Noch zehn Tage bis zur Europawahl und mancherorts bis zu den Kommunalwahlen: auch in Wiesbaden. Sieben Politiker konkurrieren um die Nachfolge von Amtsinhaber Sven Gerich. Einer davon ist Eberhard Seidensticker.

Auf seiner Internetseite schreibt der 53-jährigeDahdeckermeister: Ich möchte ein starkes Wiesbaden, das sich zukunftsorientiert aufstellt. In der Wiesbadener Kommunalpolitik ist Eberhard Seidensticker kein Unbekannter: 2006 sitzt er für die CDU im Schiersteiner Ortsbeirat, seit 2011 in der Stadtverordnetenversammlung.

Was sind Ihre drei wichtigsten Ziele für eine mögliche Amtsperiode?

Wiesbaden muss bezahlbaren und passenden Wohnraum für jedermann schaffen, ein zukunftsträchtiges und ganzheitliches Verkehrskonzept für Wiesbaden schaffen und Selbstständige besser unterstützen. Dazu gehört es Bürokratie abzubauen und Gewerbeflächen anzubieten.

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Als Handwerker bin ich es gewohnt anzupacken. Ich kann Dächer decken, ein Unternehmen führen, Arbeitsplätze schaffen und erhalten sowie Dinge reparieren. Ich mache schon länger Stadtpolitik, aber eben nicht ausschließlich. Ich bin daher praktisch veranlagt und lege den Finger in die Wunde, wo immer es notwendig ist. Auch dank meiner Statur bin ich sehr standhaft und entschlossen das Beste für unser Wiesbaden zu geben.

Wie beurteilen Sie die Parkplatzsituation in Wiesbaden?

Die Situation ist schwierig. Es gibt zu Stoßzeiten zu wenige Parkplätze und das Problem wird durch den Wegfall von Parkplätzen zusätzlich verschärft. Wenn Parkplätze an einer Stelle wegfallen, müssen Ersatzflächen geschaffen werden. Ebenso gilt es, einerseits mehr Park & Ride-Plätze zur Verfügung zu stellen und generell günstiges Parken zu ermöglichen, damit die Geschäfte, insbesondere in der Fußgängerzone, auch erreicht werden können.

Braucht Wiesbaden in Zukunft eine CityBahn?

Ein noch auszuarbeitendes gesamtheitliches Verkehrskonzept für unsere Stadt muss zeigen, welche Verkehrsmittel Wiesbaden braucht und in welchen Bereichen wo Nachholbedarf besteht. Wichtig ist, dass dabei alle Verkehrsteilnehmer, das bedeutet Fußgänger, Rad- oder Autofahrer und Nutzer des ÖPNV, berücksichtigt werden. Ob in Wiesbaden eine Citybahn gebaut werden soll, müssen meiner Ansicht nach die Bürger entscheiden. Dafür setze ich mich ein.

Wenn jemand Sie in weiter entfernten Regionen fragt, was Wiesbaden besonders macht, was antworten Sie?

Wiesbaden ist eine Stadt, die für jeden etwas bietet: ob kulinarischer Genuss, eine vielfältige Kunst- und Kulturszene, zahlreiche Geschäfte und Läden oder ein tolles Stadtbild. Darüber hinaus gibt es ein großes Freizeitangebot, Hochschulen und ein breites ehrenamtliches Engagement. Jung und Alt fühlen sich hier wohl.

Fehlt Wiesbaden etwas, um eine liebens- und lebenswerte Stadt zu sein?

Wiesbaden ist liebens- und lebenswert. Wir müssen allerdings dafür Sorge tragen, dass das so bleibt. Daher lautet mein Motto auch Gutes besser machen. Dafür müssen wir beispielsweise Familie und Beruf noch besser verbinden. Das heißt einerseits Wohnen für jedermann zu ermöglichen, andererseits bedeutet es auch, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen und zu erhalten. Ich setze mich dafür ein, Selbstständige zu unterstützen und Engagement stärker wertzuschätzen. Nur wenn wir es schaffen, Leben und Arbeiten zu verbinden und dabei eine ausgeglichene Work-Life-Balance ermöglichen, wird Wiesbaden auch in Zukunft so toll bleiben.

Wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Da sind zunächst einmal die noch zu entwickelnden Gebiete wie Ostfeld/Kalkofen und die Konversionsflächen der US-amerikanischen Armee. Darüber hinaus sollten wir gezielt Leerstände und ungenutzte Räume oder Flächen ins Visier nehmen. Weitere Möglichkeiten sind Nachverdichtungen und innovative Herangehensweisen wie die Kombination aus Supermärkten im Erdgeschoss und Wohnflächen in den Stockwerken darüber. Wir brauchen hier eine langfristige Strategie einerseits, aber auch kurzfristig bereitgestellten Wohnraum andererseits.

Wie wollen Sie während einer möglichen Amtszeit den Kontakt zu den Bürgern pflegen?

Das möchte ich auf ganz verschiedene Arten tun. Als Oberbürgermeister wäre ich sehr viel in der Stadt bei de Leut unterwegs. Ich bin ein offener und kommunikativer Typ und suche gern das Gespräch mit Menschen, auch auf den Veranstaltungen, die ich besuche. Darüber hinaus bin ich auch online aktiv, was ich gern beibehalten möchte. Ich bin immer ansprechbar und bereit, mich den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu widmen.

Wie beurteilen Sie die Zahl der Großveranstaltungen in Wiesbaden? Zu viel? Zu wenig? Genau richtig

Große Veranstaltungen sind aus zwei Gründen sehr wichtig für unsere Stadt. Zum einen sind Veranstaltungen ein tolles Aushängeschild für unsere Stadt. Das zeigt, wie attraktiv Wiesbaden ist und fördert den Tourismus. Dadurch wiederum werden Arbeitsplätze geschaffen, die Stadt wird lebendiger und das Angebot steigt. Davon profitieren Gäste und Einheimische. Zum anderen sind solche Veranstaltungen ein Treffpunkt für Wiesbadenerinnen und Wiesbadener. Das fördert ein geselliges Zusammensein und das Gemeinschaftsgefühl. Klasse statt Masse lautet meine Devise. Damit auch die Belange der Anwohner von Veranstaltungsorten ausreichend berücksichtigt werden, muss gegenseitige Rücksichtnahme praktiziert werden.

Wie würden Sie einen typischen Wiesbadener Bürger charakterisieren?

Weltoffen aber trotzdem regional verbunden, liebenswürdig, hilfsbereit und dem Leben und dem Rheingauer Wein zugetan.

Was würde sich nach Ihrer Amtszeit in Wiesbaden geändert haben?

Wiesbaden ist die nächsten Schritte einer Entwicklung hin zur Smart City gegangen. Wir haben einen Plan, der den Verkehr zukünftig regelt und steuert, ohne dass eine oder mehrere Gruppen von Verkehrsteilnehmern benachteiligt werden. Und wir haben Bau- und Gewerbegebiete entwickelt. Zudem bieten wir durch den Bau des Sportparks Rheinhöhe zusätzlich eine attraktive Stätte für Sport und Freizeitgestaltung.

Wer wäre, nach Ihnen der beste Bürgermeister und warum?

Meine Frau. Die kann das.

Warum sollten die Wiesbadener Ihnen am Sonntag ihre Stimme geben?

Wiesbaden ist meine erste große Liebe! Ich habe nahezu mein gesamtes Leben hier verbracht – aus Überzeugung. Meine Stadt hat mir viel gegeben: eine Heimat, meine Familie sowie viele liebe Menschen und Begegnungen. Hier in Wiesbaden habe ich Beruf und Berufung gefunden. Jetzt ist es für mich an der Zeit, unserer Stadt etwas zurückzugeben. Ich habe mich deshalb entschieden als Oberbürgermeister zu kandidieren. Meiner ersten großen Liebe zu mehr zu Glanz verhelfen, das ist mein Wunsch und Ansporn. Gleichzeitig betrachte ich es als meine Aufgabe, ein lebenswertes und liebenswertes Wiesbaden in vielerlei Facetten zu erhalten und in anderen Bereichen neu zu schaffen. Daran lasse ich mich messen. Dieser Herausforderung und viel Herzblut erfordernden Aufgabe möchte ich mich mit Ihrer Unterstützung gern stellen.

Eberhard Seidensticker, Vielen Dank für das Gespräch!

OB-Wahl Stimmungsbarometer

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Wiesbadens OB-Kandidaten im Einzelnen:

– Christiane Hinninger, Die Grünen, will Wiesbadens Kultur fördern
Christian Bachmann, Freie Wähler, ist keiner Partei verpflichtet
Sebastian Rutten, FDP, möchte Wiesbaden vitalisieren
Gert-Uwe Mende, SPD, steht für einen politischen Neuanfang
Eberhard Seidenstricker, CDU, legt den Finger in die Wunden
– Eckhard Müller, AfD, wir sind dran
– Ingo von Seemen, Linke, wir sind dran

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