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Zu wenig: Zeit für das Patientengespräch

Zu viele Apparate, zu wenig Zuwendung – Standen am ersten Tag des 13. Deutschen Wirbelsäulenkongresses die Entwicklung der Wirbelsäulenchirugie und die modernen Techniken im Mittelpunkt, waren es am zweiten Tag andere Fragen – die Medizin im Korsett von Ethik, Qualität und Kommerz.

Volker Watschounek 6 Jahren vor 0

Was ist gute Medizin? Wo liegen ihre Grenzen? Soll in der Medizin alles machbar sein? Die Medizin sollte auf andere Füße gestellt werden. Sie wird im Patientengespräch zu einer Kunst der Zuwendung.

„Die Medizin hat sich in eine falsche Richtung entwickelt“, meint der renommierte Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio, der an der Universität Freiburg lehrt. Er fordert einen grundsätzlich neuen Ansatz im Gesundheitswesen. Auf Einladung von Prof. Dr. Marcus Richter, Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft und Chefarzt am St. Josefs-Hospital Wiesbaden, sprach der Philosoph und Internist Maio beim Deutschen Wirbelsäulenkongress im Rhein-Main-Congress-Center vor 2.500 medizinischen Experten über das Spannungsfeld von Ethik, Qualität und Kommerz. Maio sagte, dass es sinnvoll sei, sowohl operative als auch konservative Disziplinen der Wirbelsäulentherapie miteinander zu vernetzen.

„Heutzutage entsteht häufig der Eindruck, dass es sich bei Medizin um eine fließbandartige Fleißübung handelt.“ – Prof. Dr. Giovanni Maio

Was zu oft auf der Strecke bleibe, sei das, was den Arztberuf eigentlich ausmache: Im Gespräch einen für den Patienten sinnvollen und individuellen Behandlungsweg zu finden. Genau das sei die Kernfrage in der Medizin, die den Arzt vom Handwerker unterscheide. Die Reflektion sei im Drei-Schritte-System von Diagnose-Reflektion-Therapie der wesentliche Schritt: „Wofür entscheiden wir uns im individuellen Fall?“ Die Phase der Reflektion, Beurteilung und Entscheidungsfindung werde aber vom heutigen Gesundheitssystem übersehen, ein systembedingter und falscher Kurzschluss. Die Zeit für diesen Schritt werde wegrationalisiert. Schuld sei die Politik, die mit der Einführung von Fallpauschalen dieses Problem verursacht habe. Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks müsse genau das eingespart werden, was Zeit koste: Gespräche, Vertrauensgewinn, Abwägen der besten Behandlung. „Medizin ist eine verständigungsorientierte Tätigkeit, was besonders in den operativen Fächern wichtig ist“, sagte Maio, „denn mit Vertrauen werden auch Komplikationen getragen.“

PK mit Prof. Marcus Richter (links) und Prof. Giovanni Maio. Foto: Paul Müller / DWG

Pressekonferenz mit Prof. Marcus Richter (links) und Prof. Giovanni Maio währen des 13. Deutschen Wirbelsäulenkongresses. Foto: Paul Müller / DWG

„Die Hauptleistung des Operateurs ist nicht die Operation an sich, sondern es sind die individuellen Entscheidungen und Gespräche im Vorfeld. Gerade in operativen Fächern ist Beziehungsmedizin wichtig. Wir müssen uns Zeit nehmen, auch wenn sie nicht vergütet wird.“ – Prof. Dr. Marcus Richter

„Auch wir Ärzte leiden unter der Entwicklung. Ich rate Patienten, sich einen Arzt zu suchen, der gut operieren, aber auch konservativ behandeln kann. Es gibt Patienten, die zu schnell operiert werden, aber genauso gibt es Patienten, bei denen zu lange gewartet wird“, sagt Richter. Der stetig steigende Dokumentationsaufwand in der Medizin, der bisweilen die Hälfte seiner Arbeit ausmache, raube die so wichtige Zeit für den Patienten. „Fakt ist, dass es immer schwieriger wird und das Geld im Gesundheitssystem fehlt.“ Prof. Maio skizziert seine Vision für eine zukünftige Medizin, die sich als Anwältin der Patienten versteht: „Ganzheitlichkeit bedeutet, den Einzelfall verstanden zu haben. Ärzte müssen dafür kämpfen, ausreichend Zeit für das Patientengespräch zu haben.“

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Volker Watschounek lebt und arbeitet als freier Fotograf und Journalist in Wiesbaden. SEO und SEO-gerechtes Schreiben gehören zu seinem Portfolio. Mit Search Engine Marketing kennt er sich aus. Und mit Tinte ist er vertraut, wie mit Bits und Bytes. Als Redakteur und Fotograf bedient er Online-Medien, Zeitungen, Magazine und Fachmagazine. Auch immer mehr Firmen wissen sein Know-how zu schätzen.