Noch neun Tage bis zur Europawahl und mancherorts bis zu den Kommunalwahlen: auch in Wiesbaden. Sieben Politiker konkurrieren um die Nachfolge von Amtsinhaber Sven Gerich. Einer von ihnen ist Christian Bachmann.

FDP, CDU, SPD, Grüne, Die Linke, AfD – überall sind die Wahlplakate der Parteien. Es gibt kaum freie Bäume und freie Stellflächen. Aber fehlt da nicht eine Partei. Der 44-jährige Christian Bachmann setzt ganz auf Kontakte, Persönlichkeit und Netzwerke. Der stellvertretende Vorsitzender der Fraktion Freie Wähler/Bürgerliste Wiesbaden führt einen Wahlkampf ganz ohne Wahlplakate. Auch auf der Webseite der Freien Wähler tritt Bachmann eher zurückhaltend auf. Der gebürtige Aschaffenburger lebt seit 2007 in Wiesbaden, ist seit 2011 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und gehört auch dem Ortsbeirat Nordenstadt an.

Christian Bachmann…

Was sind Ihre drei wichtigsten Ziele für eine mögliche Amtsperiode?

Ich setze mich dafür ein Vertrauen in die Verwaltung und die Politik zurückzugewinnen, eine schlagkräftige Verwaltung einzuführen die mit Spaß, Motivation und Bürgernähe arbeitet und dafür, die Infrastruktur für die bereits hier lebenden Bürger zu verbessern bevor wir größere Projekte angehen.

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Ich bin komplett unabhängig, von keiner Partei abhängig oder ihr verpflichtet. Daher muss mich hier nicht an Vorgaben aus Parteizentralen, Landtag oder gar Bundestag richten.

Wie beurteilen Sie die Parkplatzsituation in Wiesbaden?

Wir haben, egal ob Innenstadt oder auch dörfliche Stadtbezirke einen immensen Parkdruck. Durch den Wegfall bzw. die Streichung von Parkplätzen werden wir kaum weniger Autos haben, sondern es gilt das Recht des „Stärkeren“.
Daher müssen wir schauen ob wir Konzepte wie z.B. Dauerparker ab bestimmten Uhrzeiten in Parkhäusern möglich machen.

Braucht Wiesbaden in Zukunft eine CityBahn?

Die Citybahn ist eine Möglichkeit. Ob es die „eierlegende Wollmichsau“ ist, konnte ich noch nicht erkennen. Wenn die Bürgerschaft einen Entscheid, den ich absolut befürworte, ablehnt, müssen wir über Alternativen nachdenken.

Wenn jemand Sie in weiter entfernten Regionen fragt, was Wiesbaden besonders macht, was antworten Sie?

Der Historismus, die Nähe zum Rhein und die Mischung aus Großstadt und ländlichem Raum.

Fehlt Wiesbaden etwas, um eine liebens- und lebenswerte Stadt zu sein?

Wiesbaden ist eine liebenswerte und auch lebenswerte Stadt. Nur vergessen wir das immer wieder und eifern, je nach Interesse, Studentenstädten oder „StartUp“-Zentren nach, statt unseren eigenen Markenkern zu erkennen. Eigentlich fehlt uns nur Identifikation und Bekenntnis zu dem was wir sind: Stadt des Historismus, Kongress- und Gesundheitsstadt mit provinziellem Charme.

Wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Zuallererst brauchen wir für die gesamte Stadt die Mietpreisbremse. Dann muss über die städtischen Wohnbaugesellschaften nachverdichtet werden, um den ersten Druck abzufangen. Geplante Großflächenprojekte wie das Ostfeld werden keinen Wiesbadener in bezahlbaren Wohnraum bringen, sondern Bauträger und Investoren subventionieren. Schauen Sie doch mal den Hainweg in Nordenstadt an. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber welcher Polizist oder welche Krankenschwester kann sich denn ein Reihenmittelhaus für 600.000,– € in der Standardausstattung leisten?

Hierdurch wird eine Nachfrage außerhalb der Stadt provoziert, die unsere Mieten und Preise steigen lässt. Die Marge machen andere, die Zeche zahlen die Wiesbadener.

Wie wollen Sie während einer möglichen Amtszeit den Kontakt zu den Bürgern pflegen? 

Durch Sprechstunden, Vereinsbesuche, Spaziergänge in der Stadt und vielleicht auch Wanderungen mit interessierte Bürgerinnen und Bürgern.

Wie beurteilen Sie die Zahl der Großveranstaltungen in Wiesbaden? Zu viel? Zu wenig? Genau richtig?

Wir haben nicht wirklich viele Großveranstaltungen. Die Events die wir haben, werden zelebriert. Aber man sollte auch bedenken wie viele Wiesbadener von diesen Veranstaltungen profitieren? Ist es die Masse oder nur eine kleine Gruppe? Ich gehe von letzterem aus.

Wie würden Sie einen typischen Wiesbadener Bürger charakterisieren?

Den gibt es nicht bzw. ich habe ihn noch nicht kennen gelernt. Alleine wenn ich über Stadtbezirksgrenzen fahre kann es passieren, dass ich einen ganz anderen Schlag Menschen vor mir habe – Gerade bei den „Ureinwohnern“.

Was würde sich nach Ihrer Amtszeit in Wiesbaden geändert haben?

Wir wären eine Stadt mit einer topmotivierten, effizienten und bürgerfreundlichen Verwaltung. Eine Stadt mit der sich viele hier lebende identifizieren und nicht nur als Schlafstadt sondern als Lebensmittelpunkt mit gesellschaftlicher Bindung sehen und erleben.

Wer wäre, nach Ihnen der beste Bürgermeister und warum?

Wenn ich einen für Wiesbaden passenden Kandidaten gesehen hätte, wäre ich nicht angetreten.

Warum sollten die Wiesbadener Ihnen am Sonntag ihre Stimme geben?

Wer einen wirklichen Politikwechsel haben möchte, wählt mich. Ich bin kein Teil der Parteienlandschaft, bin unabhängig und kann zwischen den Interessengruppen moderieren ohne mich auf eine Seite schlagen zu müssen aufgrund des Parteibuchs.

Ich orientiere mich an Sachfragen und nicht an Parteiprogrammen.

Christian Bachmann, Vielen Dank für das Gespräch!

OB-Wahl Stimmungsbarometer

Wiesbaden wählt einen neuen Oberbürgermeister. Sieben Kandidaten stehen zur Wahl. Wer ist Ihr Favorit?
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Wiesbadens OB-Kandidaten im Einzelnen:

– Christiane Hinninger, Die Grünen, will Wiesbadens Kultur fördern
Christian Bachmann, Freie Wähler, ist keiner Partei verpflichtet
Sebastian Rutten, FDP, möchte Wiesbaden vitalisieren
Gert-Uwe Mende, SPD, steht für einen politischen Neuanfang
Eberhard Seidenstricker, CDU, legt den Finger in die Wunden
– Eckhard Müller, AfD, wir sind dran
– Ingo von Seemen, Linke, wir sind dran

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