Menü

kalender

Juni 2024
S M D M D F S
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  

Partner

Partner

/* */
Auf der Bühne sitzt ein alter Mann im Rollstuhl. Lange, weiße Haare, ungepflegter Bademantel, nackte Füße.

Was, wenn Gott auf Widerspruch gewartet hätte?

Am Wochenende feierte „Die Erprobung Abrahams“ in der Ringkirche Premiere: Nach „Judas“ ist es die zweite Inszenierung von Jürg Wisbach, die in Kirchen aufgeführt wird. Sie handelt von der Wiederbegegnung von Abraham und Isaak.

Volker Watschounek 2 Jahren vor 0

Jürg Wisbach interpretiert die Geschichte von „Abrahams Erprobung“ neu. Er bringt die Aufführung in sieben Gotteshäuser – und fordert zum Dialog auf.

Wiesbaden. Auf der Bühne sitzt ein alter Mann im Rollstuhl. Lange, weiße Haare, ungepflegter Bademantel, nackte Füße in Badelatschen, krumme Körperhaltung. Er hört mit einem alten Kassettenrecorder eine biblische Geschichte – jene von Abraham, der seinen Sohn opfern sollte, weil Gott es ihm befahl.
In letzter Minute sagt Gott ihm, er möge innehalten. Das sollte seinen Glauben auf die Probe stellen. Abraham, denn er ist der Mann im Rollstuhl, beginnt, selbst zu erzählen. Isaak ist nicht sein einziger, liebster Sohn, er hatte bereits einen mit der Magd Hagar, den er ebenfalls liebte. Aber auch sie hat er auf Gottes Geheiß in die Wüste geschickt. Er war gehorsam. Aber nun kommen ihm Zweifel. Was, wenn die eigentliche Prüfungsfrage gewesen wäre, ob er es wagt, sich solchen eigentlich unmenschlichen Befehlen zu widersetzen?

Ein zweiter Mann betritt die Szene. Ist es sein Pfleger? Abraham jedenfalls sieht seinen Sohn in ihm. Er spricht mit ihm, und Isaak erwidert, hält mit seiner Verbitterung nicht hinter dem Berg, äußert aber auch sein Unverständnis darüber, dass Abraham Gott anzuzweifeln wagt.

Die Erprobung Abrahams

Eine Geschichte aus dem Alten Testament liegt diesem Stück zugrunde, die uns heute erschaudern lässt. Und zum Nachdenken bringt. Auch den Schauspieler Jürg Wisbach. Er hat das Stück verfasst: Die Erprobung AbrahamsWas, wenn die Erprobung nicht darin bestanden hätte, die Bereitschaft zum Opfern auszuloten, sondern der Widerstand gegen den eigentlich unerhörten Befehl? Was, wenn Gott eigentlich Widerspruch gewollt hätte? Eine Kernstelle der Bibel, hier einmal ganz anders bewertet.

Sehen und diskutieren

Das Stück ist bereits das zweite, mit dem sich Wisbach, zurzeit in der Schweiz tätig, mit einer kontroversen biblischen Figur auseinandersetzt. Nach Judas – mit diesem Stück war er vor einigen Jahren ebenfalls in Wiesbaden zu Gast – also nun Abraham. Susanne Claußen, Bildungsreferentin des ev. Dekanats, hat ihn erneut eingeladen. In sieben Kirchen des Wiesbadener Dekanats wird er im März und April sein Stück aufführen. Wir haben das bewusst dezentral geplant, nicht in einer großen Stadtkirche, sondern in einzelne Gemeinden möchten wir mit dem Stück hineingehen, sagt Claußen. Nach der etwa einstündigen Aufführung bleibt immer Gelegenheit zur Diskussion mit dem Schauspieler, der das Stück bewusst für Kirchenräume konzipiert hat.

Gehorsam, Gottesfurcht und Gewaltpotenzial

Er hat Abraham als alten Mann inszeniert, der auf sein Leben zurückblickt und seine Entscheidung überdenkt. Hätte er anders handeln können? Er hadert und kämpft mit sich selbst.  Die Frage nach Gehorsam, Gottesfurcht und Gewaltpotenzial der Religion wird aufgeworfen, aber auch jene nach einer konfliktreichen Vater-Sohn-Beziehung, an der auch Lars Wellings in der Rolle des Gegenübers entscheidenden Anteil hat. Viel Diskussionsstoff, und Susanne Claußen ist gespannt, welche möglicherweise kontroversen Reaktionen die sieben Aufführungen in den Gemeinden auslösen.

Fünf Veranstaltungen im Rahmenprogramm beleuchten noch einmal verschiedene Aspekte des Themas aus Sicht unterschiedlicher Experten: Performancekünstler Raman Zaya lässt mit dem Publikum ein Tableau vivant unter dem Motto Unterwegs in Gewissheit entstehen. Religionsjournalist Gerald Beyrodt spricht über Das abgewendete Opfer in drei Religionen, zeigt die unterschiedlichen Auslegungen der Geschichte vom Opfer des Sohnes in Judentum, Islam und Christentum auf.

Von der Diskussionsrunde zum Film

Alexander Cherdron, Psychoanalytiker und Arzt, berichtet von der Dynamik von Vater-Sohn-Beziehungen, von Männlichkeit und Führungskonzepten. Familientherapeutin Sonja Kaemper betitelt ihren Vortrag Relax, Abraham! und lotet aus, wie Eltern heute im allgemeinen Stimmengewirr der Gesellschaft über das Wohl und das Leben ihrer Kinder entscheiden.  Schließlich wird im Murnau-Filmtheater noch der Film Abraham. Ein Versuch über das Milgram-Experiment von 1970 gezeigt. Hier ging es um den Versuch, Menschen mit autoritärem Verhalten dazu zu bringen, anderen Schmerzen zuzufügen – mit erschütternden Ergebnissen

Aufführungstermine

Samstag, 26. März, 18:00 Uhr, Matthäuskirchengemeinde (Daimlerstraße); Sonntag, 27. März, 17 Uhr, Stephanusgemeinde Mainz-Kostheim (Linzer Straße); Mittwoch, 30. März, 19 Uhr, Marktkirche Wiesbaden; Freitag, 1. April, 18 Uhr, Ev. Heilig-Geist-Kirchengemeinde Biebrich (Am Kupferberg).
Der Eintritt zu allen Aufführungen ist frei. Dauer: etwa 1 Stunde; danach besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit den Schauspielern. Es gelten die tagesaktuellen Corona-Schutzverordnungen.
Formlose Anmeldung, da die Platzzahl in den kleineren Kirchen coronabedingt begrenzt ist:susanne.claussen@ekhn.de. Mehr zum Rahmenprogramm: dekanat-wiesbaden.de

Bild oben ©2022 Anja Baumgart-Pietsch

Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Mitte lesen Sie hier.

Die offizielle Internetseite der Marktkirche Wiesbaden finden Sie unter www.marktkirche-wiesbaden.de.

 

Diskutieren Sie mit

Diskutieren Sie mit

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Geschrieben von

Volker Watschounek lebt und arbeitet als freier Fotograf und Journalist in Wiesbaden. SEO und SEO-gerechtes Schreiben gehören zu seinem Portfolio. Mit Search Engine Marketing kennt er sich aus. Und mit Tinte ist er vertraut, wie mit Bits und Bytes. Als Redakteur und Fotograf bedient er Online-Medien, Zeitungen, Magazine und Fachmagazine. Auch immer mehr Firmen wissen sein Know-how zu schätzen.