Der IHK-Geschäftsklimaindex ist seit dem Frühsommer von 34 auf 98 Punkte gesprungen. Sorgenfrei ist dennoch niemand: Die Mitglieder der IHK Wiesbaden sehen in der Entwicklung der Pandemie das größtes Risiko. 

Die Geschäftslage und -erwartungen, Investitions- und Exportpläne in der Wirtschaftsregion Wiesbaden haben sich deutlich verbessert. Auch die Personalpläne haben Unternehmen im Wiesbadener Raum wieder nach oben korrigiert. Allerdings hält die Corona-Pandemie die Unternehmen in der Region Wiesbaden weiter in Atem, sagt Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden. So sehen die Betriebe die weitere Entwicklung der Pandemie auch als größten Risikofaktor an.

„Die Entwicklung beim Geschäftsklimaindex darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass einzelne Wirtschaftsbereiche weiter fest im Griff des Corona-Virus sind. Dazu gehören insbesondere der Tourismus und die Veranstaltungsbranche.“ – Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden.

Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region ist der IHK-Geschäftsklimaindex. Seit Frühsommer ist er um 34 Punkte auf 98 Zähler gesprungen – und liegt damit nahe der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Der Durchschnitt in Hessen liegt aktuell bei 95 Punkten. Das Geschäftsklima hat sich sichtbar erholt. Den historischen konjunkturellen Tiefpunkt haben wir hinter uns gelassen. Allerdings nur vorläufig, denn ein zweiter pandemiebedingter Lockdown würde den Erholungspfad unterbrechen, kommentiert Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden. Die starke Erholung des Geschäftsklimas markiert den stärksten und schnellsten Anstieg seit Aufzeichnung im Jahr 2005.

„Wir sind noch nicht über den Berg“ – Dr. Florian Steidl, Chefvolkswirt der IHK Wiesbaden.

45 Prozent der Betriebe im Wiesbadener Raum rechnen mit einem Rückgang des Gesamtumsatzes im Jahr 2020 durch die Corona-Pandemie um bis zu 25 Prozent. Ein Fünftel der Unternehmen geht von einem Rückgang um mehr als ein Viertel aus. 7 Prozent rechnen mit einer Umsatzsteigerung, ein Fünftel sieht keine Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Umsätze und 9 Prozent können derzeit keine Einschätzung abgeben.

Die wirtschaftliche Lage im Einzelnen

Die derzeitige Geschäftslage der Unternehmen im Bezirk der IHK Wiesbaden hat sich seit der letzten Umfrage im Frühsommer 2020 deutlich verbessert. 24 Prozent der Unternehmer beschreiben ihre Lage als gut (+2 Prozentpunkte), 28 Prozent als schlecht (-17 Punkte). 48 Prozent der Betriebe verweisen auf eine befriedigende Geschäftslage (+15 Punkte). Auch die Geschäftserwartungen sind seit Frühsommer 2020 wieder gestiegen. 23 Prozent der Betriebe haben positive Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate (+12 Prozentpunkte). 24 Prozent rechnen mit schlechteren Aussichten (-35 Punkte). 53 Prozent der Betriebe gehen von gleichbleibenden Erwartungen aus (+23 Punkte).

Unternehmen im Wiesbadener Raum wollen in den kommenden zwölf Monaten Personal abbauen, aber weniger stark als zuletzt geplant. 14 Prozent wollen neue Stellen schaffen (+7 Prozentpunkte), 23 Prozent ihre Belegschaft verkleinern (-9 Punkte) und 63 Prozent die Mitarbeiter halten (+2 Punkte). Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter eher nicht freisetzen. Das Kurzarbeitergeld erweist sich dabei als gutes Instrument, die negativen Effekte auf dem Arbeitsmarkt zu dämpfen, sagt IHK-Chefvolkswirt Steidl.

Die Investitionsbereitschaft steigt, Unternehmen halten sich mit Investitionen dennoch weiter zurück: 19 Prozent der Betriebe wollen die Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten steigern (+7 Prozentpunkte). 40 Prozent planen eine Kürzung (-16 Punkte) und 41 Prozent gleichbleibende Investitionen (+9 Punkte). Die weit verbreitete coronabedingte Unsicherheit in der Wirtschaft ist zwar gesunken. Unternehmen bleiben aber angesichts der realen Gefahr erneuter Einschränkungen vorsichtig, kommentiert Steidl.

Die Exporterwartungen der exportierenden Unternehmen in der Wirtschaftsregion Wiesbaden sind gestiegen, aber weiter negativ. 15 Prozent rechnen in den nächsten zwölf Monaten mit einem wachsenden Exportvolumen (+4 Prozentpunkte), 32 Prozent gehen von einem Rückgang aus (-24 Punkte) und 53 von gleichbleibenden Exporten (+20 Punkte). Bei exportierenden Betrieben spielen weiterhin die gesunkene ausländische Nachfrage, coronabedingte Handelsbeschränkungen und offene Fragen beim Brexit eine Rolle.

Risiken für die Geschäftsentwicklung

Die Neubewertung der Risiken für die eigene Geschäftsentwicklung im Lichte der Corona-Krise hat weiter Bestand. Als größtes Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten wird die Inlandsnachfrage genannt. 71 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk erkennen hier ein Risiko (+17 Prozentpunkte gegenüber der Befragung im Herbst 2019). Der Fachkräftemangel, das Top-Risiko zwischen Frühsommer 2017 und Herbst 2019, wird jetzt nur noch von 27 Prozent der Unternehmen als Risiko identifiziert (-31 Punkte). Dieser Wert wurde zuletzt 2014 erreicht. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben wichtig: 54 Prozent (+3 Punkte) der Betriebe erkennen hier Risiken für den Unternehmenserfolg. Die Auslandsnachfrage hat deutlich an Bedeutung gewonnen: 29 Prozent (+11 Punkte) der Unternehmen sehen hier Risiken. Das ist – wie bereits im Frühsommer – der höchste Wert seit Abfrage der größten Risiken im Jahr 2010. Auch die Finanzierung wird wichtiger: Für 13 Prozent (+5 Punkte) ist sie ein Risiko. Deutlich an Bedeutung abgenommen haben die Entwicklung der Arbeitskosten und die Energie- und Rohstoffpreise: Sie sind auf 28 bzw. 13 Prozent gefallen (-9 bzw. -10 Punkte). Erstmals konkret abgefragt wurde, inwieweit der Klimawandel ein unternehmerisches Risiko darstellt. Das ist bei 62 Prozent der Betriebe der Fall, bei 38 Prozent nicht.

Sonderauswertung Fachkräfte

Ein Viertel der Unternehmen kann derzeit offene Stellen längerfristig (länger als zwei Monate) nicht besetzen, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden. Das sind 20 Prozentpunkte weniger als noch im Herbst 2019. Ein Viertel der Betriebe hat keine Probleme mit der Stellenbesetzung. Vor einem Jahr war es ein Fünftel. Die Hälfte hat keinen Personalbedarf (+14 Prozentpunkte). „Aufgrund der coronabedingten Effekte auf dem Arbeitsmarkt können Stellen aktuell besser besetzt werden. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen, die keinen Personalbedarf haben“, sagt IHK-Chefvolkswirt Steidl. Wie finden Unternehmen neue Mitarbeiter? Befragt nach den genutzten Rekrutierungskanälen für Fachkräfte nennen 52 Prozent Unternehmen überregionale Online-Plattformen, 44 Prozent Social-Media-Kanäle, 41 Prozent regionale Online-Plattformen, 25 Prozent Zeitungen, 23 Prozent Headhunting und 20 Prozent Zeitarbeitsfirmen. 30 Prozent nutzen andere Kanäle, darunter die eigene Website, die Arbeitsagentur oder das berufliche Netzwerk.

Den kompletten IHK-Konjunkturbericht inklusive Grafik zum Geschäftsklima gibt es kostenfrei unter www.ihk-wiesbaden.de/konjunkturbericht.

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Die offizielle Internetseite der IHK-Wiesbaden finden Sie unter www.ihk-wiesbaden.de.

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