Im 19. Jahrhundert wuchs unter den russischen Migranten der Wunsch nach einem eigenen Begräbnisplatz. 1856 führte er zum Friedhof auf dem Neroberg.

Europa zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Adel suchte nach heiratswilligen Männern. Nicht weniger als fünf Großfürstinnen galt es zu verheiraten. Die Blicke fielen auch nach Deutschland und auf den damals 26-jährigen Nassauer Adolf – und so entstand in Wiesbaden der Russische Friedhof.

Stadtführung, kurzgefasst

Entdeckungstour – Russischer Friedhof und griechische Kapelle
Wann: Sonntag, 13. September, 15:00 Uhr, 2 Stunden
Wo: Russischer Friedhof. Neroberg
Treffpunkt: Vorplatz der Russischen Kirche auf dem Neroberg
Teilnahme: 10,00 Euro

Tickets sind vor Ort erhältlich, Reservierung gerne unter 0611 / 507427 oder Email info(at)kultour-und-mehr.de

Adolf galt als gute gute Wahl. Im Januar 1844 feierten die Nassauer in Petersburg die Hochzeit. Nach der Vermählung blieb das Paar kurze Zeit in Russland und übersiedelte anschließend in ihre Residenz nach Biebrich am Rhein – kaum ein Jahr später starb die junge Herzogin bei der Geburt ihres ersten Kindes.

Russisch-Orthodoxe Kirche

Das traurige Ereignis bot 1855 Anlass auf Vorschlag von Großfürstin Charlotte von Württemberg über den Dächern von Wiesbaden die ersten goldenen Kuppeln einer russischen Kirche in Südwestdeutschland zu errichten. Schon bei der Einweihung wurde der Wunsch geäußert, dass nahe der Kirche ein Friedhof angelegt werden solle, denn im Ausland zu sterben und nicht nach orthodoxer Sitte begraben zu werden, war für viele Russen ein unerträglicher Gedanke.

Russisch-orthodoxen Friedhof

Zunächst für 200 Gräber gedacht, musste der Friedhof mehrfach erweitert werden. Etwa ein Drittel der 800 Beisetzungen erfolgte vor 1917. Angehörige des Zarenhauses und des russischen Hochadels, Militärs, Diplomaten und Geistliche fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Nach der Revolution waren es hauptsächlich Emigranten, Exilrussen und „displaced persons“.

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