HIV steht für das Humane Immundefizienz-Virus. Das Virus schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte und verhindert, das Krankheitserreger bekämpft werden.

Bis 1993 bestand im Raum Wiesbaden, Mainz, Rheingau, Taunus in der Versorgung HIV-Infizierter ein großes Vakuum. Die Patienten waren mit ihren zuvor unbekannten und oft schweren Begleit- und Folgekrankheiten und der anfangs hohen Sterblichkeit in den HIV-unerfahrenen Kliniken gefürchtet, stießen auf eine weit verbreitete Ablehnung und mussten für eine qualifizierte Betreuung zur Uniklinik Frankfurt fahren. Vor 25 Jahrenwurde dann die erste HIV-Ambulanz für den Einzugsbereich Wiesbaden im St. Josefs-Hospital Wiesbaden eröffnet. Die Gesundheitsbehörden hatten damals alle Wiesbadener Krankenhäuser aufgefordert, eine Ambulanz zur Behandlung HIV-Kranker einzurichten. Das St. Josefs-Hospital Wiesbaden erklärte sich aufgrund des caritativen und sozialen Engagements der damaligen Oberin Sr. Philomena von den Armen Dienstmägden Jesu Christi (ADJC) und des Verwaltungsrats dazu bereit. 1994 eröffnet, wurde die HIV-Ambulanz über viele Jahre von den Ordensschwestern im JoHo aktiv mitgetragen.

„Wir sind stolz darauf, dass wir im JoHo seit 1994 mit der HIV-Ambulanz ein wichtiger Partner dieses Netzwerks sind.“ – Martin Boschüber, JoHo -Geschäftsführer 

Das Jubiläum nahmen alle Beteiligten aus Politik, Medizin, Pflege und psychosozialer Beratung gemeinsam zum Anlass, zurückzublicken auf 25 Jahre Versorgung von Menschen mit HIV in Wiesbaden, verbunden mit einer Bestandsaufnahme, wo wir heute in unserer Gesellschaft im Umgang mit HIV-positiven Menschen stehen. So konnte Geschäftsführer Martin Boschüber 100 Wegbereiter, in der Versorgung Aktive, Unterstützer und Interessierte im JoHo begrüßen. Wir sind stolz darauf, dass wir im JoHo seit 1994 mit der HIV-Ambulanz ein wichtiger Partner dieses Netzwerks sind. Darüberhinaus ist die Infektiologie, im JoHo unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Christoph Sarrazin hochkompetent auf Uni-Niveau betrieben, ein immer wichtiger werdendes Fachgebiet, denken wir an das Medieninteresse rund um „Superkeime“ und Erreger.

„Wir müssen weiter daran arbeiten, dass sich Menschen ohne Angst vor Ausgrenzung und Abwertung mit HIV auseinandersetzen und gut informiert entscheiden können.“ – Sozialminister Kai Klose

Der Hessische Sozialminister Kai Klose und Stadträtin Dr. Helga Brenneis, als Ärztin der ersten Stunde seit den 80er Jahren in der Begleitung HIV-Kranker, würdigten die Arbeit aller, die an der Versorgung und Begleitung HIV-Infizierter beteiligt sind und sprachen dem JoHo großen Dank dafür aus, die HIV-Ambulanz zu einem Ort mit hervorragender medizinischer Behandlung aber auch mit diskriminierungsfreiem Zugang gemacht zu haben. Sie erläuterten die Entwicklung von Landes- und Stadtpolitik im Umgang mit einer zunächst neuen Seuche und bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme HIV-Positiver von der medizinischen Versorgung über die gesellschaftliche Integration bis zur Bekämpfung von Diskriminierung und irrationaler Ausgrenzung. „Um HIV zu besiegen, bedarf es neben guter medizinischer Therapiemöglichkeiten auch einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft. Antidiskriminierungsarbeit leistet auch hier einen wichtigen Beitrag: Gerade die HIV-Prävention wird deutlich erleichtert, wenn die Stigmatisierung und Ausgrenzung von Personen mit HIV und AIDS reduziert und ihr aktiv entgegengewirkt wird,“ sagteHessen Minister für Soziales und Integration Klose.

„Während der letzten 10 Jahre war der Trend leicht zunehmend, da die Lebenserwartung HIV-Positiver steigt. Jedes Jahr kommen jedoch einige neu diagnostizierte Patienten hinzu.“ – Dr. Frieder Katz, Facharzt für Innere Medizin

Aktuell behandle Dr. Frieder Katz, der die HIV-Ambulanz im JoHo seit 2003 leitet, jährlich ca. 500 Menschen mit HIV-Infektionen bzw. AIDS-Erkrankungen aus dem Einzugsgebiet Wiesbaden. Hier finde ambulante Beratung, Diagnostik und Therapie bei HIV-Infektion, nach HIV-Kontakten und bei Risikogruppen statt. Betroffene schätzten die vertrauliche, ungezwungene Atmosphäre und die persönliche Betreuung. „Ein Drittel unserer Patienten ist nicht in Deutschland geboren und der Anteil an Frauen steigt. Weltweit liegt er schon bei 50 Prozent. HIV-bedingte Sterbefälle sind selten geworden und betreffen Patienten, deren Infektion gar nicht oder zu spät erkannt wird und solche, denen eine regelmäßige Einnahme antiretroviraler Medikamente nicht möglich ist“, berichtet der langjährige HIV-Experte aus dem JoHo.

„Entscheidend ist die Toleranz in der Breite der Gesellschaft. Wir müssen uns darauf einstellen, dass HIV-Kranke ein höheres Alter erreichen. Vor allem auch in Pflegeheimen müssen wir Barrieren abbauen.“ – Axel Krecik, Geschäftsführer AIDS Hilfe Wiesbaden

Dr. Klaus Tischbirek, der die HIV-Ambulanz im JoHo in den Anfangsjahren aufgebaut und geleitet hatte, erläuterte gemeinsam mit Axel Krecik, seit 1995 bei der AIDS-Hilfe Wiesbaden, die Entwicklung der HIV-Versorgung und den Umgang mit der HIV-Community. Noch in den 80er und 90er Jahren seien HIV und AIDS ein Todesurteil gewesen. Geändert habe sich das erst 1996 mit der Therapierbarkeit. Der Aufbau eines Netzwerks in Wiesbaden sei daher entscheidend gewesen. 1986 wurde die AIDS-Hilfe gegründet, die sich seitdem mit großem ehrenamtlichen Engagement um die psychosoziale Begleitung HIV-Infizierter kümmert.

„Die Idee, dass HIV-positive Frauen Kinder bekommen, war damals unfassbar. Heute spreche ich mit sehr vielen HIV-Patientinnen über das Thema Kinderwunsch.“ –  Dr. Daniela Wunderlich, Gynäkologin.

Dr. Hedro Lahdo, niedergelassener HIV-Schwerpunktarzt, und Dr. Daniela Wunderlich, niedergelassene Frauenärztin, verdeutlichten in Falldarstellungen die Chancen und Risiken des Lebens mit HIV: einerseits beschleunigtes Altern und drohende Begleiterkrankungen; andererseits die Chance, mithilfe geeigneter HIV-Medikamente und bei rechtzeitiger Diagnose gesunde eigene Kinder zu bekommen.

 

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