Gerrit Frohne-Brinkmann interessiert der Widerspruch – etwa zwischen  Epochen-Überdauerung „toter Körper“ und dem Einsatz als Requisite…

Die facettenreichen Psychologien der Unterhaltungs- und Erlebniskultur beleuchtet Gerrit Frohne-Brinkmann, geboren 1990 in Friesoythe, mit vergessenen Relikten, übrig gebliebenen Artefakten und Spuren, die er mittels einfacher selbstreflexiver Gesten und zeitbasierter Aktionen reaktiviert.

Fossilien-Attrappen

Seien dies mit kleinen Feuerwerken beleuchtete Fossilien-Attrappen, gefundene künstliche Mumien aus Film- und Theatersammlungen, die sich kollektiv im Raum versammeln, oder Fingerabdrücke, die von der weißen Tastatur eines Konzertflügels auf Papier übertragen werden. Dabei überzeugte er die Jury mit seiner frischen und unprätentiösen Herangehensweise, mit der er gängige Erwartungshaltungen des Publikums unterbricht und irritiert.

Widerspruch zur Ästhetik

Häufig durchbrechen seine bei näherer Betrachtung offensichtlich handgemachten Objekte mit Unebenheiten, Nahtstellen und Verkrustungen die Ästhetik der perfekten Oberfläche. So plant Gerrit Frohne-Brinkmann, vermehrt Materialien wie Papiermaché einzusetzen, die die Spuren ihrer manuellen Bearbeitung sichtbar werden lassen.

Inhaltlich möchte der Künstler sich in seinen im Rahmen des Follow Fluxus-Stipendiums 2017 entstehenden performativskulpturalen Arbeiten auf archaische Strukturen und Kulturformen rückbesinnen und diese mit Elementen der zeitgenössischen Unterhaltungsindustrie verknüpfen. Damit setzt er den gesellschaftlichen Hunger nach Vergnügung und Magie unter anderen, stilleren, aber nicht weniger aufregenden Vorzeichen in Szene.

Follow Fluxus Stipendium

Das Stipendium wurde 2008 initiiert und setzt sich seitdem zum Ziel, internationale junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern, die in ihrem Werk die Ideen der Kunstbewegung Fluxus aufgreifen und diese weiterentwickeln. Neben einem Preisgeld in Höhe von 10.000 € beinhaltet das Stipendium einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in der hessischen Landeshauptstadt (Juni bis August 2017) sowie eine Einzelausstellung im Kunstverein (September 2017 bis Mai 2018) inklusive einer Publikation.

Zur Person Gerrit Frohne-Brinkmann

Frohne-Brinkmann lebt und arbeitet in Hamburg. Er studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und machte 2015 seinen Abschluss in der Klasse für Skulptur bei Andreas Slominski und Ceal Floyer. Seine Arbeiten waren bereits deutschlandweit zu sehen, zuletzt in der Artothek Köln und der Kestner Gesellschaft, Hannover

Die Jury

Die fünfköpfige Jury 2017 setzte sich zusammen aus Simone Neuenschwander, Direktorin des Kunstvereins Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft, Christian Jankowski, Konzeptkünstler mit einer Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und Kurator der Manifesta 11 (2016), Michael Berger, Fluxus-Sammler und Mäzen, Wiesbaden, Dr. Isolde Schmidt, Referentin für Bildende Kunst, Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden, und Elke Gruhn, Künstlerische Leitung, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden.

Gerrit Fohne-Brinkmann wurde von Bettina Steinbrügge, Direktorin des Kunstvereins in Hamburg, und Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig Köln, für das Stipendium vorgeschlagen. Die Jury entschied aus 57 Nominierungen.

Bisherige Follows Fluxus Stipendiaten

Die bisherigen Follow Fluxus-Stipendiaten waren Emily Wardill (Großbritannien), Jimmy Robert (Guadeloupe), Aslı Sungu (Türkei), Kateřina Šedá (Tschechische Republik), Stefan Burger (Schweiz), Annette Krauss (Niederlande), Taro Izumi (Japan), Mehreen Murtaza (Pakistan) und Adriana Lara (Mexiko).

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