Schwächendes Auslandsgeschäft und gesunkene Expporterwartungen trügen die Gesamtbilanz. Sie bleibt zum Frühjahr aber überdurchschnittlich und positiv.

Der verhaltene Optimismus der Unternehmen in der Wirtschaftsregion Wiesbaden vom Jahresbeginn setzt sich fort: So planen die Betriebe weiter mit steigenden Investitionen und Mitarbeiterzahlen, allerdings nicht mehr in der Größenordnung wie in den vergangenen Jahren. Ihre Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate bewerten die Unternehmen in Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und in Hochheim weiterhin positiv, aber etwas zurückhaltender als noch vergangenes Jahr. Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen sie ebenfalls nach wie vor sehr gut – auch wenn sie die bisherigen Spitzenwerte nicht mehr erreichen.

„Das Spitzenniveau der vergangenen Jahre pendelt sich wieder etwas ein – die Einschätzungen der Betriebe zu Geschäftslage, Geschäftserwartungen, Investitions- und Beschäftigungsabsichten sind etwas nüchterner geworden. Das bewegt sich aber nach wie vor auf einem hohen Niveau.“ – Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden

Deutlich gesunken sind die Exporterwartungen. Das sind die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage zur wirtschaftlichen Lage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden im Frühsommer 2019. Der komplette IHK-Konjunkturbericht kann online hier abgerufen werden.

„Beim Export sind die Erwartungen deutlich rückläufig – hier schlägt sich das schwierigere außenwirtschaftliche Umfeld nieder.“ – Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden

Demnach bleibt der Geschäftsklimaindex in der Wirtschaftsregion Wiesbaden mit 127 Zählern überdurchschnittlich – er ist um 3 Punkte gefallen, bewegt sich aber weiterhin 11 Punkte über dem hessischen Durchschnitt von 116 Punkten. Ein Indexwert über 100 Punkte signalisiert einen positiven Wachstumsimpuls. Der Geschäftsklimaindex ist ein Gradmesser für die regionale Wirtschaftsentwicklung und errechnet sich aus den Einschätzungen zur derzeitigen Geschäftslage und den Geschäftserwartungen.

Exportierende Dienstleister rechnen mit einem deutlichen Rückgang der Ausfuhren, während die Industrie ihre positiven Exporterwartungen gesenkt hat. Die Gründe seien weiterhin in den außenwirtschaftlichen Risiken wie zunehmende Handelsstreitigkeiten und Protektionismus sowie einer geringeren Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft zu finden, so Steidl.

Auslandsgeschäft rückläufig

Die Erwartungen der exportierenden Unternehmen ans Auslandsgeschäft insgesamt sind deutlich rückläufig: Noch rund ein Fünftel von ihnen rechnet in den nächsten 12 Monaten mit einem wachsenden Exportvolumen – das entspricht einem Rückgang um 11 Prozentpunkte. Ebenfalls gut ein Fünftel  geht von einem Rückgang aus – hier ist die Zahl der negativen Einschätzungen um 8 Punkte gestiegen. Und immerhin 58 Prozent der Betriebe erwarten  gleichbleibende Exporte. Der Saldo aus steigenden und abnehmenden Exporterwartungen sinkt damit deutlich auf 0 Punkte (-19 Punkte). Damit ist in den kommenden 12 Monaten nicht mit einem Exportwachstum zu rechnen.

Positive Geschäftserwartungen

Die Geschäftserwartungen für die kommenden 12 Monate haben sich im Vergleich zum Jahresbeginn 2019 nicht verändert. Weiterhin hat rund ein Viertel der Unternehmer im Wiesbadener Raum positive Geschäftserwartungen. 12 Prozent rechnet mit schlechteren Aussichten. Die Investitions- und Beschäftigungsdynamik ist bereits seit Frühsommer 2018 rückläufig. 29 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk wollen ihre Investitionsausgaben in den kommenden zwölf Monaten steigern (-3 Prozentpunkte). 15 Prozent planen eine Kürzung der Investitionen (-1 Punkt). Der Saldo aus steigenden und abnehmenden Investitionsplänen sinkt um 2 auf 14 Punkte.

Der Beschäftigungsaufbau verlangsamt sich weiter. 22 Prozent der Unternehmen planen die Vergrößerung ihrer Belegschaft in den kommenden 12 Monaten (+1 Punkt), jeder zehnte Betrieb will Stellen abbauen (+3 Punkte). 68 Prozent planen keine quantitative Veränderung im Personalbestand. Der Saldo aus steigender und fallender Beschäftigung geht um 2 Punkte auf 12 Prozentpunkte zurück. Dies ist allein mit der rückläufigen Einstellungsbereitschaft bei den Dienstleistern zu erklären, sagt Steidl.

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