Mahnwache: Bei dem Femizid hatte ein 56-Jähriger nach bisherigen Erkenntnissen zuerst seine 49-jährige Ehefrau erschossen, danach deren 48 Jahre alte Schwester schwer verletzt und anschließend sich selbst getötet.

Rund 80 Personen waren am Freitagabend, 12. Februar, der Einladung der Stadtteilkonferenz Westend und des Präventionsrates der Landeshauptstadt Wiesbaden zur zweiten Mahnwache mit Lichterkette in die Wellritzstraße gefolgt. Nachdem deutlich weniger dem Aufruf des Ausländerbeirats am vergangenen Samstag gefolgt waren, gaben die Veranstalter den Menschen im Quartier eine weitere Möglichkeit, ihrer Trauer zusammen Ausdruck zu verleihen. Bürgermeister Dr. Oliver Franz, auch Geschäftsführer des Präventionsrates der Landeshauptstadt, dankte den Teilnehmern für Ihre Teilnahme und fand die passenden Worte.

„Viele Fragen bleiben bei solch einer Tat offen. Was treibt einen Mann dazu? Und warum tun es überhaupt vor allem Männer, aber Frauen kaum?“ – Dr. Oliver Franz, Geschäftsführer des Präventionsrates der Landeshauptstadt

Durch die Kampagne KOMPASS ist der Präventionsrat im Rahmen des 10-Punkte-Programms Gemeinsam sicheres Wiesbaden mit dem Westend besonders verbunden. Einer der Punkte, die hier im Fokus stehen ist das Thema Sicherheit. Der Präventionsrat sei daher über diese Tat besonders erschüttert. Die Mitglieder des Rates setzten mit Mahnwache und der Teilnahme aller ein deutliches Zeichen gegen Femizide/Frauenmorde, so Franz.

„Fragen über Fragen: Liegt es an der physischen Überlegenheit, fühlen manche Männer sich irgendwie berechtigt zu so viel Zerstörungswut? Und lässt sich solche Gewalt verhindern?“ – Dr. Oliver Franz, Geschäftsführer des Präventionsrates der Landeshauptstadt

Laut der kriminalstatistischen Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des BKA ist jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten. Opfer von Partnerschaftsgewalt sind zu über 81 Prozent Frauen. Die Hälfte von ihnen hat in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Tatverdächtigen gelebt. Bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind die Opfer zu 76,4 Prozent weiblich. Sevince M. war eine von ihnen.
Die Taten werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Sie bleiben dort, wo sie meistens passieren, hinter verschlossenen Türen. Es gibt nicht mal ein genaues Wort für das Geschehen: Femizid, Hassverbrechen, Beziehungstat, Familiendrama?

„Leider müssen wir durch die derzeitige Pandemie davon ausgehen, dass mehr Frauen auf unsere Hilfe angewiesen sind, daher nutze ich heute die Möglichkeit auf die Homepage des Präventionsrates hinzuweisen.“ – Dr. Oliver Franz, Geschäftsführer des Präventionsrates der Landeshauptstadt

Franz betonte in der Wellritzstraße, dass es die Aufgabe unserer Gesellschaft sei, Frauen in solchen Situationen frühzeitig zu helfen und sie aus solchen Beziehungen herauszuholen, bevor es zu spät ist. Die Hilfsangebote müssten umfassend sein und niederschwellig. Sprachbarrieren dürften hier kein Problem sein. Zum Abschluss seiner Rede und bevor sich die Menschen mit Kerzen versorgt entlang der Welritzstraße aufgestellt haben, nutzte der Geschäftsführer die Gelegenheit auf die Internetseite des Prävetionsrates hinzuweisen. Dort habe der Rat mit seinen Partnern für hilfesuchende Frauen erste Kontakte eingestellt – die laufend erweitert werden.

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Fotos: Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite mit der Geschäftsstelle des Präventionsrates der Stadt finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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