Viel hat sich verändert. Wer im Einkaufszentrum nach Geschäften der ersten Stunden sucht, ist fehl am Platz. In den Räumen des Schuhgeschäfts „Fink“ logiert das Marleen.

Bühnenbildner, Tontechniker, Musiker, Schauspieler – kaum eine andere Branche wurde von der Pandemie härter getroffen. Vor allem die Kleinkunstbühnen taten sich schwer, Alternativen zu finden. Große freie, erschwingliche Flächen, Räume für Kunst in zentraler Lage standen nicht gleich zur Verfügung. Im Februar dann schlossen das Centermanagement und die Stadt eine Vereinbarung. Im Lilli sollten Räume für eine kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung gestellt werden. Jetzt ist alles hergerichtet. Im Juni soll das erste Mal das Licht angeschaltet werden, sollen Künstler im Marleen auf der Bühne vor Publikum auftreten. Für einige vielleicht das erste Mal seit Beginn der Pandemie.

„Wir sprechen hier von einer „Pop-up-Nutzung“: Die Marleen wird im Lilli zu keiner Dauereinrichtung.“ – Axel Imholz, Kulturdezernent

 Die Räumlichkeiten werden von der Stadt verwaltet und finanziert. Das Centermanagement erhofft sich von der kulturellen Nutzung eine Win Win-Situation für die im Obergeschoss angesiedelte Gastronomie, – weshalb das Lili-Management die Räume auch für einen symbolischen Mietzins von 1-Euro zur Verfügung stellt. Fällig werden außerdem die Betriebskosten. Auch wenn der aktuelle Mietvertrag erst einmal nur bis Dezember 2021 läuft, ist davon auszugehen, dass das Marleen bis 2022 hier ein Zuhause hat. Schließlich hat die Ryan Capital, Eigentümer des Lilli, Geld investiert, um die Räume für die vorgesehene Nutzung herzurichten. Centermanager Robert Klemm bezeichnet das Projekt Theater im Einkaufszentrum in Deutschland als einzigartig. Von etwas Vergleichbarem habe er bislang nur aus dem spanischen Saragossa gehört. Auch hier sind Flächen zweckentfremdet, temporär kultureller Nutzung zugeführt worden. Zweckentfremdend? Mitnichten, aufwertend. Die Kultur geht an Plätze, wo die Menschen sich aufhalten. 12000 bis 13000 sind es täglich im Lilli.

Premiere am 17. Juli

Los geht es Mitte Juli. Bis dahin bleibt ausreichend Zeit für den Feinschliff – was die Räumlichkeiten betrifft, als auch für die Künstler, um sich gut vorzubereiten. Den Anfang macht die Wiesbadener Schauspielschule. Studierende präsentieren William Shakespeares Kmödie: Was ihr wollt. Das Stück handelt von der unglücklichen Liebe des Herzog Orsino zur Gräfin Olivia und dem Schicksal des durch einen Schiffbruch getrennten Zwillingspaares Viola und Sebastian. Weitere Ausstellungen, Performances und Theateraufführungen, Ausstellungen und Performances folgen. Franziska Domes, Leiterin des Referates für Stadtteilkultur und der Freien Szene für Theater und Musik in Wiesbaden, gab einen ersten Ausblick, dass die „Marleen“ bis Dezember gut gebucht sei.

Rahmenbedingungen

Der Veranstaltungsraum misst 435 qm. In Zeiten ohne Pandemie ist er für 186 Gäste ausgelegt. Aufgrund der pandemischen Lage und den eizuhaltenden Abstandsregeln darf in den ersten Wochen nur vor 43 Zuschauern gespielt werden. Für das jeweilige Ensemble steht außerdem ein großer und geräumiger Proberaum zur Verfügung. Es gelten die Corona-Regeln der zweiten Lockerungsstufe.

Lilli Marleen in Wiesbaden

Lilli Marleen in Wiesbaden ©2021 Volker Watschounek

Foto oben ©2021 Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite vom Marleen finden Sie unterwww.wiesbaden.de/marleen.

 

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