Homeschooling: Die Mehrheit der Jugendlichen bewertet das eigene Lernen unter Corona-Bedingungen anders und zum Teil auch besser.

„Mir gefällt es, dass wir nicht so früh aufstehen und die Hausaufgaben machen können, wann wir möchten.“ – „Ich würde nur das lernen wollen, was mir später in der Zukunft wichtig werden könnte. Und ich würde Sachen lernen, die wichtig für mich sind.“ – „Ich würde vielleicht mindestens zweimal in der Woche in die Schule gehen, damit man das auch erklärt bekommt. Sonst würde ich wie jetzt jede Woche neue Aufgaben bearbeiten und Videokonferenzen mit den Schülern machen.“ Gefragt nach ihren Erfahrungen, blicken Wiesbadens Schüler durchweg positiv auf die Zeit des Homeschooling zurück.

Homeschooling

Das Amt für Soziale Arbeit hatte im Juni diesen Jahres 395 Schüler zu ihren Lernerfahrungen unter Pandemiebedingungen befragt: Wie lernen Jugendliche im Moment und wie stellen sie sich ihre Bildung in Zukunft vor? An der schriftlichen Befragung mit vielen Fragen ohne vorgegebene Antworten haben zwei Wiesbadener Integrierte Gesamtschulen mit den Jahrgangsstufen 5 bis 9 teilgenommen. Zusammengefasst ist festzustellen, dass die Schüler den veränderten Unterrichtsbedingungen durchaus positives abgewinnen können. Die Mehrheit der Jugendlichen bewertete das eigene Lernen als anders oder sogar besser

Selbstbestimmtes Lernen

Während des Lernens zuhause oder der Phase des verringerten Unterrichts in kleineren Gruppen hatten die Jugendlichen Gelegenheit, ihr Lernen vermehrt selbst zu organisieren. Ein Teil der Befragten äußerte sich hinsichtlich der neuen Gestaltungsräume positiv, andere Befragte benannten klar Schwierigkeiten in einzelnen Bereichen wie Sprachen oder Mathematik. Ein bspw. modularer Aufbau von Lernprozessen würde Teilen der Schülerschaft den benötigten Freiraum für Selbststeuerung verschaffen. Gleichzeitig würde dies Zeit und Ressourcen freisetzen, Schülern mit höheren Unterstützungsbedarfen in einzelnen Lernfeldern oder auch bei der Selbstorganisation intensiver zu begleiten.

Gemeinsames Lernen

Konkrete Befragungsergebnisse skizzieren einzelne Elemente, mit denen Lernen in Zukunft zu gestalten sein könnte. Die erste Wahl der Jugendlichen fällt auf digitale Medien als Lernmittel. Gleichzeitig wünschen sich die Schüler erwachsene Wissensvermittler und mehr noch Gleichaltrige für gemeinsames Lernen. Der Spaß beim Lernen entsteht für die Befragten, wenn die eigenen Interessen berücksichtigt und Sinnzusammenhänge sichtbar werden oder auch, wenn sich Unterrichtszeiten sowie -gestaltung den Bedürfnissen der Einzelnen anpassen.

Räume, Motivation, Selbstorganisation

Gerade hier werden Chancen des digitalgestützten Fernunterrichts sichtbar: bei Reduzierung desjenigen Teils des Unterrichts, der physisch im Schulgebäude und damit zeitgleich erfolgt, steigt automatisch der Anteil an digitalgestützten Unterrichtseinheiten, für deren Erledigung ein selbstgewähltes Zeitfenster möglich ist. Viele Befragte brauchen Zeit für sich sowie störungsfreie Räume. Motivation, Selbstorganisation und Konzentration sind die größten Herausforderungen beim selbstgesteuerten Lernen. Insbesondere das Lernen in kleinen Gruppen und die veränderten Unterrichtszeiten werden positiv bewertet. (Lernen und Corona ©@2020 Alexandra_Koch)

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Viele Informationen zu Wiesbadens Schulen finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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