Demo in Wiesbaden: Die Verbraucherzentrale Hessen warnt vor Kürzungen, Standortschließungen und weniger Schutz für Verbraucher.
Rund 60 Menschen stehen am Dienstagmittag in der Bahnhofstraße, ziehen los, bleiben zusammen. Trillerpfeifen, Plakate, winterkalte Hände. Begleitet von Polizei und einem Streifenwagen bewegt sich der kleine Zug Richtung Dern’sches Gelände. Es geht nicht um Lautstärke, sondern um Sichtbarkeit. Und um eine Frage, die größer ist als Wiesbaden: Was ist Verbraucherschutz dem Land Hessen wert?
Unter den Teilnehmenden sind der Verbraucherzentrale Hessen-Vorstand Philipp Wendt oder die Stadtverordneten Silas Gottwald (SPD) oder Hartmut Bohrer (Die Linke). Sie hören zu, nicken, bleiben.
Zahlen, die wirken
Wendt spricht ruhig, aber klar. Die Landesregierung plane, die Unterstützung der Verbraucherzentrale um ein Sechstel zu kürzen. Gleichzeitig stiegen die Kosten, nicht zuletzt durch Tarifverhandlungen. Die Rechnung sei einfach und bitter: Für 2026 drohe eine Unterfinanzierung von rund einer Million Euro. Bleibe der Landtag untätig, schrumpften Angebote spürbar.
Das träfe nicht nur Budgets, sondern Orte. Drei von sieben Beratungsstellen stünden zur Disposition – darunter Wiesbaden. Beratung würden sich an Telefon und Video verlagern, unpersönlich werden, Öffnungszeiten sänken. Für viele Menschen sei das keine Lösung.
Warum Beratung Demokratie stärkt
Wendt wird grundsätzlicher. Verbraucherschutz sei keine nette Zugabe für gute Zeiten. Er helfe dort, wo Verträge verwirren, Preise steigen, Hotlines schweigen. Jährlich suchten knapp 100.000 Menschen Rat. Familien mit Energiekosten, Rentnerinnen mit wucherischen Verträgen, junge Leute in Online-Fallen – sie alle profitierten von unabhängiger Beratung.
Gerade in Zeiten, in denen Vertrauen in Staat und Rechtsstaat bröckele, wirke die Verbraucherzentrale stabilisierend. Sie übersetze Paragrafen in Praxis, mache Rechte durchsetzbar – auch gegenüber großen Konzernen.
Unterstützung kommt sichtbar: Mieterbund, Gewerkschaften, Landfrauen. Letztere rollen mit einem Traktor an. Humor blitzt auf, Ernst bleibt. Der Appell richtet sich an den Landtag: Kürzungen korrigieren, Finanzierung sichern, Status quo halten. Sparen sei politisch – und hier falsch gesetzt.
Energiesperren vermeiden, Folgekosten senken
Besonders eindringlich wird Wendt bei der Energieschuldenberatung. Schon geringe Rückstände könnten Sperren auslösen; jährlich träfen sie in Hessen Tausende. Jede verhinderte Sperre sichere Existenzen und spare Folgekosten. Ausgerechnet solche wirksamen Angebote stünden nun infrage.
Der Protest endet, die Debatte beginnt. Wiesbaden hört zu. Der Landtag entscheidet.
Foto ©2026 Volker Watschounek / Wiesbaden lebt!
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Mehr von der Verbraucherzentrale Hessen finden Sie unter www.verbraucherzentrale-hessen.de.



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