Angst, Ungewissheit, Stress: Das sind die Emotionen eines Abiturienten vor seiner Prüfung. Corona macht das nicht besser. Als Klassenkamerad begleitet er die Schulabsolventen in ihre Abi-Prüfungen.

Der Mai läutet für die hessischen Abiturienten eine Pause ein. Die schriftlichen Prüfungen lassen sie im April hinter sich. Der erste Teil des Abiturs ist – trotz der verzwickten Corona-Lage – gut überstanden. Auch an der Theodor-Fliedner-Schule haben die Schüler das Schlimmste geschafft.

„Die schriftlichen Prüfungen liefen insgesamt gut. Trotz der Unsicherheit und Angst, die Corona im Vorhinein verursacht hat, wurden wir gut auf das Abi vorbereitet.“ – Olivia Schäfer, Schülerin

Es ist 7:30 Uhr. Die Wiesbadener liegen noch in den Federn, das Tor zur Theodor-Fliedner-Schule steht schon offen. Wer seine Abiturprüfung ohne Mund-Nasen-Schutz antreten will, muss sich vorher in der Schule testen lassen. Also: Stäbchen in die Nase und den Selbsttest so schnell wie möglich hinter sich bringen. Dann heißt es warten – Treffpunkt ist erst um 8:20 Uhr am Schultor.

„Nur wenige Schüler haben sich vor den Prüfungen testen lassen. Ich war meistens mit die Einzige. Einige hatten Angst, ihr Testergebnis könnte fälschlich positiv sein. Die Selbsttests sind ja nicht so genau. In dem Fall wäre man von der Prüfung ausgeschlossen worden. Da hatte keiner Lust drauf.“ – Joelle Sander, Schülerin

Um 8:30 Uhr ist der Schulhof voller Abiturienten. Es tut gut, die Klassenkameraden wieder zu sehen. Lange ist es her, in einer Gruppe von 30 Schülern versammelt gestanden zu haben. Die Anspannung ist spürbar – gleich geht es los. Zuvor gibt es eine lange Liste an Corona-Anweisungen: Maske, Abstand, Desinfizieren. Es dürfen höchstens 15 Prüflinge in einem Raum sein. Während der Prüfung selbst herrscht Maskenpflicht. Das bedeutet: Essen ist nicht. Wer eine Maskenpause fürs Mittagessen braucht, muss im Einbahnstraßensystem auf den Schulhof laufen. Dort sind Pausen-Plätze markiert. Jede Stunde muss gelüftet werden. Nach der Prüfung ist das Gelände umgehend zu verlassen.

„Die Schule hat sich wirklich Mühe gegeben, die Prüfungssituation so sicher und entspannt wie möglich zu gestalten.“ – Lawrence Schäfer, Schüler

In Gruppen aufgeteilt geht es im Entenmarsch in die Prüfungsräume. Die Plätze sind zugewiesen, negativ Getestete sitzen ohne Maske am Fenster. Mäppchen, Jacken und Rucksäcke müssen draußen bleiben. Nur Essen und Trinken dürfen mit rein. Im Raum ist es mucksmäuschenstill, als die Lehrerin die üblichen Formalia durchgeht: Gesundheitsabfrage und Belehrung über Täuschungsversuche. Es ist 8:55 Uhr. Die restlichen fünf Minuten vergehen nervös schweigend. Dann schlägt die Uhr neun. Die Prüfung beginnt.

„Zum Glück hat man im Abi drei Aufgabenvorschläge. Ich denke, da konnte jeder etwas finden, was er kann.“ – Viola Stern, Schülerin

Die Zeit verstreicht konzentriert. Ab und zu geht jemand auf die Toilette. Eine Maskenpause macht kaum jemand. Manchmal spitzt jemand einen Stift oder seufzt verzweifelt. Fenster werden geöffnet und geschlossen. Lehrer lösen sich in ihren Aufsichtsschichten ab. Hier und da schiebt sich jemand einen Traubenzucker unter der Maske in den Mund.  – Dann ist es vorbei. Nach vier bis fünf Stunden warten nur noch die Wörter darauf, gezählt zu werden. Das Hirn ist leer, das Herz leicht. Vor dem Schultor fallen sich Freunde in die Arme, Abiplakate werden begutachtet, Aufgaben diskutiert. Der erste Teil ist geschafft. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, so Joelle Sander. Die mündlichen Prüfungen stehen wir gut durch, keine Frage. Aber es bleibt offen, ob wir unseren Abschluss mit einem Abiball feiern können. Einen Abistreich gab es in diesem Jahrgang keinen. Die Mottowoche durfte stattfinden – aber nur unter strengen Regelungen. Was kommt, ist – wie so oft – von der Corona-Lage abhängig.

Foto oben ©2021 Joelle Sander

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Die offizielle Internetseite der Theodor-Fliedner-Schule finden Sie unter theodor-fliedner-schule.org.

 

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