370.000 Euro für das Renaturieren des Belbzbachs klingen viel. Der schlechte Boden und notwendige Sicherungsmaßnahmen trugen ihren Kostenteil bei.

In vielen Siedlungsbereichen von Wiesbaden sind Wasserläufe und Bäche noch in ein enges Steinkorsett gezwängt oder verrohrt. Es liegt keine zwölf Monate zurück, da sah es auch noch am Haus der Vereine ähnlich aus, erinnerte sich Wiesbadens Umweltdezernent Andreas Kowol  im Rahmen eines Ortstermins am Mittwochvormittag an dem renaturierten Belzbach.

„Die ökologischen Zielsetzungen sind erfüllt, und die Barrieren für Wasserorganismen beseitigt.  Die Rohre und Pflastersteine wurden entfernt. Die Uferstreifen begrünt. Damit finden im Belzbachtal wieder mehr Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.“ – Andreas Kowol, Umweltdezernent

Unter der Regie des städtischen Umweltamtes wurde der Belzbach auf einer Länge von rund 180 Metern von der Ludwig-Erhard-Straße bis 65 Meter unterhalb der Verrohrung der Straße „Im Wiesengrund“ renaturiert. Die Fläche ist auf einen zehn Meter breiten Uferstreifen begrenzt. Die nördliche und zum Haus der Vereine gerichtete Einfassungsmauer wurde vollständig abgebrochen. Die südliche Mauer wurde belassen. Sie dient der Abstützung der benachbarten Grundstücke und musste aus statischen Gründen erhalten bleiben. Die in Beton verlegten Pflastersteine wurden entfernt und eine variable, teils flache, teils steile Böschung angelegt.

„Auch nachabwärts känn man immer noch solche Verbannungen am Mosbach sehen, obwohl in der Vergangenheit bereits einige Strecken „Am Krummstück“ und im Schlosspark Biebrich renaturiert wurden.“ – Andreas Kowol, Umweltdezernent

Ranaturierung des Belzbach ©2019 Volker Watschounek

Renaturierung des Belzbach ©2019 Volker Watschounek

Um die neue Bachsohle und den Uferbereich auch bei starken Regenfällen zu schützen, wurde eine Steinschüttung aus standorttypischem Taunusquarzit eingebracht. Statt grauer Pflastersteine sollen künftig feuchtigkeitsliebende Gräser und Stauden, wie Sumpfschwertlilie, Wiesen-Iris und verschiedene Riedgräser, das Erscheinungsbild des Belzbaches in diesem Abschnitt prägen. Auentypische Gehölze, wie die Gemeine Esche und die Ohrweide, wurden gepflanzt und ersetzen die Gehölze, die für die Baumaßnahme gefällt werden mussten. Eine Informationstafel mit zahlreichen Fotos am Haus der Vereine erläutert, was im vergangenen Jahr am Belzbach umgesetzt wurde.

„Mit dem Zugewinn an Raum kann sich der Belzbach schneller regenerieren. Zudem wird das Landschaftsbild im Belzbachtal spürbar verbessert und ein neues Naherholungsgebiet erschlossen.“ – Andreas Kowol, Umweltdezernent

Aktuell werden weitere Projekte mit hessischen Fördergeldern am Klingenbach im Ortskern Breckenheim sowie am Lindenbach im Ortsteil Frauenstein umgesetzt. Für das Mosbachsystem, zu dem auch der Abschnitt des Belzbachs zählt, wurde von Seiten des Regierungspräsidiums Darmstadt in Abstimmung mit dem städtischen Umweltamt ein Gewässerentwicklungskonzept erstellt; auch hier sollen in den nächsten Jahren schrittweise weitere Maßnahmen zur Durchgängigkeit und Strukturverbesserung umgesetzt werden – Projekte, die erst mit Landesmitteln möglich werden.

Programm Naturnahe Gewässer

Denn auch beim Belzbach war Schin von Beginn der Planungen klar, ohne die finanziellen Zuwendungen aus dem hessischen Landesprogramm Naturnahe Gewässer wäre die Renaturierung nicht zu stemmen gewesen. Diese soll auch künftig als Chance genutzt werden, systematisch alle anderen Gewässerstrecken, die einen schlechten gewässerökologischen Zustand aufweisen, wieder aufzuwerten.

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