Exkurse in die Kunstgeschichte mit Zeichnungen und ­Aquarellen: Das Museum Wiesbaden zeigt Ritschl-Preisträger Sławomir Elsner. 

Slawomir Elsners akribisch gezeichneten Werke nehmen Bezug auf unser kulturelles und kollektives Gedächtnis. Für die Ausstellung im Museum Wiesbaden hat er Alexej von Jawlenskys Selbstbildnis aus dem Jahr 1972 gespiegelt. Neu interpretiert. Von dem Original ist kaum noch etwas übrig.

Landesmuseum (Museum Wiesbaden), kurz gefasst

Einzelausstellung – „Slawomir Elsner — Präzision und Unschärfe“
Wann: vom 5. November 2021 bis zum 6. März 2022
Wo: Hessisches Landesmuseum für Kunst und Kultur (Museum Wiesbaden), Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden (Anfahrt planen!)
Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags von 10:00 bis 20:00 Uhr, mittwochs und freitags 10:00 bis 17:00 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10:00 bis 18:00 Uhr,  montags geschlossen
Eintritt: 10,00, 7,00 Euro ermäßigt

Die schwarzen Konturen, die klar voneinander abgegrenzten Farbflächen, der finstere Gesichtsausdruck haben sich aufgelöst, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Es ist sein Stil, mit der er berühmten Kunstwerken oder signifikanten Situationen der Zeitgeschichte ein neues Gesicht gibt. Dabei stehen im Zentrum seines künstlerischen Ansatzes immer zwei grundlegende künstlerische Mittel: Farbe und Licht. Das kommt auch in den abstrakten Aquarellen zum Ausdruck, die er in immer größeren Formaten an die Grenze ihrer Gattung führt. Anhand von knapp 50 Werken und einer 20-teiligen Fotoserie werden entscheidende Stationen im künstlerischen Werdegangs Elsners sowie seine charakteristischen Werkserien vorgestellt.

„Ich bin von Herzen dankbar für die Wertschätzung meiner Arbeit. Der Ritschl-Preis kam unerwartet und ich bin sehr geehrt und erfreut, ihn mitsamt der großzügigen Ausstellung entgegen nehmen zu dürfen!“ – Slawomir Elsner

Elsner (geb. 1979) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Kunsthochschule Kassel, zuletzt als Meisterschüler von Prof. Norbert Radermacher. 2020 wurde Elsner mit dem Otto-Ritschl Preis ausgezeichnet. In seinen Buntstiftzeichnungen überträgt der Künstler malerische Aspekte alter Meister in das Medium der Zeichnung. Der Ausstellungstitel Präzision und Unschärfe steht für das Besondere an Elsners Arbeiten. Strich für Strich nähert er sich den historischen Gemälden an, indem er kurze Linien zu immer dichteren Farbgeflechten übereinanderlegt. So nimmt er Bezug zu unverkennbaren Bildern des kulturellen Gedächtnisses, beispielsweise dem Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer. Auch finden sich in der Ausstellung Hauptwerke aus der Sammlung des Museums Wiesbaden von Alexej von Jawlensky, Otto Mueller und Carl Spitzweg, gezeichnet aus der Sicht des Berliner Künstlers. Andere Werke knüpfen an das kollektive Gedächtnis der Gegenwart an. Die Farbstiftzeichnungen der Werkserie Windows on the World sind beispielsweise an Fotografien der gleichnamigen Bar angelehnt, die sich auf der 107. Etage des World Trade Centers in New York befand und die Elsner im Frühjahr 2001, nur wenige Monate vor den Terroranschlägen, gemacht hat. In der Werkserie abstrakter Aquarelle erschafft er durch unzählige monochrome oder mehrfarbige Schichten luminöse Farbräume.<

„Slawomir Elsner ist ein Künstler, der mit einer überzeugenden konzeptuellen Klarheit und einer souveränen künstlerischen Technik sich zwei zentralen Grundsubstanzen der Malerei widmet, nämlich der Farbe und dem Licht.“ – Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden

Interessanterweise nutze Elsner Buntstifte und Aquarell, zwei in der Geschichte der Kunst oft marginalisierte Medien. Mit ihnen erschaffe er luminöse Farbräume und offenbare darin eine künstlerische Verwandtschaft mit Otto Ritschl, so Museumsdirektor weiter. Er dankte dem Museumsverein Ritschl e.V., der in Kooperation mit dem Museum Wiesbaden Slawomir Elsner den Ritschl-Preis 2020 zuerkannt hat.

„Präzision und Unschärfe“

Die Ausstellung Präzision und Unschärfe gibt auf 270 qm einen Einblick in Elsners künstlerische Entwicklung, angefangen bei den Arbeiten, die noch zu Studienzeiten entstanden sind, bis zu den Werken, die der Künstler eigens für die Ausstellung angefertigt hat. Im Zentrum der Schau stehen Slawomir Elsners aktuelle Arbeiten aus zwei umfangreichen Serien. Zum einen Werke aus der Serie des „imaginären Gedächtnisses“ mit Farbstiftzeichnungen nach alten und neuen Meistern. Zum anderen die abstrakten farb- und lichtintensiven Aquarelle aus der Serie Just Watercolors.

„Trotz so offensichtlicher Unterschiedlichkeit in Sujet und Technik, basieren die Aquarelle und Zeichnungen auf dem gleichen künstlerischen Prinzip: der Lichtquellen, die im Bild eingewoben, dieses von innen heraus zum Leuchten bringen. Ziel der Ausstellung ist es, diese besondere Qualität der Arbeiten aus den aktuellen Werkserien von Slawomir Elsner erfahrbar werden zu lassen.“ – Lea Schäfer, Kuratorin der Ausstellung

Zur Ausstellung ist im Dezember 2021 ein begleitender Katalog im DCV Verlag mit Installationsansichten der Schau und Beiträgen von den Kuratoren Dr. Andreas Henning und Lea Schäfer sowie Dr. Anne-Marie Bonnet und Dr. Nils Ohlsen erschinen. Zudem enthält der Katalog einen Index, in dem die in der Ausstellung behandelten Serien vollständig abgebildet sind. Der Katalog (144 Seiten, Hardcover, zweisprachig deutsch / englisch) kostet an der Museumskasse 26,- Euro.

Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Einzelausstellung des Berliner Künstlers Slawomir Elsner. Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:

Vortrag von Prof. Peter Iden

Otto Ritschl — die Farbe ist das Maß der Dinge Do, 9 Dez 18:00 In Kooperation mit den Freunden des Museums Wiesbaden e.V.

Highlight Kinderworkshop

Zeichnen mit dem Künstler
Sa, 12 Feb 15:00

Hygieneauflagen

Besucherinnen und Besucher können das Museum gemäß der aktuellen Pandemieverordnung derzeit unter Einhaltung der 3G Regeln besuchen. Bei allen Fragen sind wir dienstags bis freitags von 10:00–14:00 Uhr unter der Telefonnummer 0611/335 2251 erreichbar.

Bild oben ©2020 Bernd Fickert / Museum Wiesbaden

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Die offizielle Internetseite vom Museum Wiesbaden finden Sie unter museum-wiesbaden.de.

 

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