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City Bahn Wiesdbaden

City-Bahn: Wiesbadener sind sich uneinig

Die City-Bahn: Heilmittel gegen Stau oder Albtraum aller Autofahrer? – Kaum ein Thema ist umstrittener. Sowohl in der Politik als auch unter den Wiesbadenern werden heftige Debatten über ihren Bau geführt. Wie die Wiesbadener zu diesem Projekt stehen, haben wir für Sie herausgefunden – ein Stimmungsbild.

Joelle Sander 4 Jahren vor 7

Leipzig, München, Köln – jede große Stadt hat eine Straßenbahn; fast jede. Bei Wiesbaden hapert es noch – und bei der Entscheidung seiner Bürger auch. 

Die City-Bahn ist ein heiß umstrittenes Thema. Sie soll das moderne Verkehrsmittel für alle werden. Das Projekt verspricht weniger Stau, Vernetzung und Umweltfreundlichkeit. Nicht alle Wiesbadener halten etwas von diesem Versprechen – wenn über den Bau der Straßenbahn diskutiert wird, verhärten sich die Fronten. Die einen sind dafür, die anderen strikt dagegen. Am 1. November ist Bürgerentscheid – wie er ausgehen könnte, haben wir versucht für Sie herauszufinden – ein Stimmungsbild.

„Die City-Bahn ist wichtig, löst allein jedoch längst nicht die Verkehrsprobleme in Wiesbaden. Dazu braucht es auch emissionsfreie Busse, eine optimierte Bustaktung, einen deutlichen Ausbau der Radwege oder ein günstiges Jahresticket.“ –  Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Ob im Urlaub in Berlin oder bei unseren Nachbarn in Mainz – jeder Befragte ist schon mit der Straßenbahn gefahren. Die meisten haben dabei durchweg positive Erfahrungen gemacht: die Fahrt ist ruhiger, die Bahn schneller und pünktlich. Trotzdem ist die Hälfte der Befragten gegen den Bau einer Wiesbadener City-Bahn. Die Stadt ist dafür nicht ausgelegt. Eine S-Bahn braucht Platz, den wir auf den Straßen nicht haben, findet Antje Günzen. Die Autospuren werden durch die neuen Radwege (wir berichteten) kleiner – um das Doppelte, wenn die Bahn daneben fährt. Aus der Sicht eines Autofahrers ist das der blanke Horror. Für die City-Bahn wäre das eine Chance. Eine Straßenbahn wird Autofahrer zum umsteigen bewegen, ist sich Alexander von Bernstorff sicher. Familienvater Andrey Plotnikov bestätigt seine These: Ich fahre immer mit dem Auto. Die Busse sind zu voll, oft passt der Kinderwagen nicht rein. In der City-Bahn wäre mehr Platz – wenn es sie gibt, würde ich sie auf jeden Fall nutzen, folgert er. Das ist Ziel der Bahn: Den Autoverkehr reduzieren, Straßen und Klima entlasten.

„Ich bin gegen die City-Bahn. Sie mag umweltfreundlich sein, aber Fahrrad fahren ist das noch mehr. Ich wäre dafür, stattdessen die Fahrradwege auszubauen.“ – Helga Schwarz

Eine Straßenbahn gab es in Wiesbaden bereits: Von 1875 bis 1955 brachte sie die Menschen von A nach B. Die gebürtige Wiesbadenerin Elke McKay erinnert sich daran. Der Straßenbahnverkehr lief damals einwandfrei – irgendwann haben Busse die Bahn aber überflüssig gemacht, erzählt sie. Deswegen ist sie gegen die City-Bahn: Es gibt gute Busanbindungen, genügend Busse fahren – davon immer mehr emissionsfrei (wir berichteten). Das Problem dabei: Wiesbaden wächst. Die Nachfrage an ÖPNV steigt, die Anzahl fahrender Busse ist am Limit, es kommt immer häufiger zu Verkehrsinfarkten. Auf diese Alternative setzen jedoch viele der Befragten: das Busverkehrsnetz ausbauen.

„Ich bin für die City-Bahn. Sie macht unsere Stadt schneller und sauberer, ist geräumiger und bequemer als Busse und verbindet uns dazu noch mit Mainz.“ – Andrey Plotnikov

Die meisten kritischen Stimmen gab es zu den Kosten des Projekts: 305 Millionen Euro soll der Streckenbau für die City-Bahn kosten. Das ist viel zu viel Geld, das zum Fenster rausgeschmissen wird, findet Ralf Hinzmann. Das soll die Stadt besser in andere Projekte investieren, wie den weiteren Ausbau der Fahrradwege oder mehr Grünflächen in der Stadt, fügt er hinzu. Die Fördergelder für die Bahn sind jedoch für den ÖPNV zweckgebunden – in andere Bereiche darf das Geld nicht fließen. Die City-Bahn wäre eine sinnvolle Investition, vor allem für Pendler, findet dagegen Margot Brey aus Taunusstein. Sie fährt jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit und würde auf die Straßenbahn umsteigen. Die bessere Vernetzung der Städte durch die Bahn ist ein Pluspunkt, den viele der Befürworter an erster Stelle nannten. Alles in allem wird klar: Die Wiesbadener sind sich uneinig. Welche Mehrheit überwiegt, zeigt sich wohl erst im Herbst nach dem Bürgerentscheid.

City-Bahn Meinungsumfrage

Uns interessiert, wie Sie dazu stehen.

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„Soll der Verkehr in Wiesbaden, zur Vermeidung von Staus und weiteren Verkehrsbeschränkungen für den Autoverkehr, durch eine leistungsfähige Straßenbahn (Citybahn) von Mainz kommend über die Wiesbadener Innenstadt bis Bad Schwalbach weiterentwickelt werden, um Verkehrszuwächse aufzufangen und Umweltbelastungen (Luftverschmutzung, Lärmbelastung) zu verringern?“
1365 votes

Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Mitte lesen Sie hier.

Die offizielle Internetseite der CityBahn Wiesbaden finden Sie unter www.citybahn-verbindet.de.

7 Kommentare

7 Kommentare

  1. Ursula Baasner sagt:

    Wie stellen sich die Befürworter der City-Bahn eigentlich vor, WO und vor allem WIE Fußgänger mit und ohne Kinderwagen, die Bahn-Trasse überqueren sollen? Über unerschwingliche Treppen für gehbehinderte Menschen, mit teuren Aufzügen, die allenaselang gewartet und repariert werden müssen, minutenlange Warterei an nur wenigen Punkten, deren Strecken dorthin auch für Senioren sehr lang werden können…. usw.
    Das Modell-Foto dieserr Bahn in herrlich grüner Wiesen-Umgebung der Schienen sieht fein aus, aber wer soll die Strecke ständig von Unrat und sonstig anliegendem Müll säubern?
    Die Stadt ist doch ohnhin schon sehr vermüllt, bei mir um die Ecke der Biebricher Schloßpark, und das ist eine einzige Schande.
    Unsere Buslinien sind sehr gut getacktet und ich als Auto- und Motorradfahrerin benutze GRUNDSÄTZLICH die öffentlichen Verkehrsmittel oder bewältige die kürzeren Strecken fußläufig… als Rentnerin!
    Mein Mopped-Schrauber wohnt in Breckenheim und „oh Wunder….“ ich komme problemlos von seiner Werkstatt mit den „Öffentlichen“ heim bzw. auch wieder nach Breckenheim, um mein Motorrad abzuholen und alles mit unseren bewährten „Öffentlichen“.
    Bei mir liegt auch der Verdacht nahe, dass eher Profilier-Neurosen oder sonstige fragwürdige Argumente der Vater einer City-Bahn sind.
    Abgesehen einmal davon, kann ich nicht einsehen, dass man für Leute, die zu träge bzw. zu bequem sind, mal ihr Auto stehen zu lassen, alle umweltbewußten Bürger dieser fragwürdigen Bequemlichkeit Rechnung tragen sollen.
    DAS wird ein Fass ohne Boden für unnütz versenkte Steuergelder, dazu kommen noch die allseits „beliebten und bewährten“ Fehlplanungen, gern auch plötzlich unerwartete Kostensteigerungen, für die am Ende keiner verantwortlich sein will und auch keiner dafür herangezogen wird…. usw.
    Das sind keine unbegründeten Spekulationen oder tragisch-unverschuldete Einzelfälle, sondern scheinbar gängige Praxis bei solchen Großprojekten, nicht nur in Wiesbaden.
    Beispiele dafür muß ich ja nicht noch aufzählen, denn die müßten allen verantwortungsbewußten Bürgern allmählich zum Halse heraushängen.
    Mein absolutes „NEIN“ zur City-Bahn….

  2. Manfred Wobig sagt:

    Dr.M.Wobig Wiesbaden
    Eine Stadt wie Wiesbaden mit Köln oder München zu vergleichen ist sehr unrealistisch. Hier gab es noch nie eine Straßenbahn und nichts ist unflexibler, als eine Schiene. Die Straßen sind schon eng, weil Wiesbaden relativ wenig vom Krieg zerstört wurde. Nun soll ein System eingepflanzt werden, das unflexibel und überholt ist, von den Kosten, als Neustart ganz zu schweigen. Diese werden mit Sicherheit das drei bis vierfache, der vorerst geschätzten Summe betragen. Die Straßen werden durch eine Schienenstrecke nicht breiter sondern enger. Wir können Elektrobusse einsetzen und diese sind jederzeit einer neuen Technologie anpassbar. Auch die Anbindung an umliegende Städte und Gemeinden hängt nicht von starren Schienen ab. Allein die Diskussion über unterschiedliche Schienenbreiten zeigt den Blödsinn wohl auf. Ich bin entschieden gegen die Citybahn. Sie ist eine verstaubte unflexible Verkehrsidee für Städte, die sie nicht als altes, gewachsenes System schon haben. Man hat den Verdacht, dass sich da der eine oder andere mit gesund stoßen will.

    1. Lieber Herr Dr. Wobing, lieben Dank für Ihre Meinung. Richtigstellen muss ich aber, dass es in München und Köln eine Straßenbahn gibt. Ich habe in beiden Städten gelebt und kann mich ganz gut an die Straßenbahn am Rudolphplatz oder entlang der Aachener Straße erinnern. In München ist der Hauptbahnhof ein Verkehrsknoten. Auch in Wiesbaden gab es ganz früher eine Straßenbahn.

      Es stimmt, dass Wiesbaden im Krieg wenig zerstört wurde und das die Straßen eng sind. Das ist aber kein Argument, denn auch in Düsseldorf oder Köln gibt es heute noch enge Straßen, wo Straßenbahnen fahren.

      Anbindung an die umliegenden Städte: In Anbetracht der immer weiter steigenden Mietpreise und der Tatsache, dass es vielen immer schwieriger fällt, sich in der Stadt eine Wohnung zu leisten, kommt dem doch eine große Bedeutung zu. Verstärkt wird dies durch die Tatsache, dass es die Menschen immer näher in Richtung Stadt zieht. Wie bitte möchten sie die wachsende Zahl der Verkehrsteilnehmer von A nach B transportieren? Mit proppemvollen Bussen im 3-Minuten-Takt?

  3. Leider ist die Redakteurin nicht auf Stand der Dinge. Laut Zitat eines GF der MVG werden die Kosten mit „ca. einer halben Milliarde“ (Zitat) beziffert. Die benannten Kosten von ca. 300 Mio sind nur die reinen Baukosten, ohne Anschaffung der Waggons/Bahnen etc. Zudem basieren die Zahlen auf einer völlig veralteten Streckenführung (Mainzer Straße) und nicht der finalen via Biebrich etc. Auch sind zahlreiche Versprechungen nicht enthalten (Rasengleise, Oberleitungsfreie Abschnitte, u.ä.). Völlig unberücksichtigt die Folgekosten (Verluste) ab dem Tag der Inbetriebnahme, also ca. € 8 – 15 Mio. pro Jahr; bei einer angenommenen Haltedauer von zB 30 Jahren also weitere ca. € 300 Mio. Dieser Artikel ist also als reine PR / Kommunikationsleistung der Citybahn / ESWE Verkehrsgesellschaft, um das Projekt zu beschönigen, anstatt mal langsam die vollen Zahlen und Auswirkungen auf den Tisch zu legen. Alle hessichen Städte MIT Dieselfahrverboten oder den schlechtesten Luftwerten, sind Städte MIT Straßenbahnen. Da in Wiesbaden ohnehin ALLE Busse auf Elektro und Wasserstoff umgestellt werden, trägt eine Citybahn keinen nennenswerten Mehrwert zu den lokalen Luftemissionen bei. Im Gegenteil: jahrelange Großbaustellen, Staus, Such und Umgehungsverkehr, hohe Belastungen aus der Ökobilanz. Somit am 01.11. (Bürgerentscheid) #CitybahnNeinDanke, der Umwelt, dem Stadtbild und den Finanzen zu Liebe !!

    1. Hallo BI Mitbestimmung Citybahn! Bezüglich der Kosten liegen Sie richtig: Laut offiziellen Angaben der CityBahn GmbH liegt NUR der aktuelle Streckenbau bei 305 Millionen Euro (siehe hier ) – diese Strecke läuft dann aber auch über Biebrich & Co. Danke für den wichtigen Hinweis, da habe ich mich in der Formulierung vergriffen. Was die Folgekosten angeht, wäre ich mit den Zahlen vorsichtig. Selbstverständlich werden Kosten für Wartungen, Instandhaltung etc. anfallen, jedoch gibt es solche auch bei Bussen – in keiner derartigen Höhe. Die CityBahn GmbH rechnet weiterhin mit Gewinnen statt Verlusten. Auf deren Website heißt es: „(…) der gesamtwirtschaftliche Nutzen der CityBahn übersteigt die Kosten des Projekts deutlich – das belegt eine unabhängige Nutzen-Kosten-Untersuchung“ (Quelle: citybahn-verbindet.de). Um auf Ihre Anmerkung zur Luftqualität einzugehen: Die meisten hessischen Städte haben mittlerweile Straßenbahnen – und beispielsweise in Darmstadt ist die Luftqualität deutlich besser geworden (siehe hier). Natürlich regelt eine S-Bahn nicht alle Klimaprobleme einer Stadt (siehe Zitat von Gert-Uwe Mende), kann aber durchaus dazu beitragen – die CityBahn könnte laut eigenen Angaben z.B. über vier Millionen Kilogramm CO2 einsparen (siehe hier). Damit hätte die Bahn durchaus einen nennenswerten Mehrwert zu verzeichnen, der zu den lokalen Luftemissionen beiträgt. Es ist richtig, dass Wiesbaden plant, die Busse nach und nach auf Elektro und Wasserstoff umzustellen (wir berichteten), jedoch sind damit nicht alle Probleme gelöst. Wie bereits im Artikel erwähnt, wächst Wiesbaden und die Nachfrage an ÖPNV steigt – die Anzahl fahrender Busse ist aber am Limit. Die Taktung der Busse würde bei weiterem Ausbau zu eng und bereits jetzt behindern sich Busse gegenseitig vor und an Haltestellen (siehe Hauptbahnhof). Es braucht also eine attraktive Alternative. Ob das die CityBahn sein soll, dass entscheiden Sie! 🙂 // Es ist darauf hinzuweisen, dass dieser Artikel keine „PR/Kommunikationsleistung der CityBahn“ ist, sondern auf den offiziellen Angaben der CityBahn GmbH basiert.

  4. Dr. med. Michael Peglau sagt:

    Der Umstieg vom Auto in die Bahn ist in einem autofixierten Land nicht ganz einfach…zugegeben. Berlin, wo ich wohne, ist als Stadt an mancher Stelle noch immer geteilt, in einen straßenbahnfreien Westen (hier zu Zeiten der Mauer 1967 komplett eingestellt) und in einen Osten mit dichtem Straßenbahn-Streckennetz von fast 200 km Länge. Wann immer kleine Stummelstrecken in den letzten Jahren eröffnet wurden (8 km im Westen Berlin) sind alle Prognosen zu den Fahrgastzahlen um ein vielfaches übertroffen worden. Die Straßenbahn erlebt weltweit eine Wiedergeburt (allen voran in Frankreich) und wäre auch für Wiesbaden ein echter Zugewinn. Sehen Sie doch mal nach Ulm oder Mainz (vor der Haustür). Warum sollte Wiesbaden diese Chance einer Verkehrswende nicht für sich nutzen. Ich kann Sie nur ermuntern für das Projekt zu stimmen. Übrigens ein kleinen Fehler ist der Autorin denn doch unterlaufen. Hamburg hat keine Straßenbahn mehr — seit 1978 – und und jeder Versuch, die Bahn wieder einzuführen, ist bisher gescheitert. Aber München baut seit sein Tram-Netz aus, Berlin plant 80 km neue Strecke und Karlsruhe, Chemnitz haben ein Stadt-Umland-Netz, wie es für Wiesbaden nur zu empfehlen wäre.
    Also liebe Wiesbadener, nur Mut… zur Citybahn.

    1. Hallo Herr Peglau, danke für diese zusätzlichen Informationen… und die Korrektur! 😉

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Geschrieben von

Praktikantin unserer Redaktion. Gerade macht sie ihr Abitur an der Theodor-Fliedner-Schule in Bierstadt. Kunst, Kultur und Menschen findet sie besonders interessant. Schreiben ist ihre Leidenschaft, Journalistin ihr Traumberuf.