Lüftungsanlagen in öffentlichen Gebäuden abschalten, kälteres Wasser in Schwimmbädern, weniger beleuchtete Fassaden. So will Wiesbaden der Gaskrise entkommen.

Hessen, München, Wiesbaden – Infolge der drohenden Gaskrise suchen Städte und Kommunen überall nach Einsparpotenzial. So hat die Verwaltung im schleswig-holsteinischen Rensburg mit dem Weihnachtsmarkt ein erstes Opfer für die Bürger ausgemacht. Laut Medieninformationen werde man während der Adventszeit auf die Eisbahn auf dem Weihnachtsmarkt verzichten. Soweit ist man in der Landeshauptstadt noch nicht. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende hat am Montagmittag die ersten Energiesparpläne der Stadt vorgestellt.  Ziel ist es, mittelfristig bis zu zwanzig Prozent Energie einzusparen.

„Wir als Stadt arbeiten schon lange daran, Gas und Energie einzusparen. Wir erneuern zum Beispiel seit 2008 unsere Straßen- und Gebäudebeleuchtung mit energieeffizienten Leuchten.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Nach zwei Jahren Pandemie wolle Wiesbaden weder Sporthallen, Schulen noch kulturelle Einrichtungen schließen. Damit das gelinge, müsse die Stadt als Gesellschaft erneut zusammenrücken, denn ohne Komfortverzicht werde das nicht gelingen, so Mende weiter. Der Oberbürgermeister appelliert an die Bevölkerung,  – an  Unternehmen, Vereine sowie Verbände, zu überprüfen, ob und wo Energie einzusparen sei. Tipps dafür gibt es bei der Energieberatung, der Verbraucherzentrale, beim Umweltamt, im Umweltladen, bei ESWE Versorgung und bei vielen weiteren Stellen.

„Im Hochbauamt kümmert sich ein eigenes Sachgebiet um das Energiemanagement. Die aktuelle Situation erfordert jedoch von uns allen, dass wir unsere Anstrengungen intensivieren.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Der Gas- und Energiesparplan der Landeshauptstadt wurde ämterübergreifende in einer Arbeitsgruppe unter Federführung des Hochbauamtes erstellt. Er enthält mehr als zwanzig Maßnahmen. Sie sind sehr unterschiedlich und lassen sich kurz-, mittel- oder langfristig umsetzen. Für die meisten Maßnahmen gibt es zwei Umsetzungsstufen. In Hallenbädern senkt mattiaqua zum Beispiel in Stufe 1 die Wassertemperatur. In Stufe 2 könnten Bäder komplett geschlossen werden. Bisher wurden keine harten Kriterien dafür definiert, zu welchem Zeitpunkt in Wiesbaden Schwimmbäder geschlossen werden.

„Wir betrachten Einsparpotenziale für sämtliche Energieformen. Dabei denken wir nicht nur an Kosten, sondern versuchen auch, einer Verknappung der Energieversorgung vorzubeugen.“ – Andreas Rettig

Bei allen Maßnahmen handelt Wiesbaden nach dem Leitgedanken, dass jede eingesparte Kilowattstunde Energie einen wertvollen Beitrag leiste, egal, ob Gas oder Strom eingespart werde, führte Andreas Rettig, Leiter der Arbeitsgruppe und des Hochbauamtes. Rettig aus. Er wies darauf hin, dass auch Wassersparen den Energieverbrauch senkt – in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Privathaushalten.

„Wasser aufzuwärmen, zum Beispiel für Schwimmbäder oder eine warme Dusche, verbraucht viel Energie.“ – Andreas Rettig

Bei allen Maßnahmen werden Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt. Das gilt für Gebäude, Räume und einzelne Bereiche. So gibt es zum Beispiel für Schwimmbecken andere Temperaturvorgaben als für Kinderbecken. Auch die Bedürfnisse von Kindern, Senioren sowie kranken oder eingeschränkten Menschen werden berücksichtigt. Die Maßnahmen orientieren sich an angekündigten Vorgaben des Bundes. Falls notwendig, werden sie kurzfristig an neue gesetzliche Vorgaben angepasst. Die Stadt wird die Effektivität der Maßnahmen fortlaufend prüfen und gegebenenfalls nachsteuern.

„Ganz gleich ob wir während der Energiekrise zur Home-office-Regelung zurückkehren, werden wir im Winter insbesondere in den sozialen Bereichen sowie bei den direkten Bürgerdienstleistungen weiterhin vor Ort präsent sein.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Raumtemperaturen. Temperaturen in städtischen Gebäuden wie Schulen, kulturellen Einrichtungen und Sporthallen werden ab Beginn der Heizperiode gesenkt. Auf wieviel Grad, gibt der Bund wahrscheinlich vor. Für Arbeitsräume in öffentlichen Gebäuden sind 19 Grad Celsius für körperlich leichte und überwiegend sitzende Tätigkeiten angedacht. Das senkt den Energieverbrauch und soll sicherstellen, dass Gebäude bei Energieknappheit nicht geschlossen werden müssen. In Stufe 2 könnte sich das für bestimmte Einrichtungen nicht mehr vermeiden lassen. Denkbar wäre in Stufe 2 auch, lediglich Gebäudeteile zu schließen, vor allem, wenn sie besonders energieintensiv sind. In der Verwaltung werden weitere organisatorische Möglichkeiten ergriffen. So wird in Abstimmung mit den Personalvertretungen geprüft, inwieweit die Home-Office-Regelung über den Winter wieder flexibler genutzt werden kann. Selbstverständlich werden Ämter und Behörden weiterhin vor Ort präsent sein und ihren Versorgungsauftrag erfüllen.

Straßenbeleuchtung bleibt an

Beleuchtungen. Denkmäler und repräsentative Gebäude wie RMCC oder Kurhaus werden nicht mehr beleuchtet. In Wiesbaden ist es aus technischen Gründen nicht möglich, jede zweite Straßenlaterne abzuschalten. Ob das Dimmen von Straßenlaternen technisch möglich ist, wird aktuell geprüft. Eine Abschaltung von Ampeln und Parkleitsystemen ist vorerst nicht angedacht, da dies kaum Einsparungen bringt.

Wassertemperatur wird abgesenkt

Bäder. In den Hallenbädern Kleinfeldchen, Mainzer Straße und Kostheim hat mattiaqua die Wassertemperatur seit April auf 26 Grad gesenkt. Eine weitere Absenkung für die sportorientierte Nutzung wäre möglich. Dabei orientiert sich mattiaqua an Vorgaben verschiedener Verbände. Sie empfehlen in Hallenbädern mindestens eine Wassertemperatur von 24 Grad Celsius. Ausgenommen davon sind Kinderbecken und Nichtschwimmerbecken. In Stufe 2 könnten Hallenbäder geschlossen werden, wenn es unvermeidbar ist. In Stufe 2 könnten auch die mit Gas beheizten Kaiser-Friedrich-Therme, das Thermalbad Aukammtal und weiterer Saunen geschlossen werden. Für Freibäder wurden keine Maßnahmen beschlossen, da die Saison demnächst endet. Wegen des heißen Wetters wurden und werden die Freibäder dieses Jahr nicht beheizt.

Be-und Entlüftung

Lüftungsanlagen. Lüftungsanlagen sollen außer Betrieb genommen werden, vorausgesetzt die Pandemiebedingungen und Hygienevorschriften lassen es zu. Wie bei allen Maßnahmen werden auch bei dieser Besonderheiten berücksichtigt. Das gilt vor allem für Kindergärten und Schulen. Auch einige Sporthallen können nicht ausreichend über Fenster belüftet werden. Dort bleiben Lüftungsanlagen in Betrieb. Weitere Ausnahmen gelten für Sporthallen mit einem gekoppelten Heizungs-Lüftungssystem. Die Abschaltung ist aktuell bis zum Beginn der Heizperiode geplant, da eine Fensterlüftung zu einem erhöhten Heizbedarf führt. In Stufe 2 wird geprüft, ob während der Heizperiode die Abschaltung von Lüftungsanlagen wirtschaftlich ist.

Durchlauferhitzer aus

Warmwasser: In öffentlichen Gebäuden sollen zentrale und dezentrale Wassererwärmungsanlagen wie Durchlauferhitzer abgeschaltet werden, vorausgesetzt dies ist mit der Trinkwasserhygiene vereinbar. Davon ausgenommen werden, voraussichtlich nach Bundesvorgaben, medizinische und Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten sowie Einrichtungen, bei denen die Bereitstellung von warmem Trinkwasser für Nutzung oder Betrieb erforderlich sind.

Weitere Maßnahmen

Weiterhin werden Beleuchtungen nach und nach auf LED umgestellt, Gebäudetechnik wird ausgebaut, Heizungs- und Lüftungsanlagen werden optimiert, Bewegungsmelder installiert. Bereits im Herbst 2020 wurden das neue Bürgerbüro, das Rathaus und das Alte Rathaus/Standesamt an Fernwärme angeschlossen. Weitere Gebäude könnten folgen. Außerdem könnten Heizungsanlagen von fossiler auf regenerative Energie umgestellt werden. Auch bei Wiesbadens Mobilitätsdienstleister ESWE Verkehr laufen umfassende Prüfungen über noch nicht ausgereizte Energiesparpotenziale. Als erste Beispiele sind hier die Umrüstung der letzten noch nicht umgestellten Werkstatthalle auf energiesparende LED-Lichttechnik sowie das Anpassen von Laufzeiten von Klima- und Lüftungsanlagen in allen Betriebs- und Verwaltungsgebäuden zu nennen. Weitere Maßnahmen, die mittel- und langfristig wirken sollen, werden derzeit geplant.

Foto oben ©2022 Pixabay

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So will die Bundesregierung Energiesparen: www.bundesregierung.de.

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