Im Werk von Paul Klee (1879 – 1940) Tiere eine besondere Rolle. Mit großer Freude an der Zeichnung und mit hintergründigem Humor erforscht der Künstler die Grenzen der „Vertierung“ des Menschen.

Erstmals widmet sich eine Ausstellung Paul Klees Blick auf das Verhältnis von Mensch und Tier. Seine Tierdarstellungen bewegen sich zwischen der Erkundung der Natur und der Erschaffung neuer geheimnisvoller Kreaturen. Im Rahmen der Internationalen Tage Ingelheim werden etwa 110 Werke auf Papier (Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen), vier Gemälde, Fotografien aus dem Familienalbum von Paul Klee sowie Beispiele aus Klees eigener Naturaliensammlung.

Internationalen Tage Ingelheim, kurz gefasst

Ausstellung – Paul Klee tierisch
Wann: 5. September bis 8. November 2020
Öffnungszeiten: Samstag 11:00–18:00 – Sonntag 11:00–18:00 – Montag Geschlossen – Dienstag 11:00–19:00 – Mittwoch 11:00–19:00 – Donnerstag 11:00–19:00 – Freitag 11:00–19:00
Wo: Altes Rathaus, Francois-Lachenal-Platz 1, 55218 Ingelheim am Rhein

Mit humorvollen Kommentaren zum vielschichtigen Verhältnis von Mensch und Tier lässt sich Klee durch die unerschöpfliche Formenvielfalt der Natur anregen und interpretiert spielerisch ihre typischen Rollen, Eigenschaften und Verhaltensweisen. In seinen spontanen, von kurvigen oder eckigen Linien bestimmten Zeichnungen sind immer wieder neue Bezüge und ironische Hinweise auf das Zusammenspiel von Menschen, Tieren und Mischwesen zu entdecken. Klees oft poetische bis satirische Bildtitel fördern zudem den Spaß für Erwachsene und Kinder gleichermaßen, jedes einzelne Wesen aufzuspüren.

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar.“ – Paul Klee über sich selbst

Auch die Erfindung einer neuen Tierart, dem Urchs, steht in diesem Kontext. In der Wortraffung kombiniert Klee den Ochsen mit dem längst ausgestorbenen Ur. Außerdem klingt im Urchs das Wort urchig an, berndeutsch für urig. Der Name charakterisiert sie als urtümliche Kreaturen, während der naiv-kindliche Zeichenstil ihnen eine gewisse Komik verleiht. Klee lässt typische Bewegungsmuster oder charakteristische Proportionen seiner Spezies in all seine Darstellungen einfließen. So wirken manche der Wesen auf diese Weise fremd und vertraut zugleich.

„Sein Leben lang hat sich Paul Klee künstlerisch mit der Natur und ihren Geschöpfen auseinandergesetzt.“ –NDR Kultur

Paul Klee interessiert sich auch für den Vogelflug als freie Bewegung im dreidimensionalen Raum. Viele seiner Werke sind aus geometrischen Formen und Elementen von Vögeln zusammengesetzt, die sich im Sturzflug befinden, oder aber er zeichnet Vögel, die in wundersamen Apparaturen typische Dinge tun. In der Vorzeichnung zu seinem Werk Zwitschermaschine sehen wir etwa Vögel, die auf einem Ast sitzen und per Kurbel als akustische Maschine betrieben werden können.

Ebenso für die Unterwasserwelt und ihre Farben- und Formenvielfalt hegt Paul Klee eine große Faszination. Wie die Vögel in der Luft sind auch die Fische nicht durch die Schwerkraft an die Erdoberfläche gebunden. Die Ursprünglichkeit der Wasserwesen und die Bewegungsfreiheit dieser Tiere haben den Künstler besonders angezogen. So zeigt die Ingelheimer Ausstellung eine ganze Serie von Fischzeichnungen, die mit Inspirationsquellen seiner Arbeit, Klees eigener Sammlung von gefundenen Muscheln und Steinen, kombiniert werden.

„Paul Klee, dessen Werke von den Nationalsozialisten als entartet beschimpft wurden, emigriert 1933 in die Schweiz und stirbt sieben Jahre später.“ – NDR Kultur

Klee ist ein ausgesprochener Katzennarr. Seit seiner Kindheit begleiten ihn Katzen als Haustiere. In seinen Werken tauchen sie zahlreich auf, wobei er unterschiedliche Facetten der Tiere beleuchtet. In Fotoalben der Familie Klee finden sich unzählige Katzenbilder. Etliche fotografierte der Künstler selbst, viele sind davon verschwommen, da die vierbeinigen Mitbewohner nicht lange genug stillhielten. Auch in Klees Korrespondenz mit seiner Frau Lily und anderen Familienmitgliedern sind die Katzen immer wieder ein Thema.

„Mit seinen zutiefst menschlichen Tieren und vertierten Menschen hinterfragt Paul Klee unser Verständnis zueinander und schafft eine irritierende, bisweilen ironische Distanz, deren Betrachtung oft schmunzeln lässt.“

Damals wie heute ist das Verhältnis von Mensch zu Tier kompliziert und widersprüchlich. Geliebte Haustiere werden zu Mitgliedern der Familie, während Nutztiere einer industriellen Verarbeitung ausgeliefert werden. Über diese Widersprüche denkt Klee genauso nach, wie über die Unterschiede und Wesensmerkmale verschiedener Kreaturen. (Foto: Paul Klee: Ausbrechender Bock, 1939, Aquarell auf Papier auf Karton, Privatbesitz Schweiz, Depositum im Zentrum Paul Klee, Bern)

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Die offizielle Internetseite der Internationalen Tage Ingelheim finden Sie unter www.internationale-tage.de.

 

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