Es war einmal… der Schlossplatz war der Adolf-Hitler-Platz. Keine Frage dass das nach dem Krieg geändert wurde. Im Zuge der Entnazifizierung wurden auch viele andere Straßen umbenannt. 

Viele, aber nicht alle. So hat sich die Pfitzner Straße im Ortsbezirk Nordost bis heute gehalten. Genau dort zeigt sich, dass sich unermüdlicher Einsatz lohnen Kann. Nira Scherer und Renate Grigoleit von der Bürger Initiative (BI) Umbenennung Pfitzner Straßen habe das vergangenen Mittwoch festgestellt. Und so ist es ermutigend, dass sich in nur drei Wochen schon über 450 Menschen dem Vorhaben mit Ihrer Unterschrift angeschlossen haben, so die beiden unisono. Dazu äußert die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Ortsbeirat (OBR) Nordost, Gabriela Schuchalter-Eicke, dass das Begehren der Straßen-Umbennung großen Anklang findet.

„Mit unserem erneuten Antrag zur Umbenennung haben wir gerne das Anliegen der BI aufgegriffen und uns über die breite Unterstützung aus der Bevölkerung gefreut. In einer zunächst kontroversen, aber engagierten Diskussion in der Sitzung vergangene Woche ist die Umbenennung auf den Weg gebracht worden.“ – Gabriela Schuchalter-Eicke

Hilfreich dafür war ohne Frage die breite Unterstützung der BI durch viele einflussreiche Organisationen und Persönlichkeiten in Wiesbaden und auch außerhalb. Insbesondere ist hervorzuheben, dass EVIM als Anlieger und Betreiber von drei Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe und somit Vertreter der größten Anwohner-Gruppe in der Pfitzner Str. die BI vorbehaltlos unterstützt.

„Seitens EVIM möchten wir diese Initiative unterstützen und Sie bitten, ebenfalls dafür zu votieren, damit ein entsprechendes Verfahren zur Umbenennung eingeleitet werden kann.“ – Matthias Loyal, Vorstandsvorsitzender von EVIM

Der OBR hat sich in seiner Sitzung am vergangenem Mittwoch dieser Meinung angeschlossen und ist dem Antrag von B90/DIE GRÜNEN in allen Punkten gefolgt. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass die Fraktionen bis zur nächsten Sitzung im Oktober mögliche Namensvorschläge einbringen sollen. Auch sollen die Bürger umfassend informiert und bei der organisatorischen Abwicklung mitgenommen und durch die Stadt unterstützt werden. Insbesondere wird geprüft, wie für die Anwohner eine kostenneutrale Umbenennung möglich sein könnte.

„Die Kernfrage lautet: wollen wir einen Mann wie Pfitzner weiterhin mit einer Straßenbenennung ehren?“ – Gabriela Schuchalter-Eicke.

Hans Pfitzner signalisierte dem NS-Regime mehrfach seine Sympathie. Er unterschrieb 1933 einen Protest gegen die Wagner-Rede von Thomas Mann. Er lud Hitler, den hochverehrten Herrn Reichskanzler zu seinen Aufführungen ein. Als Stütze der nationalsozialistischen Kulturpolitik erhielt er eine Ehrengabe des Reichspropagandaministeriums 1944 in Höhe von 50.000, — Reichsmark. Hans Frank, der Schlächter von Krakau, lud ihn nach Polen zum Dirigieren ein und Hans Pfitzner schrieb 1946 – also nach Kriegsende – ihm, dem inzwischen zum Tode Verurteilten, noch mitfühlende Zeilen ins Gefängnis.

Weltjudentum

Wie wenig er Abstand von der nationalsozialistischen Ideologie nahm, zeigt folgender Auszug aus einem Dokument: Pfitzner hielt fest …an einen guten Glauben Hitlers. Hitler hat richtig gehandelt, Europa von den Juden befreien zu wollen, denn das Weltjudentum ist ein Problem. Lediglich die stümperhafte Durchführung seiner Ideen könne man Hitler vorwerfen.

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Hintergrundwissen: Zeitgeschichte in Hessen unter www.lagis-hessen.de

Hintergrundwissen: Hans Pfitzner Biografie auf der Seite Wikipedia

 

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