Wiesbadens Kulturdenkmäler laden zu Entdeckungstouren ein. Bauherren, Architekten, Handwerker und Denkmalpfleger berichten am Tag des offenen Denkmals über ihre Arbeit.

Es ist ein ganz besonderes Jahr. Nicht nur dass sich der Tag des offenen Denkmals zum 26 Mal jährt. Als solcher steht der Tag des offenen Denkmals in diesem Jahr unter dem Motto „Moderne Umbrüche in Kunst und Architektur“.

Tag des offenen Denkmals, kurz gefasst

Tag des offenen Denkmals, Tag der offenen Tür
Wann:
Sonntag, 8. September 2019
Wo:
 26 aus 7.500, darunter das Kasino des Statistischen Bundesamts, Katholische St.-Bonifatius-Kirche, Pfortenhaus Schloss Biebrich, Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf, Museum Castellum, Villa Violetta sul Monte…
Kosten:
frei

Einen guten Überblick erhalten Sie im Programm zum Tag des offenen Denkmals das Sie sich hier herunterladen können.

Wiesbaden zählt mit zu den denkmalreichsten Städten in Deutschland. Mit über 7.500 geschützten historischen Bauwerken, Parks und Gärten, vor allem aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, gehört die Stadt zu den bedeutendsten deutschen Stadtdenkmälern. Das Bild ist aber auch durch einige technische Denkmäler geprägt – allen voran die imposante Theodor-Heuss-Brücke, die den Wiesbadener Ortsteil Mainz-Kastel mit dem Mainzer Stadtzentrum verbindet und schon in provinzialrömischer Zeit einen Vorgänger hatte.

Katholische Mauritiuskirche

Ein elegantes, heute ebenfalls denkmalgeschütztes Brückenbauwerk stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Es überquert die Hafenzufahrt in Schierstein. Es wurde – wie auch die Freiheitsstaue in New York – aus Zement der in Amöneburg ansässigen Firma Dyckerhoff hergestellt. Aus dem weltberühmten und sehr feinen Dyckerhoff Weißzement entstanden auch die zahlreichen bauplastischen Ausstattungsstücke des Künstlers Otto Herbert Hayek vor und in der Katholischen Mauritiuskirche in der Abgeggstraße im Wiesbadener Komponistenviertel. Die herausragende Qualität des Zements belegt der Abdruck eines kleinen Insekts in den in die Wand betonierten Konsolen für die Kreuzwegkerzen. Ein Besuch der Kirche lohnt sich nicht nur, um danach zu suchen!

Vielfalt religiösen Lebens

Auch zahlreiche andere Wiesbadener Sakralbauwerke sind am Tag des offenen Denkmals geöffnet und laden zu Entdeckungstouren durch die Architektur-, Liturgie- und Kunstgeschichte ein. Sie belegen anschaulich das Völker und Kulturen verbindende Element der Religionen und ihrer Traditionen. Evangelische und katholische Gotteshäuser, die Englische Kirche am Warmen Damm und die Russisch-Orthodoxe Kirche auf dem Neroberg stehen beispielhaft für die bunte Vielfalt religiösen Lebens. Als Kulturdenkmäler stellen gerade diese Bauten immer eine besondere Herausforderung dar.

Jagdschloss Platte

Zu den profanen Baudenkmälern, die am diesjährigen Tag des offenen Denkmals auf zahlreiche Besucher warten, gehören auch das ehemalige herzoglich-nassauische Jagdschloss auf der Platte oberhalb von Wiesbaden, das bei seiner Instandsetzung und Überdachung mit einem Glasschirm vor einigen Jahren nicht nur in Denkmalpflegerkreisen intensive Diskussionen auslöste.

Kaiser-Wilhelm-Turm

Der Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf wird von Mitgliedern des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgestellt. Die Stiftung hatte sich in besonderer Weise für seine Rettung engagiert. Der auf Betreiben Wiesbadener Bürger in der Formensprache eines mittelalterlichen Wartturms errichtete Aussichtsturm wird zur Besichtigung geöffnet und ermöglicht einen einzigartigen Rundblick auf Wiesbaden, ins Rheintal und über den Taunus. Für die angrenzende, derzeit noch brachliegenden Gastronomieräume sucht die Stadt derzeit neue Betreiber. Zu den Gasträumen gehört der historische Kaisersaal mit seinem sehenswerten, durchaus „pikanten“ Wandgemälde. Auch darauf können die Besucherinnen und Besucher am 9. September einen eingehenden Blick werfen.

Denkmal Scheune

Das von außen recht unscheinbare Pfortenhaus am Eingang zum Park von Schloss Biebrich hat sich zu einem echten Kleinod entwickelt, dass einen Besuch wert ist. Wo wir schon bei „unscheinbar“ sind: Qualitätvoll umgenutzte Scheunen werden nur höchst selten einem breiteren interessierten Publikum vorgestellt, vor allem, wenn sie in privater Hand sind. In der Kettenbornstraße in Wiesbaden-Schierstein gibt es am Tag des offenen Denkmals die seltene Möglichkeit, sich das Ergebnis eines solchen, unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten umgesetzten Projekts anzusehen. Eine Gelegenheit, die sich nicht nur Architekten nicht entgehen lassen sollte.

European Heritage Days

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days, einer vom Europarat und der Europäischen Union unterstützten Aktion, die sich ebenfalls dem Kulturerbe widmet. Die bundesweite Koordination des Tages des offenen Denkmals hat 1993 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übernommen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Auszug aus dem Programm

Bodenstedt-Haus – Durch den Architekten Georg Fürstchen für den Dekorationsmaler Johann Peter Schlier 1881/82 errichtet. Der Dichter und Übersetzer Friedrich von Bodenstedt verbrachte hier seine letzten Lebensjahre und verstarb in diesem Haus. Zu sehen sind jedoch nur die Räume der Humanistischen Gemeinschaft, die seit Anfang des 20. Jhs. im Besitz des Gebäudes ist. Das Bodenstedt-Haus befindet sich in der , Rheinstraße 78, 65185 Wiesbaden-Mitte.

Ehemalige Scheune – Im Ursprung wurde das kleine Objekt als Scheune genutzt und ist Teil einer unter Schutz stehenden Hofreite. Mit dem Ausbau und der Transformation des Scheunengebäudes werden die Räume in Zukunft für Büro- und Gewerbezwecke zur Verfügung stehen. Ein Maximum an historischen Elementen soll in die neue Innenraumgestaltung einfließen. Die ehemalige Scheune befindet sich in der Kettenbornstraße 4a, 65201 Wiesbaden-Schierstein.

Flößerzimmer – Die Flößerei am Zusammenfluss von Rhein und Main blickt auf eine fast 500 Jahre alte Tradition zurück. Sie gehörte in der Blütezeit in Kastel und Kostheim zur Geschichte der Gemeinden und hat ihren Familien das tägliche Brot gesichert. Zur Erinnerung an diesen schweren Beruf wurde im Frühjahr 2012 auf der Rheinwiese, in unmittelbarer Nähe der Bastion, von der GHK ein Flößer-Denkmal errichtet. Das Flößerzimmer befindet sich am Rheinufer 12, Bastion von Schönborn 55252 Wiesbaden in Mainz-Kastel

Gruft auf dem Nordfriedhof – Grabmal in Form einer begehbaren Gruft, in der bis zu vier Särge offen aufgestellt werden können. Tonnengewölbe mit Jugendstilmosaiken im Inneren. Ehemals im Besitz der Familie Stinnes Wagenknecht, jetzt als Patengrab in der Pflege von Familie Cäsar-Preller. Die Gruft befindet sich in der Platter Straße 83, an der B 417, Nordfriedhof.

Pfortenhaus Schloss Biebrich – Grundsteinlegung 1791. Der herzögliche Schlosspark war im 18. und 19. Jh. tagsüber der Öffentlichkeit zugänglich. Das ehemalige Wachhaus befindet sich an der repräsentativen Toranlage im norden und bildet den Eingang vom ehemaligen Ort Mosburg. Das Kleinod wurde nach aufwendiger Kernsanierung als Eventlocation zu neuem Leben erweckt. Der Pfortenhaus Schloss Biebrich befindet sich in der Äppelallee 18, 65203 Wiesbaden.

Museum Castellum – Die Reduit, die einzige Rundum-Verteidigungsanlage an der gesamten Rheinfront, wurde 1830-32 vom österreichischen Ingenieur General Franz Scholl erbaut und gehörte zum ehemaligen Kasteler Festungsbereich. Sie wurde auf einem aus 1.800 Eichenpfählen bestehenden Fundament direkt am Rheinufer auf sumpfigem Kies errichtet. Die Reduit befindet sich in Mainz Kastel, 55252 Wiesbaden.

Villa Violetta sul Monte – Die Villa wurde um 1910 erbaut und im jahr 2001 von Grund auf saniert. Sie befindet sich in der Amselberg 6, 65191 Wiesbaden.

Das gesamte Programm mit Jagdschloss und zahlreichen Kirchen können Sie sich hier herunterladen.

 

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