Die Diskussion ist im Gange und die Frage steht im Raum. Braucht Wiesbaden einen Sozialindex für Schulen? Der Schulentwicklungsplan soll es richten. Er steht für Chancengleichheit – für Bildungsgerechtigkeit.

Das Aktionsbündnis gegen Kinder- und Jugendarmut in Wiesbaden unterstützt die Ressourcenpriorisierung für Schulen – so wie es der Entwurf des neuen Schulentwicklungsplanes vorsieht. Die Idee, auf Ungleiches ungleich zu reagieren ist richtig. Viel zu lang ist man dem Glauben aufgesessen, dass Gleichbehandlung zu Bildungsgerechtigkeit führt. Wir wissen heute, dass dies ein Trugschluss ist. Dieser Schritt ist überfällig, und die Pandemie hat uns dies deutlich vor Augen geführt, so Nicole Nestler, die das Evangelische Dekanat im Aktionsbündnis vertritt.

„Wie immer haben die Schwächsten am meisten gelitten, da sie nicht auf die gleiche Unterstützung und Förderung außerhalb der Schule zurückgreifen können.“Nicole Nestler, Evangelische Dekanat

Kritiker des Entwurfs berufen sich auf die Gefahr einer Stigmatisierung betroffener Schulen. Dem hält Manon Tuckfeld von der GEW Wiesbaden entgegen, dass dieses eigentlich richtige Argument immer dann angeführt werde, wenn es im Kern darum geht, nichts machen zu wollen oder Ressourcen zu sparen. Schon heute sind Schulen sehr unterschiedlich ausgestattet. Eine Stigmatisierung aufgrund unterschiedlicher Milieus in der Zusammensetzung findet in der Realität bereits statt. Dies wisse jeder, der sich regelmäßig mit Eltern und Lehrkräften austausche.

„Dass sich die Stadt Wiesbaden aufmacht, einer erkennbaren Ungerechtigkeit endlich entgegenzutreten, ist richtig. Viel zu lang ist eher reagiert worden, statt gestaltend einzugreifen.“ – Manon Tuckfeld, GEW

Mehr Geld, bessere Räume und ein gutes Angebot zu haben, sei gut. Wie es verteilt werde und welche sonstigen Rahmenbedingungen noch greifen sollten und müssten, sei jedoch vielschichtiger als es schiene, erläutert Tuckfeld. Der GEW Wiesbaden ist es wichtig, vom Ziel her zu denken.

„Die Gesamtschulen müssen eine tragfähige und attraktive Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem sein und nicht die Auffangsäule.“ – Manon Tuckfeld, GEW

Der Entwurf des Schulentwicklungsplanes sieht unter dem Stichwort „Bildungsgerechtigkeit“ eine „Ressourcenpriorisierung“ vor. Das heißt: mehr Unterstützung für Schulen mit beispielsweise einem höheren Anteil an Schülerinnen und Schülern aus Stadtteilen „mit hoher sozialer Bedarfslage“. Der Vorschlag ist auf politischer Ebene zwischen den einzelnen Parteien umstritten.

Mitglieder des Aktionskreis gegen Kinder- und Jugendarmut

Dem Aktionskreis gegen Kinder- und Jugendarmut in Wiesbaden gehören an: Evangelisches Dekanat, Deutscher Gewerkschaftsbund Wiesbaden-Rheingau-Taunus, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Wiesbaden-Rheingau, AWO Wiesbaden, Attac Wiesbaden, Katholische Erwachsenenbildung Wiesbaden Untertaunus und Rheingau und Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Bildung im Gespräch

Eine Sendung des offenen Kanals Kassel. Wie hängen Bildungsgerechtigkeit und digitale Teilhabe zusammen? Und kann Bildung zum Abbau der digitalen Spaltung beitragen?

Foto ©2021 Pixabay

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