Etwa 12000 Flüchtlinge kommen täglich aus der Ukraine in Deutschland an. Mehr als 2000 von der Ukrainer haben für sich als Aufenthaltsort Wiesbaden ausgewählt – mehr als 90 Prozent selbstbestimmt.

Bundesinnenministerin Nancy Faser (SPD) hat letzte Woche erklärt, dass die Menschen aus der Ukraine nach festem Regeln verteilt werden sollen. Mit dem sogenannten Königsteiner Schlüssel werde berechnet, wie viele Flüchtlinge die einzelnen Bundesländer aufnehmen sollen. Ungeachtet davon reisen Ukrainer mit einem biometrischen Pass visumfrei ein, viele von Ihnen haben Verwandte und Freunde als Anlaufpunkte. Sie bestimmen ihren Aufenthaltsort selbst. In Wiesbaden zeigt sich das deutlich. Gerade einmal 150 Ukrainer wurden der Stadt zugewiesen. Mehr as 1800 haben Hessens Landeshauptstadt freiwillig als ihr Ziel gewählt. Über die Hintergründe ist wenig bekannt.

„Im Königsteiner Schlüssel ist festgelegt, wie die einzelnen Länder der Bundesrepublik Deutschland an gemeinsamen Finanzierungen zu beteiligen sind. Der Anteil, den ein Land danach tragen muss, richtet sich zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen und zu einem Drittel nach der Bevölkerungszahl.“ – Wikipedia

Ungeachtet dessen appeliert Sozial- und Integrationsdezernat Christoph Manjura an die Landesregierung schnellstmöglich zum geregelten Zuweisungsverfahren überzugehen, damit die Aufgabe solidarisch auf alle Kommunen verteilt werden kann. Nur so könne die Stadt eine menschenwürdige Unterbringung auf Dauer gewährleisten. Wiesbaden brauche dringend eine Verschnaufpause, um weitere Gemeinschaftsunterkünfte zu akquirieren, gegebenenfalls umzubauen, einzurichten und in Betrieb zu nehmen. Zudem ist es wichtig, dass wir den Menschen schnell die Dienstleistungen zukommen zu lassen, die sie brauchen und die ihnen helfen.

„Nach den dramatischen Erlebnissen in der Ukraine und der Flucht hierher wollen wir in jedem Fall vermeiden, Familien räumlich trennen zu müssen.“– Christoph Manjura, Sozialdezernent

Bei den Unterbringungsmöglichkeiten hat die Stadt ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Momentan stehen nur noch vereinzelte Plätze in unterschiedlichen Gemeinschaftsunterkünften zur Verfügung. Die Stadt sieht sich daher gezwungen, vom 28. März an erst einmal alle neu ankommenden geflüchteten Menschen an die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes Hessen zu verweisen. Dort werden die Ukrainer registriert und im Anschlussdie Kommunen verteilt. Engagierte Wiesbadener, die von kommenden Montag an Menschen aus der Ukraine aufnehmen, werden gebeten, sich auf direkten Wege mit der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen aufzusuchen, um dort die Registrierung vornehmen zu lassen.

„Es ist unsere Aufgabe auch den Personen gerecht zu werden, die auf Grund ihres außergewöhnlichen Engagements geflüchtete Menschen aus der Ukraine in ihren eigenen vier Wänden untergebracht haben.“ – Christoph Manjura, Sozialdezernent

Da die Anmietung und Einrichtung weiterer Gemeinschaftsunterkünfte einige Zeit in Anspruch nimmt, bittet die Stadt auch die Hoteliers in Wiesbaden um solidarische Unterstützung. Momentan leben knapp 1000 der 2090 Menschen, die bereits in Wiesbaden registriert sind, bei Privatpersonen. Wiesbadens Sozialdezernenten ist es bewusst, dass das eine Übergangslösung und keine Dauerlösung sein kann. Bis weitere Gemeinschaftsunterkünfte eingerichtet seien, bittet Manjura daher Wiesbadens Hoteliers Zimmer zu vertretbaren Preisen zur Verfügung zu stellen, sodass Menschen, die gegebenenfalls nicht mehr bei Privatpersonen leben können oder wollen, nicht plötzlich in die Obdachlosigkeit gerieten.

„Auch in humanitären Krisenzeiten wie diesen, gibt es leider zum Teil sehr fragwürdige Angebote. Wir wollen in jedem Fall vermeiden, dass schutzsuchende Menschen an die – wenn auch sehr wenigen – Falschen geraten“, erläutert Manjura abschließend.“ – Christoph Manjura, Sozialdezerne

Auch die zahlreichen Wohnungsangebote von Privatpersonen werden im Amt für Soziale Arbeit mit Hochdruck abgearbeitet. Die Stadt bittet um Verständnis, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Einerseits weil in den letzten Tagen täglich etwa  150 Menschen untergebracht werden mussten. Hierfür braucht es schnelle Lösungen ohne aufwendigen Abstimmungs- oder Einrichtungsbedarf, was Möblierung oder Kostenerstattung von Nebenkosten anbelangt, damit die Menschen nachts ein Bett haben. Zum anderen ist jedoch auch zu berücksichtigen, dass die Unterbringung seitens der Stadt in Privatunterkünften auch abgesichert sein muss, weshalb keine Personen vermittelt werden, ohne dass sich ein Mitarbeiter der Stadt im Vorfeld die zur Verfügung gestellt Unterkunft angesehen hat.

Foto oben ©2022 Pixabay / Wiesbaden lebt

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Wiesbaden hilft Ukraine, eine Seite mit wichtigen Informationen finde Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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