In Wiesbaden sind mit Stand 2. April 195 Personen mit Corona infiziert. Der erste Coronafall liegt mehr als zwei Wochen zurück. Das heißt, es gibt die ersten COVID-19 Immunen. 

Experten gehen davon aus, dass nach der Corona-Infektion und COVID-19 gesundete Menschen, gegen das Virus immun sind und andere nicht mehr anstecken können.  Dies muss bei Strategien gegen die Pandemie mehr berücksichtigt werden. Genaue Zahlen zu in Wiesbaden immun gewordenen Personen liegen jedoch nicht vor. Die Möglichkeit einer systematischen Erhebung rückt jedoch näher: So melden die Universitätskliniken Frankfurt am Main mit Professorin Sandra Ciesek, dass sie zusammen mit Forschern des Blutspendedienstes des DRK ein Verfahren entwickelt haben – das so genannte Pool-Testen –, mit dem die Testkapazität um ein Vielfaches erhöht werden kann.

52000 Deutsche gelten als geheilt

Immerhin haben bis Ende März 2020 in Deutschland mehr als 52.000 Menschen ihre COVID-19-Infektion überlebt und sind jetzt oder in wenigen Tagen immun. Die Dunkelziffer ist jedoch riesig, da die Kriterien für Tests bei den geringen Ressourcen auf die Risikogruppe, den Kontakt mit Infizierten und Personen mit schweren Symptomen beschränkt sind. Viele Menschen, die diesen Kriterien nicht entsprechen und/oder nur geringe Symptome aufweisen, werden nicht erfasst. Bei einer von Wissenschaftlern angenommenen Dunkelziffer des 20-fachen der tatsächlichen Infektionen im Vergleich zu den durch PCR-Test ermittelten wäre das etwa eine Million immuner Menschen in Deutschland; Ihre Anzahl nimmt täglich zu wie auch die kumulative Anzahl der Fälle, von denen längst die meisten wieder gesund geworden sind oder nie krank waren. Diese Immunen sind zu berücksichtigen, wenn wir über die zukünftige Strategie gegen COVID-19 nachdenken.

COVID-19: Kontaktverbot lockern

Es ist Zeit, die groben Maßnahmen des Kontaktverbots „für alle“, der Ausgangsbeschränkung „für alle“, der Aussperrung „von allen“ in Form geschlossener Betriebe und Einrichtungen, zu überdenken. Sinnvoll wäre, Personen, die nach einer Infektion und folgender Isolation in die Gesellschaft zurückkehren, mit einem Dokument auszustatten, das sie von Kontaktverboten aller Art ausnimmt.

Häusliche Gewalt

Freiwilligendienste bei der Versorgung von Alten und Schwachen, die Wiedereröffnung bisher geschlossener Betriebe und Einrichtungen sowie die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Leistung gewinnen dadurch eine neue Perspektive. Wir dürfen jetzt niemanden im Stich lassen. 500 Euro mehr Gehalt für systemrelevante Berufe wie Alten- und Krankenpfleger und Supermarktmitarbeiter sowie eine Steigerung des Hartz IV-Satzes um 300 € sind dringend notwendig. Außerdem muss die Stadt mehr Sozialarbeiter einsetzen um gegen häusliche Gewalt und andere Folgen der Kontaktverbote vorzugehen.

Sportanlagen zum Teil freigeben

Was Sportarten betrifft, die in einem bestimmten Abstand ausgeübt werden können wie Tennis, Badminton, Leichtathletik und Waldlauf, sollte über eine Lockerung der Schließung von Sportanlagen, gegebenenfalls unter Auflagen in Bezug auf Abstand und Mundschutz, nachgedacht werden.

Insgesamt beurteilt die Fraktion L&P die vorschnelle Verlagerung von Entscheidungskompetenzen mit Skepsis. Die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit sei wichtig. Vor Ort sieht sie die Aufgabe der Stadtverordneten, aufmerksam und kritisch das Handeln des Magistrats zu begleiten und ihr – in der Hessischen Gemeindeordnung verankertes –  Mitspracherecht zu wahren. Dazu müssen wir uns die Fähigkeit erhalten, über Anträge und Sitzungsvorlagen zu beraten. ∆

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