Wiesbadens Kulturdenkmäler laden zu Entdeckungstouren ein. Bauherren, Architekten, Handwerker und Denkmalpfleger berichten dabei über ihre Arbeit in der Denkmalpflege.

Es ist ein ganz besonderes Jahr. Nicht nur dass sich der Tag des offenen Denkmals zum 25 Mal jährt, es ist er auch im Europäisches Kulturerbejahr. Als solcher steht der Tag offenen Denkmals unter dem Schwerpunkt „Entdecken, was uns verbindet“.

Tag des offenen Denkmals, kurz gefasst

Tag des offenen Denkmals, Tag der offenen Tür
Wann:
Sonntag, 9. September 2018
Wo:
 22 aus 7.500 Orte, unter anderem Kapelle Alt-Klartenthal, Schlosspark Biebrich, Evangelische Marktkirche, Kulturstätte Montabauer, Evangelische Lutherkirche…
Kosten:
frei

Einen guten Überblick erhalten Sie im Programm mit Karte zum Tag des offenen Denkmals im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de 

Wiesbaden als ehemalige Weltkurstadt zählt heute mit zu den denkmalreichsten Städten in Deutschland. Mit weit über 7.500 geschützten historischen Bauwerken, Parks und Gärten, vor allem aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, gehört sie zu den bedeutendsten deutschen  Stadtdenkmäler. Das Bild der Landeshauptstadt wird aber auch durch technische Denkmäler geprägt – allen voran die imposante Theodor-Heuss-Brücke, die die zur Brückenkopfsicherung errichtete Reduit in Mainz-Kastel mit dem Mainzer Stadtzentrum verbindet und schon in provinzialrömischer Zeit einen Vorgänger hatte.

Katholischen Mauritiuskirche

Ein elegantes, heute ebenfalls denkmalgeschütztes Brückenbauwerk stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Es überquert die Hafenzufahrt in Schierstein. Es wurde – wie auch die Freiheitsstaue in New York – aus Zement der in Amöneburg ansässigen Firma Dyckerhoff hergestellt. Aus dem weltberühmten und sehr feinen Dyckerhoff Weißzement entstanden auch die zahlreichen bauplastischen Ausstattungsstücke des Künstlers Otto Herbert Hayek vor und in der Katholischen Mauritiuskirche in der Abgeggstraße im Wiesbadener Komponistenviertel. Die herausragende Qualität des Zements belegt der Abdruck eines kleinen Insekts in den in die Wand betonierten Konsolen für die Kreuzwegkerzen. Ein Besuch der Kirche lohnt sich nicht nur, um danach zu suchen!

Vielfalt religiösen Lebens

Auch zahlreiche andere Wiesbadener Sakralbauwerke sind am Tag des offenen Denkmals geöffnet und laden zu Entdeckungstouren durch die Architektur-, Liturgie- und Kunstgeschichte ein. Sie belegen anschaulich das Völker und Kulturen verbindende Element der Religionen und ihrer Traditionen. Evangelische und katholische Gotteshäuser, die Englische Kirche am Warmen Damm und die Russisch-Orthodoxe Kirche auf dem Neroberg stehen beispielhaft für die bunte Vielfalt religiösen Lebens. Als Kulturdenkmäler stellen gerade diese Bauten immer eine besondere Herausforderung dar.

Jagdschloss Platte

Zu den profanen Baudenkmälern, die am diesjährigen Tag des offenen Denkmals auf zahlreiche Besucher warten, gehören auch das ehemalige herzoglich-nassauische Jagdschloss auf der Platte oberhalb von Wiesbaden, das bei seiner Instandsetzung und Überdachung mit einem Glasschirm vor einigen Jahren nicht nur in Denkmalpflegerkreisen intensive Diskussionen auslöste.

Kaiser-Wilhelm-Turm

Der Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Schläferskopf wird von Mitgliedern des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgestellt. Die Stiftung hatte sich in besonderer Weise für seine Rettung engagiert. Der auf Betreiben Wiesbadener Bürger in der Formensprache eines mittelalterlichen Wartturms errichtete Aussichtsturm wird zur Besichtigung geöffnet und ermöglicht einen einzigartigen Rundblick auf Wiesbaden, ins Rheintal und über den Taunus. Für die angrenzende, derzeit noch brachliegenden Gastronomieräume sucht die Stadt derzeit neue Betreiber. Zu den Gasträumen gehört der historische Kaisersaal mit seinem sehenswerten, durchaus „pikanten“ Wandgemälde. Auch darauf können die Besucherinnen und Besucher am 9. September einen eingehenden Blick werfen.

Denkmal Scheune

Das von außen recht unscheinbare Pfortenhaus am Eingang zum Park von Schloss Biebrich hat sich zu einem echten Kleinod entwickelt, dass einen Besuch wert ist. Wo wir schon bei „unscheinbar“ sind: Qualitätvoll umgenutzte Scheunen werden nur höchst selten einem breiteren interessierten Publikum vorgestellt, vor allem, wenn sie in privater Hand sind. In der Kettenbornstraße in Wiesbaden-Schierstein gibt es am Tag des offenen Denkmals die seltene Möglichkeit, sich das Ergebnis eines solchen, unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten umgesetzten Projekts anzusehen. Eine Gelegenheit, die sich nicht nur Architekten nicht entgehen lassen sollte.

Gruft auf dem Nordfriedhof

Auch, wenn es makaber klingt: Der Tod verbindet uns zweifellos alle. Und wer es schon jetzt gerne „gruftig“ mag, kann auf dem Nordfriedhof an der Platter Straße, der mit seinen zahlreichen beeindruckenden Grabmonumenten ohnehin sehenswert ist, in eine der besonders reich ausgestalteten Familiengrabstellen hinabsteigen.

European Heritage Days

Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days, einer vom Europarat und der Europäischen Union unterstützten Aktion, die sich ebenfalls dem Kulturerbe widmet. Die bundesweite Koordination des Tages des offenen Denkmals hat 1993 die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übernommen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

Auszug aus dem Programm

Bodenstedt-Haus – Durch den Architekten Georg Fürstchen für den Dekorationsmaler Johann Peter Schlier 1881/82 errichtet. Der Dichter und Übersetzer Friedrich von Bodenstedt verbrachte hier seine letzten Lebensjahre und verstarb in diesem Haus. Zu sehen sind jedoch nur die Räume der Humanistischen Gemeinschaft, die seit Anfang des 20. Jhs. im Besitz des Gebäudes ist. Das Bodenstedt-Haus befindet sich in der , Rheinstraße 78, 65185 Wiesbaden-Mitte.

Ehemalige Scheune – Im Ursprung wurde das kleine Objekt als Scheune genutzt und ist Teil einer unter Schutz stehenden Hofreite. Mit dem Ausbau und der Transformation des Scheunengebäudes werden die Räume in Zukunft für Büro- und Gewerbezwecke zur Verfügung stehen. Ein Maximum an historischen Elementen soll in die neue Innenraumgestaltung einfließen. Die ehemalige Scheune befindet sich in der Kettenbornstraße 4a, 65201 Wiesbaden-Schierstein.

Flößerzimmer – Die Flößerei am Zusammenfluss von Rhein und Main blickt auf eine fast 500 Jahre alte Tradition zurück. Sie gehörte in der Blütezeit in Kastel und Kostheim zur Geschichte der Gemeinden und hat ihren Familien das tägliche Brot gesichert. Zur Erinnerung an diesen schweren Beruf wurde im Frühjahr 2012 auf der Rheinwiese, in unmittelbarer Nähe der Bastion, von der GHK ein Flößer-Denkmal errichtet. Das Flößerzimmer befindet sich am Rheinufer 12, Bastion von Schönborn 55252 Wiesbaden in Mainz-Kastel

Gruft auf dem Nordfriedhof – Grabmal in Form einer begehbaren Gruft, in der bis zu vier Särge offen aufgestellt werden können. Tonnengewölbe mit Jugendstilmosaiken im Inneren. Ehemals im Besitz der Familie Stinnes Wagenknecht, jetzt als Patengrab in der Pflege von Familie Cäsar-Preller. Die Gruft befindet sich in der Platter Straße 83, an der B 417, Nordfriedhof.

Das gesamte Programm mit zahlreichen Kirchen können Sie sich hier herunterladen.

 

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