Seit wann gibt es das Auto? Wer hat das Fahrrad erfunden? Wo fuhr die erste Straßenbahn? Das sind spannende Fragen, besonders mit Blick auf Wiesbaden, denn in den Medien sind diese Verkehrsmittel ständig präsent.

Sieben Jahre sind im digitalen Zeitalter eine halbe Ewigkeit, zwei Jahre, eine ganz schön lange Zeit. Zeit genug um die erhobenen Daten zu aus allen Richtungen zu beleuchten, denn nachdem die TU Dresden bereits 2013 Wiesbadens Bürger zu ihrem Verkehrsverhalten befragt hatte, wurde die Studie vor zwei Jahren wiederholt. Im Rahmen der neu aufgelegten Studie wurden in der Landeshauptstadt rund 2000 Personen ausführlich befragt. Der Fragenkatalog enthielt einen allgemeinen Teil mit Fragen zum Haushalt selbst, wie beispielsweise Haushaltsgröße oder Einkommen, Ausstattung des Haushalts mit Fahrzeugen wie Auto oder Fahrrad sowie Alter oder Erwerbsstatus der Personen im Haushalt. Kernstück der Umfrage war aber der sogenannte Wegefragebogen. Dabei sollte jede befragte Person einen Tag alle zurückgelegten Wege aufzeichnen.

„Status wird heute über andere Dimensionen der Selbstinszenierung abgedeckt, etwa über das Ernährungsverhalten, sportliche Aktivitäten, Mode – also den Lebensstil.“ – Mark Morrison, Zukunftsforscher

In 80 Prozent der Haushalte gibt es einen Pkw, ein ähnlich hoher Wert wie schon 2013. Die Ausstattung der Haushalte mit Fahrrädern war im Jahr 2013 mit 73 Prozent jedoch merklich höher als bei der aktuellen Befragung, in der nur noch in 66 Prozent der Haushalte ein Fahrrad oder Elektrofahrrad zu finden ist. Ebenso wurde gefragt, ob die Teilnehmenden in den letzten zwölf Monaten Carsharing oder Leihräder genutzt haben. Eine neue Fragestellung zum Jahr 2013 – die aber den Rückgang bei der Zahl der Fahrräder in einem Haushalt erklären. Nach der Studie von 2018 benutzen 7,3 Prozent der Wiesbadener Leihfahrräder. Auf ähnliche Werte kommt auch das Carsharing. 7,9 Prozent der Befragten haben Carsharing in den letzten zwölf Monaten genutzt – 2013 waren es nur 2,5 Prozent. In den Zahlen zeigt sich, dass das Auto als Statussymbol nach unten rückt.

“Hoher Status definiert sich nicht mehr über das Sammeln von Flugmeilen oder Membercards in den teuersten Hotels, sondern vielmehr über die Selbstkompetenz, kluge Mobilitätsketten zu wählen – und auch auf Mobilität bewusst zu verzichten. Mark Morrison, Zukunftsforscher

Der erste Blick bei Mobilitätsbefragungen gilt in der Regel immer dem Modal Split und wie er sich verändert hat. Der Modal Split beschreibt, mit welchen Verkehrsmitteln die Wiesbadener ihre Wege zurücklegen. Dies kann zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln geschehen. Entscheidende Veränderungen gegenüber 2013 hat es nicht gegeben, das Verkehrsverhalten hat sich also fast nicht geändert. Nach wie vor wird fast die Hälfte aller Wege mit dem Auto zurückgelegt. 28 Prozent aller dokumentierten Wege werden zu Fuß bewältigt, das sind drei Prozentpunkte weniger als 2013. Der öffentliche Verkehr hält 17 Prozent aller Wegeanteile und bleibt nahezu unverändert. Das Fahrrad legt etwas zu. Lag der Anteil der Wege mit dem Fahrrad im Jahr 2013 bei fünf Prozent, so sind es 2018 sieben Prozent. Das ist eine bescheidene Zunahme, die aber zumindest statistisch signifikant ist. Wenn man aber bedenkt, dass der Anteil der Wege mit dem Fahrrad in anderen Großstädten im Schnitt bei 14 Prozent liegt, so hat Wiesbaden noch Luft nach oben.

„Die Flexibilisierung des privaten wie des beruflichen Lebens sorgt dafür, dass für die meisten Menschen die Zahl der Orte steigt, die sie tagtäglich ansteuern, und mit ihr die möglichen Wege.“ – Die Evolution der Mobilität

Zu welchem Zweck sind Wiesbadener unterwegs? Die meisten Wege dienen dem Einkaufen oder dem Nutzen von Dienstleistungen (27 Prozent), gefolgt von Freizeitwegen (26 Prozent) und dem Weg zum eigenen Arbeitsplatz (23 Prozent). Jeder mobile Wiesbadener legt pro Werktag 3,8 Wege zurück, wobei die mittlere Wegelänge 7,1 Kilometer beträgt. Für einen Weg werden im Schnitt 21 Minuten gebraucht. Auf den Kurzstrecken dominieren deutlich die Fußwege, aber auch die kurzen Wege werden gerne schon mal mit dem Auto zurückgelegt. Von allen Wegen, die mit dem Auto gemacht werden, enden immerhin 16 Prozent bei unter zwei Kilometern. (Archivbild)

Antworten

Das erste Auto: Der Franzose Nicholas Cugnot entwickelte 1769 einen Dampfwagen – das erste Fahrzeug, das nicht mit Muskelkraft oder durch äußere natürlich Kräfte wie Wind angetrieben wurde. Im Jahr 1863 machte Étienne Lenoir mit seinem Hippomobile auf Basis der Verbrennungstechnik eine 18 km lange Fahrt. Trotzdem gilt das Jahr 1886 als Geburtsstunde des Automobils. Der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von Carl Benz nutzte den medialen Sog als modernes Automobils – und kam zur Serienproduktion.

Das erste Fahrrad: Muskelkraftwagen oder die Draisine aus dem Jahr 1817 gelten als Vorläufer des Fahrrads. Lange vergessen entstanden erst im Zuge der Hochindustrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder Laufmaschinen, die bald mit Pedalantrieb ausgerüstet und bis zum heute bekannten Fahrrad weiterentwickelt wurden. 1853 baute Philipp Moritz Fischer das erste sicher belegte Fahrrad mit Tretkurbelantrieb. Das Pedal befand sich an der Achse des Vorderrads.

Die erste Straßenbahn: Die Entwicklung der Straßenbahnen begann in Europa mit der Einführung der Pferdebahnen. Die erste wurde am 26. November 1832 in New York eröffnet, kurz nachdem die Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden am 1. August 1832 als zweite europäische Festlandeisenbahn eröffnet hatte.

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Auszüge der Studie können in der aktuell Wiesbadener Stadtanalyse unter www.wiesbaden.de nachgelesen werden.

 

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