Wo im vergangenem Jahr rund 15000 begeisterte Schlachtenbummler die übers Bowling-Green und den Kurpark jagenden Wintersport-Stars anfeuerten, durften corona-bedingt in diesem Jahr nur 900 registrierte Besucher mitfiebern.

Quentin Fillon Maillet riss triumphierend die Fäuste in die Höhe. Freudestrahlend fuhr der Franzose über die Ziellinie. Der normalerweise nun frenetisch aufbrausende Applaus des Publikums blieb in diesem Jahr allerdings aus. Der Sieger des jenseits der Bergwelt ausgetragenen Biathlon-Wettkampfes bedankte sich dennoch mit einem liebevollen Winken bei den Fans. Genauso wie Julia Simon, die rund eine Stunde vorher den französischen Doppel-Triumpf bei den Damen perfekt machte. Wo normalerweise an der Strecke, am Bowling Green und vor dem Nassauer Hof rund 15000 begeisterte Schlachtenbummler die Sport-Stars anfeuern, gab es 2020 keine Zuschauertribüne. Nur 900 namentlich registrierte Besucher durften das Schaulaufen der Olympiasieger, Weltmeister und Weltcup-Gewinner unter Berücksichtigung eines umfangreichen Hygienekonzeptes direkt am Bowling Green verfolgen. Hier stellten die Weltklasse-Athleten mit ihren originalen Kleinkaliber-Gewehren am 50 Meter langen Schießstand ihre Präzision unter Beweis, während sie auf dem 1,6 Kilometer langen Rundkurs durch die Landeshauptstadt ihre Form präsentierten. Dem sportlichen Ehrgeiz taten die strengen Auflagen keinen Abbruch. Ob in dem neun Teilnehmer umfassenden Herren- oder im Damenfeld, in den Gesichtern der Biathlon-Champions sah man deutlich: Da wollte jeder gewinnen! Da gab niemand auch nur einen halben Meter verloren. Besonders deutlich war dies bei den Herren Jakov Fak im Kampf um die Plätze mit solch einem Karacho auf die Ziellinie zusteuerte, und gleich durchschoß, auf eine kleine Ehrenrunde.

„Wir haben gezeigt, dass der City-Biathlon ein echtes Highlight in unserer Stadt ist – selbst unter Corona-Bedingungen. Natürlich hat dieser Event mehr Zuschauer verdient, aber auch so waren die Stimmung prächtig und die Leistungen der Spitzen-Athleten hervorragend. Nun hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr wieder alle den City-Biathlon feiern können.“ – Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende. 

Beim ersten internationalen Kräftemessen zwei Monate vor dem Start der neuen Weltcupsaison war Maillet nicht aufzuhalten. Der Franzose durchbrach die Phalanx der Norweger. Trugen doch die Gewinner des City-Biathlons bei den Männern bis dato immer den Nachnamen Bø. Tarjei luchste seinem jüngeren Bruder den Titel im vergangenen Jahr ab. Nun aber musste sich der zehnmalige WM-Goldmedaillengewinner dem Skijäger aus Champagnole geschlagen geben, der im Vorjahr hinter Familie Bø Dritter wurde. Doch jetzt musste Johannes Thingnes sogar mit dem vierten Platz Vorlieb nehmen, vor den Olympiasieger und Gesamtweltcup-Sieger der vergangenen beiden Saisons schob sich noch der Tscheche Michal Krčmář. Im Skiroller-Wettstreit der Hochkaräter aus dem Weltcup-Zirkus belegte Lucas Fratzscher als bester Deutscher einen guten fünften Rang – zumal der 26-Jährige aus Suhl sehr kurzfristig für den erkrankten Philipp Horn einspringen musste.

„Es hat mich sehr gefreut, hier an diesem schönen Fest teilzunehmen. Der City-Biathlon ist eine super Vorbereitung. Und es war auch toll, die Mädels ohne den ganzen Stress der Winter-Wettkämpfe zu sehen. Ich fand, es war eine super Atmosphäre – auch wenn nicht so viele Zuschauer dabei sein durften. So ein Schießstand am Brunnen, das habe ich so auch noch nie erlebt. Es war ein perfekter Tag.“ – Julia Simon

„Ich freue mich über das Rennen, das gibt Kraft für den Winter. Ich habe gesehen, dass ich mithalten kann“, erklärt Fratzscher, der sich für die kommenden Saison vorgenommen hat, sich fest im deutschen Weltcup-Team zu etablieren. Der andere DSV-Athlet war Benedikt Doll, der im Vorjahr auf Rang sechs landete. Nun rückte der 30-Jährige einen Platz nach hinten. Der Sprint-Weltmeister aus dem Schwarzwald fand, dass das Rennen knüppelhart war. So einfach auf einen City-Biathlon fahren und den so runterfahren, dass sei hier nicht möglich. Nach den sechs Runden, sei man schon fertig. Zwischen die beiden Deutschen drängte sich als Sechster noch der Österreicher Julian Eberhard. Der Slowene Jakov Fak und Serafin Wiestner aus der Schweiz fanden sich in der Endabrechnung auf den Plätzen sieben und acht. Eine von A bis Z tadelslose Leistung zeigte Julia Simon. Die 24-Jährige war nach den zwei Qualifikationsrunden schon die schnellste Athletin auf dem Wiesbadener Asphalt. Ihre Poleposition konnte die Französin imponierend verteidigen. Im Ziel hatte sie über 25 Sekunden Vorsprung, dazu leistete sie sich keinen einzigen Fehlschuss – besser geht es nicht. Das war der Platz ganz oben auf dem Treppchen.

„Das hat heute sehr viel Spaß gemacht, ich war irgendwie total nervös und es wurde mit den Schießergebnissen nicht besser. Aber es würde mich freuen, wenn ich nächstes Jahr noch einmal die Chance bekäme, dieses Ergebnis zu verbessern.“ – Janina Hettich, die ihre Premiere in Wiesbaden feierte.

Hinter Simon folgte die Tschechin Markéta Davidová, die Clare Egan aus den USA auf den Bronzerang verweisen konnte. Lena Häcki konnte als Zweitplatzierte der Qualifikation Julia Simon noch Paroli bieten, im Schlussakt blieb der Schweizerin nur der undankbare vierte Rang. Dahinter reihte sich Mari Eder aus Finnland ein. Ingrid Landmark Tandrevold wurde im Vorfeld als Favoritin gehandelt, denn die zweifache Weltmeisterin gehört mit ihrem siebten Rang im Gesamtweltcup der vergangenen Saison zur absoluten Weltspitze. Die Norwegerin musste sich in Wiesbaden aber mit Position sechs zufriedengeben. Hinter ihr kam dann die Russin Ekaterina Yurlova-Percht ins Ziel. Nichts zu ernten gab es für die Damen des Deutschen Skiverbandes: Für Maren Hammerschmidt und Janina Hettich war es am Ende Platz acht und neun. „

„Ich habe beim Schießen irgendwie gar nichts auf die Reihe bekommen.“ – Maren Hammerschmidt

Die Wettkämpfe wurden sowohl bei den Damen als auch bei den Herren durch ein Qualifikationsrennen eröffnet. Hier wurden zwei Runden gelaufen und zwei Mal geschossen. Im Finale mussten die Damen wie auch die Herren sechs Laufrunden mit fünf Schießeinlagen absolvieren. Leider war es aufgrund der Corona-Reglementierungen nur wenigen Zuschauern vergönnt, das Rennen an der Strecke zu verfolgen. Doch alle anderen Biathlon-Fans konnten bequem und trocken vor dem heimischen Fernsehen mitfiebern, denn wie schon in den beiden Jahren zuvor übertrug das ZDF die Finals live. Während eigentlich fast alle sportlichen Großveranstaltungen abgesagt wurden, konnten wir mit der Austragung des City-Biathlons Wiesbaden ein Stück Normalität herstellen – und vielleicht ist uns sogar so etwas wie ein Neustart geglückt. Wir haben gezeigt, dass trotz der Pandemie großartiger Sport möglich ist. Wir haben bewiesen, dass der Sport lebt! Ich finde, das ist eine gute Botschaft“, sagt Ralf Niedermeier. Und der Geschäftsführer des Veranstalters n plus sport GmbH freut sich schon jetzt auf die vierte Auflage. Wenn im nächsten Jahr hoffentlich viele Zuschauer am Streckenrand stehen, um die Gänsehaut-Atmosphäre hautnah zu spüren. Wenn das Nachwuchs- sowie das Promirennen wieder für viel Spaß und Spannung sorgen. Wenn den Besuchern mit einem umfangreichem Rahmenprogramm allerlei Spektakel geboten wird. Dann, wenn mitten im Hochsommer der Wintersport wieder Wiesbaden erobert. 

Bildergalerie City-Biathlon Wiesbaden

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Ergebnis

Herren – 1. Quentin Fillon Maillet (FRA), 2. Tarjei Bø (NOR), 3. Michal Krčmář (CZE) 4. Johannes Thingnes Bø (NOR), 5. Lucas Fratzscher (GER), 6. Julian Eberhard (AUT), 7. Benedikt Doll (GER), 8. Jakov Fak (SLO), 9. Serafin Wiestner (SUI)

Damen – 1. Julia Simon (FRA), 2. Markéta Davidová (CZE), 3. Clare Egan (USA), 4. Lena Häcki (SUI), 5. Mari Eder (FIN), 6. Ingrid Landmark Tandrevold (NOR), 7. Ekaterina Yurlova-Percht (RUS), 8. Janina Hettich (GER), 9. Maren Hammerschmidt (GER)

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Die offizielle Internetseite vom City Biathlon finden Sie unter www.city-biathlon.com.

 

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