Persönliche Kontakte sind im Sankt Josefs Hospital und allen anderen Krankenhäusern nur noch eingeschränkt möglich. Pfleger und Schwester werden zu wichtigen Bezugspersonen.

Gastbeitrag von Ines Mondon

Sankt Josefs Hospital. Die großen menschlichen Tragödien finden wohl derzeit auf den Nebenschauplätzen von COVID-19 statt und betreffen nicht unbedingt nur diejenigen, die daran erkrankt sind und deren Angehörige, sondern ganz viele andere Menschen. Neben den wirtschaftlichen Folgen sind es wohl insbesondere die sozialen Komponenten, welche derzeit viel Leid und Kummer bringen.

Besuchsverbot in Krankenhäusern

Das Besuchsverbot in den Krankenhäusern gehört dabei zu den spürbarsten Beschränkungen. Besuche im Krankenhaus sind wichtig, sowohl für den kranken Menschen, aber auch für dessen Angehörige.

Und das gilt noch um ein Vielfaches mehr auf einer Intensivstation. In den letzten Wochen gab es unzählige zutiefst berührende Situationen und Szenen in diesem Kontext. Neben der medizinisch-pflegerischen Betreuung gehört die Kommunikation mit den Angehörigen derzeit zu unseren Hauptaufgaben und wir versuchen stets alles zu tun, dass dieser Kontakt bestehen bleibt. Die Frage nach einem Handy und dem entsprechenden Ladekabel gehört mittlerweile zum Standard und es ergeben sich dabei täglich neue und rührende Situationen.

Das Handy als Verbindung nach draußen

Das Handy, das nach vielen Tagen Beatmung und der Aufwachphase aus dem künstlichen Koma das erste Mal von der Pflegefachkraft gemeinsam mit dem Patienten eingeschaltet wird und auf dem unzählige Nachrichten, verpasste Anrufe und besorgte Nachfragen ankommen. Der gestartete Videoanruf mit der Ehefrau löst dann nicht nur beim Patienten ein paar Tränen der Rührung aus. Das sind auch für uns Situationen, die unter die Haut gehen.

„Ich danke ihnen, Gott beschütze sie alle.“ – Angeöriger

Aber manche Nachrichten werden auch nie gelesen werden von dem, für den sie bestimmt waren, denn da ist nur noch Stille. Neben den an COVID-19 Erkrankten gibt es ja immer noch auch die vielen Notfälle, die einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Geburt und Tod gehören zu den Ausnahmen, bei denen es nach sorgfältiger Abwägung gestattet ist, dass die nächsten Angehörigen kommen dürfen. Das heißt aber auch, dass diese am Sterbebett eines geliebten Menschen stehen, den sie tagelang, oder manchmal auch wochenlang nicht gesehen haben, bei Bewohnern von Pflegeheimen sogar viele Wochen nicht. Da wurde der Ehemann möglicherweise nach einem Herzinfarkt reanimiert und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht und außer einem telefonischen Kontakt zu Ärzten und Pflegekräften gibt es keine Möglichkeit, sich direkt mit der Situation auseinander zu setzen. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Anruf kommt, dass nun ein Besuch gestattet ist, aber dieser Besuch wird ein Abschied sein.

„Kein Mensch muss bei uns einsam und allein sterben, wir sind auch in dieser Situation für unsere Patienten da und geben ihnen die Zuwendung und die Würde, die jeder Mensch verdient hat.“ – Pflegepersonal im Joho

Erfahrungsgemäß hilft die Konfrontation in Form von Besuchen, die eigene visuelle Wahrnehmung der Situation, auch von Veränderungen und der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern der Station auch bei der Bewältigung und Verarbeitung von Verlusten und der damit einhergehenden Trauer, aber das ist im Moment kaum möglich. Ein noch schwererer Weg für viele Familien derzeit, als er ohnehin schon ist. Jeder, der schon einmal einen nahestehenden Menschen verloren hat, der wird wissen, wie wichtig auch die Begleitung im Sterbeprozess ist. Auf unserer Station wird es auch stets möglich gemacht, dass in solchen Fällen Angehörige zumindest für eine begrenzte Zeit und zum Abschiednehmen kommen dürfen. Und kein Mensch muss bei uns einsam und allein sterben, wir sind auch in dieser Situation für unsere Patienten da und geben ihnen die Zuwendung und die Würde, die jeder Mensch verdient hat.
So kommt es auch vor, dass Patienten nicht verstehen, dass sie keiner besucht, dass sie sich verlassen und einsam fühlen. Schwerkranke Menschen, die manchmal auch aufgrund ihrer Erkrankung und von Medikamenten beeinflusst, in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt sind und die Situation nicht erfassen und verstehen können.

Eine Pandemie? Oh, dann ist es ja gut, dass ich schon im Krankenhaus bin.“ – Patientin im Joho

Es gibt auch Begebenheiten, die uns ein bisschen schmunzeln lassen, die hochbetagte Frau, die noch nie etwas über Videotelefonie gehört hat und jetzt vor dem Handy sitzt und ihrer Familie zuwinkt, der Patient, der nach einer längeren Phase der Beatmung und Sedierung nach seinen Angehörigen fragt, die ihn wohl nicht besuchen wollen und auf die entsprechende Erklärung antwortet: Eine Pandemie? Oh, dann ist es ja gut, dass ich schon im Krankenhaus bin.

„Er sagt, dass es ihm gut geht, dass Sie sich nicht so viele Sorgen machen sollen und, dass er Sie sehr lieb hat.“ – Pflegepersonal im Joho

Aber es gibt auch viele Tränen auf beiden Seiten, sowohl bei Patienten als auch Angehörigen. Insbesondere die Pflegekräfte fungieren da oft als Bindeglied. Wir versuchen stets Dinge am Haupteingang persönlich entgegen zu nehmen, die für unsere Intensivpatienten abgegeben werden. Manchmal bringen wir eine kleine Botschaft mit für den, der unten im Foyer wartet, ein „Er sagt, dass es ihm gut geht, dass Sie sich nicht so viele Sorgen machen sollen und, dass er Sie sehr liebhat.“ oder dergleichen. Es ist unserem Team sehr wichtig, dass wir allen, als Angehörige unserer Patienten, vermitteln können, dass wir Menschen sind, denen auch das emotionale Wohlergehen der uns anvertrauten Patienten sehr am Herzen liegt.

Hand halten @2020 Sankt Josefs Hospital

Fotos: 2020, Ines Mondon, Intensivstation, JoHo Wiesbaden

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Die offizielle Internetseite des Sankt Josefs Hospital finden sie unter www.joho.de

 

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