Gletscher, Rifflsee und Talruhe: Das Pitztal erzählt vom Winter ohne Eile – und von der Kunst, Raum zu lassen.
Seit mehr als zehn Jahren fahre ich ins Pitztal. Und jedes Mal stolpere ich innerlich immer wieder über dieselbe Frage: Warum ist hier so wenig los? Keine Hektik an den Liften, kein nervöses Schieben in der Gondel. Manchmal wartet man vielleicht einen Gletscherexpress ab – doch spätestens oben verliert dann die Zeit ihre Schärfe. Der Blick öffnet sich, der Atem wird langsamer. Wenige Minuten später sitze ich im Café auf 3.440 Metern, halte eine heiße Tasse in der Hand und sehe, wie sich der Winter ausbreitet. Still. Unaufgeregt. Groß.
Vielleicht ist es genau das, was mich immer wieder zurückbringt: Dieses Tal verlangt nichts. Es bietet.
Geschichte unter den Kanten
St. Leonhard im Pitztal gehört zu den größten Gemeinden Tirols. Die Wildspitze wacht über allem. Wenn man hier unterwegs ist, spürt man schnell, dass diese Landschaft nie Kulisse war. Sie war Lebensraum – und oft Überlebensraum. Noch im 19. Jahrhundert schickten Familien ihre Kinder als Schwabenkinder fort, weil der Boden nicht reichte.
Zwei Skigebiete, ein Skipass
Verbinden Sie Ihr Ski-Vergüngen auf dem Pitztaler Gletscher mit dem Skegebiet Riffelsee. Für den Skipss in beiden Ski-Gebieten gilt: Je früher Sie starten Start, desto günstiger ist das Ticket (ab 14:00 Uhr am billigsten, ab 11:00 Uhr teurer).
Wichtig: Preise steigen mit der Anzahl der Tage/Nächte, Online-Tickets sind durchgehend deutlich günstiger als Kassa. Beispiel: 1 Tag kostet ca. 75 € Kassa / 53 € Online, längere Zeiträume staffeln sich entsprechend nach oben
Verlängerungstag: ca. 60 € Kassa / 51 € Online (zeitabhängig)
Vielleicht erklärt das die Zurückhaltung, die das Tal bis heute prägt. Der Winter kam hier nie als Event. Er kam als Tatsache.
Zwei Skigebiete, ein stilles Versprechen
Im Winter verbinden sich der Pitztaler Gletscher und der Rifflsee zu einem Skiraum mit 68 Pistenkilometern. Ich beginne meine Tage meist oben. Die Höhe ordnet den Kopf. Auf 3.440 Metern liegt der Schnee tief, Anfang Februar rund 175 Zentimeter. Pulverschnee trägt, die Hänge öffnen sich weit. Die meisten Pisten sind offen, präpariert mit jener Sorgfalt, die man erst bemerkt, wenn sie fehlt.
Der Gletscher fordert und gibt Raum. Breite, meist rote Pisten, oben auch anspruchsvoll, lassen keinen Zweifel daran, wo man fährt. Später geht es hinüber zum Rifflsee. Dort wird das Gelände deutlich enger. Die Pisten werden schmaler und zum Teil anspruchsvoller. Blaue und rote Abfahrten, schwarze Einsprengsel, eine Talabfahrt, die den Tag zusammenbindet. Mit etwas Glück und passendem Wetter gelingt die Abfahrt über den Notweg vom Gletscher Richtung Rifflsee. Von dort ist der Weg ins Tal immer offen. Es fühlt sich an wie ein Übergang – nicht nur geografisch.
Einkehr ist kein Nebensatz
Irgendwann zieht es mich von den Kanten weg. Die Riffelseehütte gehört für mich dazu, ebenso die Taschachalm. In der Taschachalm serviert man einen Kaiserschmarrn, der nicht erklären will, warum er gut ist. Er ist es einfach. Gastfreundschaft funktioniert hier ohne Inszenierung. Man sitzt, spricht wenig oder viel, schaut aus dem Fenster. Der Winter läuft nicht davon.
Wenn das Wetter nicht mitspielt
Es gibt Tage, da schließt der Himmel. Früher hätte mich das nervös gemacht. Im Pitztal nicht. Dann gehe ich zu Fuß. Spaziergänge durch verschneite Weiler, Winterwanderwege, die leise durch den Wald führen. Skitourengeher ziehen ihre Linien abseits der Pisten, ruhig, konzentriert. Einmal habe ich mich in diesem Jahr auch in einen Pferdeschlitten gesetzt. Die Kufen glitten durch die Landschaft, die Hufe der Haflinger knirschten im Schnee, Atem stieg auf. Zur Pause servierte Bea Eitler vom Reithof Pitztal Glühwein und Tee. Der Winter verführte uns – nicht spektakulär, sondern nah. Vielleicht war das einer der schönsten Momente.
Architektur, die nicht schreit
Oben am Grat steht das Café 3440. Entworfen von Baumschlager Hutter Partners, wirkt es wie eine Pause aus Beton und Glas. Manche nennen es ein Ufo, andere eine Schneewechte. Für mich ist es ein Ort, an dem man begreift, wie klein man ist. Hier liegt die höchstgelegene Konditorei und ein Standesamt. Alltag und Ausnahme teilen sich den Raum. Unterhalb, an der Gletscherstation befindet sich das Restaurant Kristall, ein klassisches Berggastronomie-Restaurant.
Übernachten im Pitztal
Hotel Sportalm
Im Herzen von Plangeroß, nahe den Pisten. Skishuttle vor der Tür, Spa mit Pool und Saunen, Tiroler Zimmer mit Bergblick. Regionale Küche, berühmter Kaiserschmarrn, heißt es. Bewertung von Paaren: 9,3
Hotel Bergland Superior
Ruhig gelegenes Haus mit Sauna und Lounge. Gute Basis für Ski- und Winterwandertage, klar, modern, angenehm zurückhaltend. Bewertung von Paaren: 9,2
Hotel Gundolf
In Tieflehn gelegen, zwei Stationen vor dem Gletscherexpress und eine Station vor der Riffelseebahn. Skibus hält 100 Meter weit weg, Wellnessbereich, Halbpension. Langlaufloipe direkt am Haus. Bewertung von Paaren: 9,4
DAS VIER Sport- und Wellnesshotel
Großzügiges 4-Sterne-Superior-Hotel direkt an der Riffelseeban in Mandrafen und nahe dem Gletscher. 1.300 m² Spa, breites Bewegungs- und Kulinarikangebot. Bewertung von Paaren: 9,7
Mit Blick auf den Riffelsee liegt die Sunna Alm, und auch sie erzählt eine eigene Geschichte. Als höchstes Passivenergiehaus Europas verbindet sie alpine Baukunst mit Konsequenz. Heimische Hölzer, erneuerbare Energie, regionale Küche. Nachhaltigkeit wirkt hier nicht wie ein Etikett, sondern wie eine Haltung.
Warum ich wiederkomme
Mit rund 250 Skitagen im Jahr, mit Höhe, Naturschnee und einer klaren Strategie und den ständigen kleinen Veränderungen zu Gunsten der Touristen bleibt das Pitztal für uns zukunftsfähig. Die Pitztaler Gletscherbahn investiert in Qualität, nicht in Größe. Neue Energieprojekte sollen die Eigenversorgung ausbauen. Expansion endet dort, wo die Berge Grenzen setzen.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich immer wieder hier lande. Das Pitztal drängt sich nicht auf. Es bleibt. Und lässt auch mich bleiben – ein wenig länger, als geplant
Foto – Blick von der Riffelseehütte ©2026 vwa
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