Der neue „Pariser Platz“ verbindet Geschichte, Engagement und frische Stadtkultur – und beschäftigt einige bei der Namensfindung für den endgültigen Namen.
Wer früher durch die Spiegelgasse hastete, sah vor allem Dinge, die man gern übersah: Müllcontainer, parkende Autos, ein Platz ohne Absicht. Jetzt öffnet sich dort ein Raum, der plötzlich wirkt, als sei er schon immer dagewesen. Der neue „Pariser Platz“, wie ihn viele inzwischen selbstverständlich nennen, zeigt, wie sich Stadt verwandeln kann, wenn Menschen Lust darauf haben.
Holzdecks leuchten warm, Sitzinseln formen kleine Bühnen des Alltags, und die offene Gestaltung lädt ein, einfach zu bleiben. Man spürt sofort, dass dieser Ort nicht zufällig entstanden ist. Hier wollten Menschen etwas – und haben es umgesetzt.
Ein Projekt, das Menschen bewegt
Bürgermeisterin Christiane Hinninger sprach am Samstag bei der Eröffnung von einem Platz, „der verbindet“. Und tatsächlich wurde an diesem Mittag sichtbar, wie ungewöhnlich eng Rathaus und Bürgerschaft diesmal zusammenarbeiteten. Michael Müller, von vielen liebevoll als „Macher“ geadelt, schob die Idee mit unermüdlicher Energie an. Die Stadt griff zu, verlegte Glascontainer, sicherte Fördermittel und hielt Prozesse schlank.
Eine Konstellation, die in kommunalpolitischen Zeiten fast exotisch wirkt – und vielleicht gerade deshalb so gut funktionierte.
Ortsvorsteher Guido Haas erinnerte daran, wie absurd die Idee vor einem Jahr klang. „Seid ihr wahnsinnig?“, sei sein erster Gedanke gewesen. Heute lächelte er darüber. Das Ergebnis löste den Zweifel auf.

Der Ort erzählt – die Fassaden antworten
Dass der Platz mehr trägt als neue Möbel und frisches Pflaster, zeigte Georg Herbst vom Aktiven Museum Spiegelgasse. Er ließ das Publikum in die Häuser hineinhorchen: in das Brunnenkontor von 1891, das „Gichtwasser“ abfüllte, in rituelle jüdische Tauchbäder unter alten Saalflügeln, in Musikverlage, die nach dem Krieg hier Unterschlupf fanden. Er spann ein Panorama aus Geschichten, die jahrelang unter Staubschichten geschlafen hatten.
Der „Pariser Platz“ wirkt damit wie ein Raum, der seine Vergangenheit endlich zurückerhält – und sie zugleich neu erklärt.
Der Name, der schon lebt – und doch fehlt
Offiziell trägt der Platz noch keinen Namen. Doch die Wiesbadener haben, wie es ihrer Art entspricht, längst Fakten geschaffen. Der Name „Pariser Platz“ fällt in Gesprächen beiläufig, fast liebevoll. Auch Michael Müller nutzte ihn bei der Eröffnung, als sei alles geklärt. Ist es aber noch nicht, wie uns Herbst erzählt. Noch liegen Alternativen auf dem Tisch: „Zum Pariser Hof“, unspektakulär, aber konfliktfrei. Ein Name nach einer Gelehrten, die hier geboren sei ebenso unter den Vorschlägen. Oder der eines Rabbiner, dessen Wirken das Viertel prägte. Der Ortsbeirat wird entscheiden.
Ein Geschenk – und eine Aufgabe
Der gelungenen und schönen Umsetzung geschuldet, rückte am Ende eine ganz andere Frage in den Mittelpunkt: Wird die Stadt diesen Ort schützen? Wird sie ihn pflegen, beleben, weiterdenken? Viele hoffen es. Schönheit kann Disziplin fördern. Und ein Platz, der früher Treffpunkt „an den Mülltonnen“ war, verdient es, künftig Treffpunkt „am ‚Pariser Platz‘“ zu sein. So galt das geflügelte Wort einst unter Stadtführern, so kann sich das Wort entwickeln, wie Michael Müller zu erzählen wusste.

Die Eröffnung zeigte jedenfalls, wie ein zögernder Raum zum selbstbewussten Ort wird. Und wie Stadt entsteht, wenn Menschen nicht warten, sondern anfangen.




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