Die Schuleingangsuntersuchung ist in Hessen eine Pflichtaufgabe des Gesundheitsamtes. Amtshilfe ist eigentlich nicht erwünscht. Es sei denn …

Seit Januar setzt sich der Stadtelternbeirat der Schulen gemeinsam mit dem Schulelternbeirat der Kitas dafür ein, dass die Schuleingangsuntersuchung in diesem Jahr wieder stattfindet. Im letzten Jahr ist diese Reihenuntersuchung für alle Vorschulkinder pandemiebedingt ausgefallen. Das dafür zuständige Gesundheitsamt hatte keine Kapazitäten.

Schuleingangsuntersuchungen

Die Schuleingangsuntersuchungen waren schon immer Voraussetzung für den Schulbesuch und vor allem verpflichtend für alle zukünftigen Erstklässler. Die Untersuchungen dienen dazu, Förderbedarfe der Kinder frühzeitig vor Schulbeginn festzustellen, Fördermaßnahmen mit den Erziehungsberechtigten zu besprechen und einzuleiten und ggfs. auch den Schuleintritt zu verschieben, immer mit dem Ziel, den Kindern einen reibungslosen Einstieg in das Schulleben zu ermöglichen.

Medizinische Gefahrenabwehr

Es fällt schwer zu verstehen, warum diese wichtigen Untersuchungen nun wiederholt ausgesetzt werden, und warum man es in über einem Jahr nicht geschafft hat, eine alternative Lösung zu finden. Grundlage dieses unhaltbaren Zustandes ist der hessische Erlass vom 18. Dezember 2020, der besagt, dass die medizinische Gefahrenabwehr bis mindestens Ende Juni 2021 priorisiert bearbeitet werden müsse und dass andere Themenfelder, wie auch die Schuleingangsuntersuchungen vom Gesundheitsamt nur nachrangig zu behandeln seien.

Keine Zeit, 2600 Kinder zu untersuchen

Der Stadtelternbeirat fragt, ob es nicht möglich ist, zumindest temporär die Kinder- und Jugendärzte hier einzusetzen. Die Initiative scheint an bürokratischen Hürden zu scheitern: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. wäre bereit, die Untersuchungen durchzuführen, darf es aber nicht, denn das Ministerium für Soziales und Integration beauftragt für Schuleingangsuntersuchungen ausschließlich das Gesundheitsamt. Auch die Leiterin des Gesundheitsamtes Wiesbaden beruft sich auf den Landeserlass und argumentiert, dass bis Ende April immerhin 136 Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2021/2022 durchgeführt wurden., Zwar schätze man die Bereitschaft der niedergelassenen Kinderärzte hier zu unterstützen, aber es bedürfe hierfür umfangreicher Abstimmungsprozesse. Zum Vergleich: In Wiesbaden werden jährlich ca. 2750 Kinder eingeschult.

… hat Amtshilfe angefragt

Am 10. Juni 2021, nur noch 11 Wochen vor dem ersten Schultag, teilte das Gesundheitsamt dem Stadtelternbeirat auf erneute Anfrage mit, dass der Kinder- und Jugendärztliche Dienst des Amtes ein Untersuchungsangebot für den diesjährigen Einschulungsjahrgang im Förderschulbereich eingerichtet und Unterstützung bei den niedergelassene Kinderärzten angefragt habe. Zusätzlich würde mit dem Staatlichen Schulamt geprüft, inwiefern an drei großen Grundschulstandorten eine Untersuchung vor Ort das Angebot vergrößern könne. Man wäre im Moment damit beschäftigt, gute Ersatzkonstrukte für die Schuleingangsuntersuchungen in der Zuständigkeit des Gesundheitsamtes zu konzeptionieren.

Zuständigkeiten unklar

Was ist aus diesen Bemühungen geworden? Nun ist es noch 1 Woche bis zu den Sommerferien und seit unserer ersten Nachfrage im Januar 2021 ist ein halbes Jahr verstrichen, ohne dass nennbare Maßnahmen ergriffen wurden! Die Stadt beruft sich auf das Land – das Land fühlt sich nicht zuständig, alternative Schritte in die Wege zu leiten. So werden mancherorts Gesundheitsämter tätig, anderen Ortes – wie in Wiesbaden – nicht. Wir als Eltern und unsere Kinder haben Glück oder Pech und sind letztlich abhängig vom Engagement der ansässigen Ämter.

„Eine verpflichtende Untersuchung für alle Kinder ist angebracht. Es geht auch um die Chancengleichheit beim Schulstart. Wie bitter ist es für ein Kind, wenn es gleich beim Schulstart das Gefühl hat, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.“ – Stadtelternbeirat

Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Förderbedarfe bei den Kindern durch die Pandemie noch verstärkt haben. Ausfallende Schuleingangsuntersuchungen wären bereits in ‚normalen‘ Zeiten problematisch. Nach vielen Monaten der Pandemie, in denen auch viele Kitas nur eine Notbetreuung angeboten haben und viele Vorschulprogramme nicht stattgefunden haben, sich u.U. psychische und körperliche Probleme verstärkt haben oder nicht bemerkt wurden, sind diese Untersuchungen umso wichtiger.

Wird es noch Eingangsuntersuchungen geben? Für den Start des Schuljahres 2021/22 bleibt nur noch sehr wenig Zeit. Die Konsequenzen werden uns vor noch größere Herausforderungen stellen!

Foto ©2021 Schuleingangsuntersuchung | Roland-Steinmann auf Pixabay

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Die offizielle Internetseite vom Stadtelternbeirat Wiesbaden finden Sie unter www.steb-wiesbaden.de.

 

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