Noch zehn Tage bis zur Europawahl und mancherorts bis zu den Kommunalwahlen: auch in Wiesbaden. Sieben Politiker konkurrieren um die Nachfolge von Amtsinhaber Sven Gerich. Einer von ihnen ist Sebastian Rutten.

Auf seiner Internetseite ist nichts von Wahlkampf zu lesen. Der gebürtige Franke gibt sich dort als Rechtsexperte. Sein Profil auf der Seite der FDP Wiesbaden, der er seit 2008 angehört, sagt auch nicht mehr. In Medienberichten heißt es, , dass die Freien Demokraten mit Sebastian Rutten einen „Neuanfang für Wiesbaden“ anstreben. Das spiegelt sich auch auf der Kampagnenseite von Sebastian Rutten. Der 42 Jahre alte Rechtsanwalt ist sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion und Vorsitzender des Sozialausschusses des Stadtparlaments.
In der Wiesbadener Kommunalpolitik ist Sebastian Rutten kein Unbekannter: Seit einiger Zeit engagiert er sich im Ortsbeirate Süd-Ost.

Was sind Ihre drei wichtigsten Ziele für eine mögliche Amtsperiode?

Ich setze mich für einen Rückgang des Sanierungsstaus an den Wiesbadener Schulen ein, möchte das Vertrauen der Menschen in die Rathauspolitik wieder herstellen und Wirtschaftsstandort Wiesbaden wieder stärken.

Was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Ich kann ohne parteipolitische Zwänge und Abhängigkeiten agieren. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, wie man aus einer Not eine Tugend macht, wie man Krisen als Chance und Herausforderung sieht und wie man aus eigener Kraft heraus Dinge zum besseren bewegen kann.

Wie beurteilen Sie die Parkplatzsituation in Wiesbaden?

In vielen Parkhäusern könnte die Auslastung verbessert werden. Durch ein besseres, digitales Parkraummanagement – in Kooperation mit den Betreibern – verspreche ich mir eine Verbesserung. Parkhäuser sollten dabei 24 h nutzbar sein und attraktive Angebote für Dauernutzer, Langzeitparker und Anwohner anbieten um Parksuchverkehr und stehenden Verkehr im öffentlichen Raum zu reduzieren.

Braucht Wiesbaden in Zukunft eine CityBahn?

Nein, das sieht auch die absolute Mehrheit der Wiesbadener nach der aktuellsten Wiesbadener Verkehrsumfrage so. Kosten, Aufwand und Folgen für die Stadt stehen für mich in keinem Verhältnis zum behaupteten Mehrwert. Die erwarteten Fahrgastzahlen sind unrealistisch, der reduzierte Verkehrsraum wird mehr Stau produzieren und auch für den Radwegeausbau verbleibt weniger Platz. Busspuren können z.B. auch von Radfahrern genutzt werden. Digitale Verkehrslenkung, Parkraummanagement, Radwegeverbesserung, Optimierung des Bussystems sowie Sharing- und On-Demand-Systeme sollten auf der Agenda stehen. Als Oberbürgermeister darf es aber am Ende nicht um meine eigene Meinung gehen, sondern um die der Menschen. Daher sollen sie über dieses Großprojekt abstimmen dürfen. Das Ergebnis wird für mich demokratischer Auftrag sein.

Wenn jemand Sie in weiter entfernten Regionen fragt, was Wiesbaden besonders macht, was antworten Sie?

Die idyllische Lage zwischen Rheingau und Taunus, direkt am Rhein, mit 78% Grünfläche, ein vielfältiges, kulturelles Angebot und das fast schon mediterrane Lebensgefühl machen Wiesbaden einzigartig.

Fehlt Wiesbaden etwas, um eine liebens- und lebenswerte Stadt zu sein?

Etwas mehr Leben vor allem für junge Menschen wäre ein Vitalisierungsschub für die Stadt, vor allem die Innenstadt am Abend.

Wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Mehr Wohnungen reduzieren den Preisdruck. Möglichkeiten, so zu bauen, dass günstig vermietet werden kann, sind zu nutzen. Hier passiert zum Glück derzeit an vielen Ecken endlich Positives, das darf man anerkennen. Konzeptvergaben sollten Vorrang vor dem höchsten Verkaufserlös haben. Erbpacht und die Förderung gemeinschaftlichen Bauens unterstütze ich. Statt Quoten und Kaltmietbremsen bin ich für eine Wohnkostenbremse, die auch Nebenkosten berücksichtigt. Für Wiesbaden konnte ich schon bewirken, dass die Grundsteuerreform aufkommensneutral wird. Das Ostfeld sehe ich als Chance für ein neues, modernes Stadtquartier. Aber auch die Nutzung von Konversionsflächen, Nachverdichtung und der Dachgeschossausbau müssen mitgedacht werden.

Wie wollen Sie während einer möglichen Amtszeit den Kontakt zu den Bürgern pflegen? 

So niedrigschwellig, wie es die Position erlaubt. Bürgerfragestunden und Live-Kontakte über die sozialen Medien sind selbstverständlich. Über Themenfelder wie Bürgerengagement möchte ich nah an den Themen der Menschen sein. Ein        Oberbürgermeister muss nicht mit jedem ein Duz-Kneipenfreund sein, aber er muss ein Gespür dafür haben, wann und wo er von den Menschen gebraucht wird.

Wie beurteilen Sie die Zahl der Großveranstaltungen in Wiesbaden? Zu viel? Zu wenig? Genau richtig?

Die Zahl der Großveranstaltungen halte ich weitgehend für in Ordnung. Ich bedaure, dass ausgerechnet Folklore nun keine Wiederauflage bekommt, aber wo sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwo eine neue.

Wie würden Sie einen typischen Wiesbadener Bürger charakterisieren?

Lebensfroh, gesellig und naturverbunden, aber durchaus auch feingeistig und mit einer Begeisterung für Schönes und Edles. Die Kultur ihrer Stadt liegt Wiesbadenern sehr am Herzen.

Was würde sich nach Ihrer Amtszeit in Wiesbaden geändert haben?

Der Sanierungsstau an den Wiesbadener Schulen ist erkennbar zurückgegangen, das Vertrauen der Menschen in die Rathauspolitik ist wiederhergestellt und Wiesbaden überzeugt durch Lebensqualität, Kultur und Wirtschaft.

Wer wäre nach Ihnen der beste Bürgermeister und warum?

Da diese Person hier nicht gewählt werden könnte, behalte ich das für mich.

Warum sollten die Wiesbadener Ihnen am Sonntag ihre Stimme geben?

Weil ich für einen echten Wandel in Wiesbaden stehe. Ich möchte, dass Wiesbaden seine vielfältigen Chancen nutzt um nach Vorne zu kommen. Wir sind nicht irgendwer, wir sind die Landeshauptstadt! Gemeinsam mit den Menschen möchte ich sie zur Chancenhauptstadt machen.

Sebastian Rutten, Vielen Dank für das Gespräch!

OB-Wahl Stimmungsbarometer

Wiesbaden wählt einen neuen Oberbürgermeister. Sieben Kandidaten stehen zur Wahl. Wer ist Ihr Favorit?
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Wiesbadens OB-Kandidaten im Einzelnen:

– Christiane Hinninger, Die Grünen, will Wiesbadens Kultur fördern
Christian Bachmann, Freie Wähler, ist keiner Partei verpflichtet
Sebastian Rutten, FDP, möchte Wiesbaden vitalisieren
Gert-Uwe Mende, SPD, steht für einen politischen Neuanfang
Eberhard Seidenstricker, CDU, legt den Finger in die Wunden
– Eckhard Müller, AfD, wir sind dran
– Ingo von Seemen, Linke, wir sind dran

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