für den Menschen wurden sie zur Last und er hat angefangen, sie auszurotten. 

Wolf und Mensch sind in der Natur Konkurrenten. Solange sie sich nicht ins Gehege kommen, ist alles gut. Beginnt der Wolf aber Nutztiere zu reißen, wird er zu einem Feind. Lange war das in Deutschland überhaupt kein Thema – lebten Wölfe doch allenfalls in Tierparks und Gehegen. Seit mehr als zehn Jahren steht jedoch fest, der Wolf ist zurück. Zu Beginn des Jahrhundert feiert der NABU dies als Sensation und Erfolg für den Naturschutz: Der vom Menschen in Deutschland ausgerottete und über Jahrhunderte gefürchtete  Wolf ist zurückgekehrt! Auf der Internetseite des NABU ist nachzulesen, in welchen Regionen sich der Wolf bereits wieder niedergelassen hat. Das fasziniert – nicht jeden.

Der Wolf ist ein Raubtier

Wer in der Natur mit dem Wolf lebt, hat eine ganz andere Haltung. Am Ende des Tages helfen lange Reden nicht: Der Wolf ist ein Raubtier, er jagt, weil es in seiner Natur liegt. Vielerorts, wie in der Lausitz, herrschte lange die weit verbreitete Meinung, dass seine Opfer nur Rehe seien, und die wiederum eine Plage –. Wer aber in der Natur lebt, weiß, dass die Realität anders ist. Und die Lausitz, Brandenburg ist weit weg – dachten Hessens Schafhirte lange. Meldungen wie Wolf reißt Schafe im Kreis Fulda oder Wolf reißt Schaffe in Poppenhausen zeigen aber, der Wolf ist wieder da. Genau das ist es, was am Mittwoch hunderte  Schäfer und andere Weidetierhalter nach Wiesbaden kommen hat lassen.

Situation in Hessen

Wie das Hessische Fernsehen berichtet, wurden in Hessen bislang keine Rudel gesichtet. Auch die Zahl der getöteten Nutztiere sei noch überschaubar, wenngleich sie steigt: Bei zwölf Angriffen auf Herden rissen Wölfe im vergangenen Jahr 27 Schafe. Drei Schafe wurden verletzt. Hinzu kamen drei Kälber. 2018 gab es keine getöteten Tiere, drei in 2017.

Hessen hintenan

Hessens  Weidetierhalter fühlen sich von der Politik im Land alleingelassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländer gibt es in Hessen im Moment weder eine transparente Entschädigungsregelung für Rissereignisse, noch ein Förderprogramm zur Übernahme von Investitionskosten im Herdenschutz. Das war für viele Anlass genug, dem Aufruf des Hessischer Verband für Schafzucht und -haltung e.V. zu folgen um dem Forderungskatalog des Verbands Nachdruck zu verleihen. Sie kamen in ihrer traditionellen Kluft mit großem Hut, langem Mantel und Stock in der Hand – und ernster Miene gekommen. Auf Transparenten und Plakaten stand geschrieben: Weidentiere haben einen Mehrwert, Koexistenz geht nur mit uns!, Wir lieben unsere Tiere oder Es ist angerichtet für den Wolf. Dazu drastische Bilder von blutigen Schafskadavern. Sie fordern…

Forderungen der Weidentierhalter

Bestandsgrenze – Das Land Hessen sollte sich auf Bundesebene für eine Bestandsobergrenze einsetzten und damit der Wolfspopulationen entscheiden entgegen treten, denn – wegen der lokalen Verbesserungen der Lebensraumqualität, der Zunahme der Population einiger Beutetierarten, der öffentlichen Unterstützung und günstiger internationaler, europäischer und nationaler Rechtsvorschriften ist die Wolfspopulation auf etwa 17000 Wölfe angestiegen.

Erstattung der Aufwendungen – Die Rückkehr des Wolfes erfolgt vor allem zu Lasten der Schafhalter. Der Schutz der Tiere erfordert einen enormen finanziellen und arbeitswirtschaftlichen Aufwand. Die EU hat die vollumfängliche Erstattung aller mit der Wolfsbesiedlung verbundenen Maßnahmen ausdrücklich genehmigt. Diese muss mit einem Rechtsanspruch komplett erstattet werden.

Beweislastumkehr notwendig – Im Falle der Entschädigung von Rissschäden durch den Wolf ist eine Beweislastumkehr gefordert; d.h. es muss von behördlicher Seite nachgewiesen werden, dass der Schaden nicht durch den Wolf verursacht wurde. Ist der Wolf nicht auszuschließen, besteht ein Anspruch des geschädigten Tierhalters, wie in Sachsen geregelt.

De-minimis-Grenze aufheben – Alle finanziellen und arbeitswirtschaftlichen Aufwendungen sowie Präventions- und Entschädigungszahlungen sind vollumfänglich zu erstatten. Sie gehören nicht unter die De-minimis-Regelung.

Versicherung von Folgeschäden – Die politisch gewollte Rückkehr des Wolfes führt zu unkalkulierbaren rechtlichen Risiken für Betriebe mit Schafhaltung. Bisherige Versicherungsregelungen geben keine dauerhafte Sicherheit. Ähnlich der PKW Versicherung, muss es eine unbegrenzte Deckungssicherheit geben.

Die oben angeführten Forderungen stellen einen Auszug aus dem Forderungspapier des Hessischer Verband für Schafzucht und -haltung e.V. dar. Das komplette Forderungspaier ist online hier abzurufen: www.schafe-hessen.de.

Bildergalerie zur Weidentierhalter-Demo

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Die offizielle Internetseite vom Hessischen Verband für Schafzucht und Schafhaltung finden Sie unter www.schafe-hessen.de.

 

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