In Deutschland gibt es etwa 50 Mückenarten und nur die Weibchen stechen. Wer einen Mückenstich hat, sollte Kratzen unbedingt vermeiden. Offene Wunden sind anfällig für Infektionen.

Die zahlreichen Niederschläge in diesem Jahr bescheren uns einen Mückensommer sondergleichen. Die Blutsauger bringen so manchen um den Schlaf, und im Spätsommer und Herbst werden auch die Wespen aktiver und aggressiver, wenn deren Königinnen ihre Nester verlassen. Dr. Hanan Adib-Tezer, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken, verrät, warum manche Menschen häufiger von Mücken gebissen (Mückenstich) werden und was gegen Insektenstiche wirkt. Dabei kann ein Wespenstich für Allergiker sogar lebensbedrohlich sein.

Wie Sie sich vor Mückenstichen schützen

Bei der Kleiderwahl sollte auf helle, nicht zu enganliegende Kleidung geachtet werden, die die stichgefährdeten Körperteile verdeckt. Am besten schützt man sich durch Verwendung sogenannter Repellentien. Das sind chemische Insektenabwehrmittel, die man als Spray, Creme oder Lotion auf die Haut auftragen kann. Es gibt auch Schutzsprays für die Kleidung sowie Cremes, die sowohl Sonnen- als auch einen Schutz gegen Mückenstiche bieten.

 Woran liegt es, dass manche Menschen mehr von Mücken gestochen werden, andere weniger?

Schwangere und Menschen mit höherer Körpertemperatur scheinen stärker geplagt zu sein. Es gibt auch Hinweise darauf, dass je mehr Kohlendioxid von Personen ausgeatmet wird, umso höher die Wahrscheinlichkeit ist, von Mücken gestochen zu werden. Auch erhöhte Milchsäureproduktion (z.B. im Schweiß) scheint mit vermehrten Stichen einherzugehen. Es ist auch zu vermuten, dass allgemein Körpergerüche eine Rolle spielen, wobei hier nicht die Geruchsqualität sondern die Zusammensetzung der Gerüche von Bedeutung sein kann. Alle diese Zusammenhänge werden derzeit noch erforscht.

 Wieso jucken Mückenstiche eigentlich so penetrant?

In Deutschland gibt es ca. 50 Mückenarten, von denen nur die Weibchen stechen. Beim Stich bohren sie ihren „Rüssel“ in die Haut und geben ihren Speichel ab, bevor sie Blut saugen. Der Speichel enthält Proteine, die die Einstichstelle betäuben. Unser Organismus erkennt diese als Fremd-Proteine bzw. Gefahrensignal und beginnt sofort mit einer Immunreaktion, bei der Immunzellen an der Einstichstelle Botenstoffe, u. a. Histamin, freisetzen. Es kommt zu einer Erweiterung der Gefäße mit Flüssigkeitsaustritt in das Gewebe. Die Folgen sind die sichtbare Rötung, Schwellung und der Juckreiz.

Was kann ich gegen das Jucken und den Stich tun?

Es gibt rezeptfrei erhältliche Antihistaminika-Gele oder leichte Kortison-Cremes (z. B. Hydrokortison) bzw. Präparate mit einer Kombination aus beiden Wirkstoffen, die sofort nach dem Stich aufgetragen werden sollten und häufig Linderung verschaffen. Auch lokales Kühlen kann sehr hilfreich sein. Bei sehr ausgeprägten Stichreaktionen, kann die Anwendung von stärker wirksamen Kortison-Cremes erforderlich sein, die jedoch rezeptpflichtig sind und einen Arztbesuch erfordern. Bei stärkeren Stichreaktionen können auch Antihistaminika-Tabletten zusätzlich eingenommen werden. 

Ist Kratzen so falsch?

Man sollte Kratzen unbedingt vermeiden, da auch kleinste Verletzungen der Haut zu einer bakteriellen Infektion, gegebenenfalls mit Fieber und einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen können. Es kann sich dabei um die Entstehung von Abszessen handeln, die möglicherweise operativ versorgt werden müssen, oder es entsteht ein Erysipel („Wundrose“), die eine Antibiotika-Therapie erfordert, unter Umständen sogar stationär.

Was ist von den Sticks zu halten, die den Stich mit Hitze bekämpfen und wie frisch muss der Stich sein, dass das noch wirkt?

Derzeit erleben diese „Wärme-Sticks“ einen absoluten Hype. Wenn sie unmittelbar nach dem Stich ordnungsgemäß verwendet werden (die meisten haben eine eingestellte Temperatur von 51 Grad) können sie hilfreich sein, weil sie durch Hitze die Mückenspeichelproteine deaktivieren. Als Dermatologen empfehlen wir diese Produkte nicht als Mittel der ersten Wahl, da bei unsachgemäßer Anwendung Hitzeschäden der Haut entstehen können und diese Prozedur nicht schmerzfrei ist.

Neue Mückenarten verbreiten sich in unseren Gefilden. Gibt es da gefährliche Mückenstiche?

Vor allem im Südwesten Deutschlands, der Pfalz sowie in Teilen Thüringens und Frankens finden sich vermehrt Tigermücken, die in den süd- und ostasiatischen Tropen und Subtropfen beheimatet sind. Sie können Überträger von bis zu 20 Krankheitserregern, u. a. dem Dengue-Virus, dem Chikungunya-Virus, dem Zika-Virus und dem West-Nil-Virus sein. Glücklicherweise gab es in Deutschland bisher keine derartige Infektion. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Ausbreitung. Jedoch scheint bei der Ausbreitung der Tigermücke nicht der Klimawandel die größte Rolle zu spielen, sondern die Reisefreudigkeit der Menschen, die diese ungebetenen Gäste gar nicht so selten aus dem Urlaub im Gepäck mitbringen. 

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Man sollte immer bei Fieber, Schüttelfrost und Verschlechterung des Allgemeinbefindens einen Arzt aufsuchen. Auch eine anhaltende oder sich ausdehnende ausgeprägte, gelenküberschreitende Schwellung, insbesondere mit Rötung, Druckschmerz und Überwärmung sollte einen Arztbesuch zur Folge haben. 

Jetzt startet auch die Zeit, in der die Wespen und Bienen aktiv werden. Kann man sich mit Sprays oder Cremes gegen die Stiche schützen?

Leider bieten die Repellentien keinen Schutz gegen Bienen- und Wespenstiche. Man sollte stattdessen unter anderem darauf achten, keine Speisen und Getränke im Freien zu verzehren oder parfümierte Kosmetika zu verwenden. Helle Farben sind dunklen Farben bei der Bekleidung vorzuziehen. Wenn sich Bienen oder Wespen nähren, sollte man hastige oder schlagende Bewegungen vermeiden und sich langsam zurückziehen.

Wie behandele ich Wespen- und Bienen-Stiche?

Bei der Behandlung gelten die gleichen Empfehlungen wie bei den Mückenstichreaktionen. Dies gilt auch für die „Wärmesticks“. Bei Wespen- und Bienengiftallergikern ist das Mitführen eines Notfallsets und die sachgerechte Einnahme bzw. Verwendung des Adrenalin-Pens unerlässlich.

Hier sind die Haut-Reaktionen oftmals deutlich stärker als bei Mückenstichen. Ab wann sollte ich zum Arzt gehen, was sind Anzeichen dafür, dass ich eine lebensgefährliche Allergie habe?

Es gelten die gleichen Empfehlungen wie bei Mückenstichreaktionen: Man sollte immer bei Fieber, Schüttelfrost und Verschlechterung des Allgemeinbefindens einen Arzt aufsuchen. Auch bei einer anhaltenden oder sich ausdehnenden ausgeprägten, gelenküberschreitenden Schwellung, insbesondere mit Rötung, Druckschmerz und Überwärmung sollte man zum Arzt gehen.

Wenn eine Bienen- und/oder Wespengiftallergie vorliegt, kann die allergische Reaktion lebensbedrohlich sein. Erste Anzeichen einer allergischen Reaktion können sehr ausgeprägte Lokalreaktionen sein: Durchmesser größer als 10 Zentimeter, ggf. gelenküberschreitend, Bestehen der Lokalreaktion länger als 24 Stunden. Auch bei Auftreten von Hautreaktionen, die nicht nur auf den Stichort begrenzt sind wie z. B. Juckreiz an Händen u. Füßen, den Ohren, Auftreten von Quaddeln am Körper, Juckreiz am Körper, Augen-, Lid- oder Gesichtsschwellung sind wichtige Zeichen einer allergischen Reaktion und erfordern eine schnelle ärztliche Behandlung. Nach Rückgang der Symptome ist eine Vorstellung bei einem Allergologen zur Diagnostik und Therapie sehr zu empfehlen. Auch ist die Verordnung eines Notfallsets (Kortison und Antihistaminikum zum Einnehmen, Adrenalin-Pen zur Selbstinjektion) und die Schulung der Patientin notwendig.

Was kann ich dauerhaft gegen eine Wespen- und Bienenstich-Allergie tun. Wo kann ich mich behandeln lassen?

Es gibt eine sehr erfolgreiche kausale Therapie zur Behandlung der Bienen- und Wespengiftallergie: die Hyposensibilisierung, die Bienen- und Wespengift-Immuntherapie. Diese schützt die Betroffenen vor schweren Stichreaktionen. Die Einleitung der Hyposensibilisierung erfolgt stationär in entsprechend geschulten Allergiezentren, zu denen das Wiesbadener Allergiezentrum der Helios HSK gehört. Die Dauer des stationären Aufenthaltes hängt von der Schwere der Allergie und dem Vorliegen von Vorerkrankungen ab (z. B. Asthma bronchiale, Herz-Kreislauf-Erkrankungen). In der Regel verbleiben die Patienten drei Tage stationär und sollten dann bereits gegen schwere Stichreaktionen geschützt sein. Die Behandlung wird ambulant für mindestens drei bis fünf Jahre fortgesetzt.

Und wie stellt man fest, ob die Immuntherapie erfolgreich war?

Zur Überprüfung des Therapieerfolges führen wir im Wiesbadener Allergiezentrum ca. sechs Monate nach Beginn der Hyposensibilisierungsbehandlung eine Stichprovokation mit dem allergieauslösenden Insekt durch. Auch dies erfolgt unter stationären Überwachungsbedingungen und dient dazu, die Wirksamkeit der verwendeten Dosis des Präparates, zu beurteilen. Sollte bei der Stichprovokation mehr als eine Lokalreaktion auftreten, muss die Dosis erhöht werden. Das kommt glücklicherweise nur selten vor.

Bild oben ©2021 Pixabay

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